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Rafal Gikiewicz sorgt mit Äußerungen für Unmut und stellt sich übers Team

Rafal Gikiewicz in der Kritik

Bildquelle: Jerres [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Als der 1. FC Union Berlin am 16. Juni 2018 die Verpflichtung von Rafal Gikiewicz bekanntgab, wussten wir an der Alten Försterei noch nicht so recht, welcher Typ von Spieler eigentlich demnächst das Tor unserer Eisernen hüten wird. Gekommen vom SC Freiburg, wo er zwei Jahre unter Vertrag stand, hütete er in der Regel nicht das Tor der Breisgauer, sondern musste sich mit einem Platz auf der Ersatzbank zufriedengeben.

Das sah vor seiner Zeit beim Sportclub noch anders aus, denn bei Eintracht Braunschweig, wo er drei Jahre spielte, absolvierte er wettbewerbsübergreifend satte 72 Partien. Zum Vergleich: Beim SC Freiburg waren es lediglich vier Einsätze.

Gikiewicz steigerte sich im Dress von Union Berlin

Mit seinem Wechsel zum 1. FC Union Berlin wollte er endlich zu mehr Einsätzen kommen. Die Saisonvorbereitung verlief aus Sicht von Gikiewicz hervorragend, denn der Pole ergatterte die Pole Position im Kasten unserer Fußballgötter. Zwei Jahre sind mittlerweile seit seinem Transfer aus dem Breisgau nach Köpenick vergangen und was hat er uns mit seinen Sprüchen, mit seinem Auftreten und seinem Können unterhalten? Ein Mensch, der lange Zeit zu uns passte.

Klar, er ist einer unserer Aufstiegshelden und er hatte maßgeblichen Anteil am erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga. Das kann ihm keiner mehr nehmen. Ein Fußballgott eben! Allerdings gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Lange Zeit war nicht klar, ob Rafal Gikiewicz, der im Übrigen nicht nur bei uns zum polnischen Nationalspieler aufstieg, sondern auch noch seinen damaligen Marktwert von einer halben Million Euro zwischenzeitlich auf 1,5 Millionen Euro hochschrauben konnte, seinen Vertrag bei den Eisernen verlängern würde.

Gikiewicz und Union Berlin finden keinen gemeinsamen Nenner!

Die Gespräche zogen sich und seit einigen Tagen ist die Katze aus dem Sack. Der FCU um Präsident Dirk Zingler und Oliver Ruhnert konnten sich mit dem Polen auf keinen neuen Vertrag einigen. Vonseiten des Klubs wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der auch Oliver Ruhnert zu Wort kam: „Nachdem wir uns in mehreren Verhandlungsrunden jedoch wirtschaftlich nicht einigen konnten, haben wir entschieden, uns auf der Torwartposition neu zu orientieren.“

Die üblichen Floskeln, dass man sich für die letzten zwei Jahre bedankt, kennt man aus dem Profisport. Sie sind sicherlich auch vonseiten des Vereins ehrlich gemeint. Leider verlaufen nicht alle Trennungen sauber. Das kennen wir alle auch aus unserem privaten Leben, wo auch nicht immer jede Trennung ohne Rosenkrieg verläuft. Man kann nur hoffen, dass auch diese Trennung zwischen Spieler und Klub ruhig abläuft.

"Nicht das Gefühl, seinen besten Spieler halten zu wollen!"

Im Moment hält sich das Ganze noch sehr in Grenzen, allerdings scheint vor allem Rafal Gikiewicz mit seiner Situation nicht zufrieden zu sein. Dieser Annahme kann man sein, wenn man sich seine Äußerungen im polnischen Fernsehen genauer zu Gemüte führt. So stellte er gegenüber „Canal+ Sport“ Folgendes klar: „dass Geld wichtig ist, aber nicht an der ersten Stelle steht. Ich war bereit, für Union mit meinen Erwartungen nach unten zu gehen.“

 

 

Eine Aussage, die so hingenommen werden kann. Allerdings holte Gikiewicz in der Folge des Interviews zum Rundumschlag aus: „Vom ersten Treffen an hatte ich nicht das Gefühl, dass der Klub seinen besten Spieler halten will. Das habe ich nicht verstanden.“ Dieses Statement dürfte nicht nur Klubverantwortliche treffen, sondern auch seine Mitspieler. Mit dieser Aussage stellt er sich über seine Kollegen, was wohl in keinem Verein gern gesehen wird.

Der einzelne Spieler ist nie größer als der Verein

Niemand ist größer als der Verein und dazu zählen auch Aufstiegshelden, die das Glück hatten, Teil der Aufstiegsmannschaft zu sein. Man hat Großes erreicht und Rafal Gikiewicz gebührt jeglichen Respekt und Anerkennung! Seine Aussagen rütteln dennoch an seinem Image, welches er zwei Jahre lang in Köpenick aufgebaut und vor allem auch gepflegt hat. Man denke nur an das Eingreifen beim Derby im Stadion An der Alten Försterei gegen unsere Nachbarn aus Charlottenburg. Wie stolz waren viele Fans und vor allem auch der Verein, so einen Menschen in den eigenen Reihen zu haben, der sich so einsetzt und für die Werte des Klubs einsteht! Vergessen? In Rauch und Schall aufgegangen? Man muss abwarten, denn aktuell beschreitet der 32-jährige einen Weg, der seinen guten Ruf, den er sich zweifelsfrei hart erarbeitet hat, schaden könnte.

Erinnerungen werden wach, denn schon zu Zeiten seines Abgangs bei Eintracht Braunschweig machten sich Stimmen breit, die sagten, er sei ein Söldner. Rafal Gikiewicz wechselte 2016 nur zwei Tage vor dem Saisonstart zum SC Freiburg in die Bundesliga. Die Löwen legten dem Schlussmann keine Steine in den Weg. Im Gegenteil, man konnte heraushören, dass man erleichtert war, Gikiewicz nicht mehr im Team zu haben, nachdem er immer wieder Teil von Spannungen innerhalb des Teams war.

Parallelen zur Braunschweiger Zeit?

Bei den Fans war er zunächst beliebt und auch wir kennen dieses Gefühl. Wir alle dürften ihn zumindest sehr sympathisch gefunden haben und waren auch zunächst mit seinen dargebotenen Leistungen zufrieden. Der Fall Gikiewicz weist aber unweigerlich Parallelen zu Braunschweiger Zeiten auf, denn wie auch bei den Niedersachsen sorgte er in seiner letzten Hinserie mit guten Auftritten teils für Furore, ehe eine eher schwache Rückrunde erfolgte.

Gut, aktuell konnte in den letzten Monaten sein Können kaum unter Beweis stellen. Bedingt durch die Corona-Krise bekommen wir ja leider keinen Fußball mehr geboten, was sich zum Glück an diesem Wochenende ändert. Aber schaut man mal genauer hin, so kann man Unterschiede zwischen der Hin- und Rückrunde in den Leistungen von Rafal Gikiewicz erkennen. Hier und da kamen Patzer auf, die man sonst nicht unbedingt von ihm kannte.

Rückblick: Gikiewicz mit Problemen in Braunschweig

In Braunschweig kannte man diesen Leistungsabfall bereits, wie Marc Arnold (damaliger Sportlicher Leiter der Löwen) im Interview mit dem Verein erzählte: „Rafal war in der Tat in der vergangenen Saison im Tor gesetzt und gerade mit seiner Form in der Hinserie ein Rückhalt für die Mannschaft. Aber man hat in der Rückrunde auch einen Leistungsabfall erkennen können. Da haben wir uns schon nach den Gründen gefragt. Durch seine Aussagen und sein Verhalten innerhalb des Teams ist während der Vorbereitung verstärkt der Eindruck entstanden, dass er sich zunehmend mehr mit einem Wechsel in die Bundesliga beschäftigt hat, als mit der Eintracht.“

Wiederholt sich das Ganze abermals? Rafal Gikiewicz nun eine gewisse Intention zu unterstellen ist nicht richtig und ist auch nicht unser Ziel. Jedoch müssen Aussagen und vor allem das Verhalten des einst beliebten Keepers hinterfragt werden. Der 32-jährige hatte noch weitere Aussagen gegenüber dem polnischen Sender getätigt, die wir nicht unbedacht lassen möchten.

West Ham United und Besiktas mit Interesse?

So äußerte er sich zum Thema Transfers wie folgt: „Ich hätte Teamkollege von Lukasz Fabianski (35) bei West Ham United werden können, als dieser sich verletzte“, so Gikiewicz, ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Fabianski fehlte den „Hammers“, weil er aufgrund einer Hüftverletzung ausfiel. Und weiter: „Aber ich habe sofort abgelehnt. Ich kenne das Standing von Lukasz dort und wäre wohl nur für ein paar Spiele dort gewesen. Es wäre ein Traum gewesen, aber ich bin nicht daran interessiert, als Ersatzmann zu einem großen Klub zu gehen.“

 

 

Angeblich hatte er auch eine Anfrage aus der Türkei. So soll Besiktas Istanbul Gikiewicz kontaktiert haben, was Gikiewicz ebenfalls nicht unkommentiert ließ: „Die Fans von dort sind verrückt und haben mich bei Instagram belagert. Ein paar Journalisten haben mich nach einer Stellungnahme gefragt, aber ich wollte nicht darüber reden, damit bei Union nicht der Eindruck entsteht, dass ich geflohen bin.“

Wechsel zu Besiktas aus Kalkül abgelehnt?

Auf dem ersten Blick scheint diese Aussage gar nicht so verkehrt zu sein, aber wenn man sich mit dem Thema Loris Karius und Besiktas Istanbul genauer befasst, dann darf über dieses Statement zumindest nachgedacht werden. Die Posse um Loris Karius und Besiktas Istanbul hat wahrscheinlich nicht jeder mitbekommen. Zur Aufklärung: Seit der Corona-Krise muss auch Besiktas Istanbul finanziell mehr denn je auf die Bremse treten. Gehaltskürzungen waren die Folge. Karius hatte dies laut eigenen Aussagen selbst angeboten. Der Verein wollte jedoch gar kein Gehalt mehr zahlen, da Karius auch nicht im Tor stand. Wie denn auch, wenn der Ligabetrieb pausiert und kein Wettbewerb stattfindet?

Rafal Gikiewicz dürfte von dieser Situation sicherlich erfahren haben, denn das Thema war auch in der deutschen Medienlandschaft sehr präsent. Wie ist das Statement von Gikiewicz in Bezug eines Transfers zu Besiktas Istanbul zu werten, wenn man weiß, wie der Verein mit seiner finanziellen Verantwortung umgeht? Diese Frage darf jeder für sich selbst beantworten.

Gikiewicz tat sich mit diversen Aussagen keinen Gefallen

Ohne Rafal Gikiewicz verteufeln zu wollen, muss man aber auch sagen, dass er mit 32 Jahren um wohl seinen letzten größeren Vertrag pokert. Er wird beim 1. FC Union Berlin nicht wenig verdient haben. Klar ist aber auch, dass er in der Vergangenheit auch keine Spitzengehälter verdient haben dürfte, als dass er sich nach seiner Karriere bis zum Lebensabend auf sein „Vermögen“ ausruhen kann.

Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen. Der Klub hatte seine Vorstellungen und die deckten sich nicht mit denen des Polens. Die Folge: Trennung! Schade, denn bei den Eisernen aus Köpenick hätte er seinen Status vergolden können. Zumindest jenen beim Union-Anhang. Momentan vermitteln seine Aussagen, dass er einer verpassten Chance nachtrauert, die Union Berlin ihm eine Weile anbot. Gut möglich, dass Rafal Gikiewicz noch weitere Interviews folgen lässt, wobei zu hoffen wäre, dass nicht nachgetreten wird. Es wäre schade, denn sein Standing, welches er sich erarbeitet hat und sein Legendenstatus könnte bröckeln und Risse erhalten. Im schlimmsten Fall wird er auch bei uns als Söldner verschrien, so wie es nach seiner Zeit in Braunschweig der Fall war. Es wäre mehr als traurig, aber aktuell könnte man den Eindruck gewinnen. Fakt ist, dass er sich mit einigen Aussagen keinen Gefallen getan haben dürfte.


Saison 2019/2020

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