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„Die 1. Bundesliga ist nun endlich für uns da!“ - 3:1-Sieg über den BVB

Frank Nussbücker berichtet vom Sieg Union Berlins über den BVB

Bildquelle: Frank "Nussi" Nussbücker [], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Geschüttelt von Gefühlen, wie ich sie nie zuvor erlebte, begab ich mich gen Köpenick. Unsere ersten 2 Punktspiele fühlten sich mir wie 2 Siege an – dabei hatten wir erst einen einzigen Punkt! Ganz klar, SO würde es nicht weitergehen – aber wie? „Hauptsache nicht die Fresse voll kriegen?“, sprach mein Freund Robert genau das aus, was da hinter meiner Stirn herumwaberte. Natürlich hoffte etwas tief in mir auf das „Wunder von Berlin“.

Wie lange werden wir noch unsere pure Anwesenheit in dieser Liga feiern? Die Mannschaft bei jedem Ergebnis bejubeln, solange sie nur kämpft, wie sich das für Unioner gehört?! Andererseits hatten wir auf Rasen und Rängen gerade in Dortmund bereits zweimal gezeigt, dass da in Sachen scheinbares Wunder einiges möglich ist. „Lieber gegen Union verlieren als gegen Schalke“, höre ich zwei BVB-Fans in der S-Bahn …

Der lange Weg in den Block

Am Bahnhof Köpenick durchfährt es mich: Punktspiel gegen den BVB in unserem Wohnzimmer, wie steil ist das denn! Alles andere ist Zugabe! Polizeiwagen an Polizeiwagen auf dem Weg ins Stadion. „Eisern Union!“, schallt es unter der S-Bahn-Brücke. Trotz Heiserkeit (meine Stimme liegt noch immer in Augsburg) brülle ich mit, fühle ich mich wie besoffen, ohne einen einzigen Schluck! Papa Schnuppe legt mir den Arm um die Schulter: „Na Nussi, alles klar?“ Aber so wat von!

Freunde begrüßen, NEHMT-EUER-HERZ-IN-BEIDE-HÄNDE-Shirt fassen (vielen Eisernen Dank dafür!), ab in den Block! Der ist wieder prall gefüllt. Zum Glück ist Feuerwehrmann Jo so groß, dass ich ihn schon von weitem erkenne und durch die Massen gezielt in die Richtung meiner Leute tauchen kann. Auch der Gästeblock ist voll. Schon jetzt hört er sich gänzlich anders an als beim 1. Punktspiel …

So irre wie beim Aufstieg

Alte Försterei!“, „Wir lieben Union, jawoll“ – schon lange vor „Eisernet Lied“ und Hymne scheppert es in meinen Ohren. „Weiter geht’s!“, heizt uns der Stadionsprecher an. In der gegnerischen Mannschaft so ungewohnte Namen An der Alten Försterei – sind das etwa Nationalspieler? Der Vater des Schiris ist Unioner, wenigstens das! Bei der Aufstellung wird’s wie immer am lautesten bei Micha Parensen. Allein schon, dass ER auf der Bank sitzt, ist uns Grund zum Feiern.

Bei der Hymne eine Doppel-Choreo auf der Waldseite. Als hinterm Zuckertor ein riesiger, unbändig jubelnder Urs Fischer aufsteigt, fühle ich mich augenblicklich in den Moment des Aufstiegs zurückversetzt. „Wer ist Kloppo?“, brüllt mir einer zu. Lasst uns diese krasse Sch… feiern, solange wir das irgend hinkriegen, schießt es durch meinen Kopf. Und gleich rollt der Ball …

 

 

Das Spiel beginnt – Union kämpft

Dortmund muss zum Keeper zurückspielen, weil unsere Mannschaft sie dazu zwingt – wir feiern es wie einen Sieg: „Auf geht’s, Union, kämpfen und siegen!“ 5.50 Minuten von der Uhr, unsere schießen aufs Tor – „Eisern Union!“ Gesang auf Gesang, Ecke Union, zweiter Ball – Außennetz! „Zum Glück hab ick noch keen neuet Bier!“, schreit mir Jo zu, „dit wär‘ jetzt fällig jewesen!“ Und der Mann trinkt stets Liter-Becher!

18. Spielminute, Dortmund gefährlich dicht neben unser Tor, kommen sie jetzt? „Hier, trink mal’n Schluck, dit is jut kalt!“, reicht mir Jo seinen Humpen. Die Melodie des alten Partisanenlieds „Bella Ciao“ schallt von den Rängen, auf dem Rasen wogt es hin und her. Immer wieder muss Dortmund hinten herum. Dann doch mal wieder ein gefährlicher Gäste-Konter – direkter Gegenangriff Union, Ecke!

Bierdusche inbegriffen

Der Ball kommt herein, genau dahin, wohin er gehört, das Tornetz tanzt Pogo, genau wie wir. Weit über mir sehe ich den langen Jo hemmungslos schreien. Sein Humpen ist leer – und schon tanzen wir alle unter der Dusche. Wir führen, der Irrsinn wird immer irrer. „FC Union du wirst siegen, glaub an dich und es wird wahr!“, schreien wir unsere Freude heraus. Kurz darauf das 1:1, werden wir jetzt rasiert? Unsere Antwort klar und laut. „Hier regiert der FCU!“

 

 

Auf Platz und Rängen beharken sich Gelb und Rot, bis wir mit „Wir lieben Union, jawoll“ endlich wieder allein UNSEREN Verein, unsere Mannschaft, unseren Stolz feiern. Schnell gehen wir über zum beschwörenden „Union, Union – Union, Union“, denn Dortmund drückt! Gegenangriff Union, Doppelpass vorm gegnerischen Tor, ein Gelber fällt, der Schiri pfeift, wir pfeifen lauter! Endlich unser Mantra – wir feiern in die Pause!

„Tor für den 1. FC Union Berlin!“

Die gesamte 2. Halbzeit über komme ich nicht mehr dazu, auch nur den Fatz einer Notiz in mein Büchlein zu kratzen. Dieses Spiel ist mir nun endgültig zum Trip geworden. Das liegt keinesfalls nur an der freundlichen Arbeit meiner Bier-Sponsoren Rolf, André und Jo. Was jetzt und hier im Stadion An der Alten Försterei abgeht, kann ich noch anderthalb Tage später nicht in Worte fassen.

Wir singen, feiern jede Balleroberung, jedes Dortmunder Hintenherum wie den Sieg im Europapokal. Erleben wir das alles wirklich? Und wo zum Teufel sind da unten die Nationalspieler? Da fällt, mitten im Dortmunder Pyro-Nebel und unserem „Dem Morgengrauen entgegen“, das nächste TOR FÜR DEN 1. FC UNION BERLIN! Schreien, Duschen, es gibt nur diesen einen wunderbaren Moment der Ekstase.

Nach 97 Spielminuten hebt die Stadiondecke ab

Noch 40 Minuten bis Buffalo, und der Rausch hört einfach nicht auf! Dortmund vor unserem Tor, schießt er oder spielt er ab? Nichts von beiden, denn ein Unioner klaut ihm die Murmel. Die Sekunden ticken so entsetzlich langsam herunter – oder sollen wir einfach nur weiter jeden Augenblick genießen?! Noch 37, 36, …, 17, 16 Minuten, Ecke Union, abgewehrt – und jetzt? Ball zurückgeholt, Lehrbuch-Doppelpass und die Maschen tanzen erneut!

 

 

Viele von uns wissen, was 2 Tore Vorsprung für Union bedeuten können, noch dazu, wenn uns 15 plus x Minuten vom Schlusspfiff trennen. „Nicht mit uns!“, lese ich die Körpersprache unserer Spieler. Ganz sicher krauchen die auf dem Zahnfleisch, wir versorgen sie sangesgewaltig mit Zusatzenergie. 7 Minuten zaubert der Schiri aus dem Hut, na und? Auch die ticken runter, und ganz sicher reißt sein Vater wie wir im Stadion die Arme hoch!

Unioner stehen zusammen

Frank Nussbücker trifft Macchambes Younga-Mouhani nach dem Soiel Union Berlin - BVB

Bildquelle: Frank "Nussi" Nussbücker [], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Meine Nacht in Köpenick ist noch lange nicht zu Ende. Verschnaufen am Barkas, ab ins Coé, wo viele, viele Unioner ohne Ticket das Spiel so heftig feierten wie wir im Stadion. Jetzt feiern wir zusammen! Ich glaub, ich spinne, als ich vorm Coé Macchambes Younga-Mouhani treffe, einen unserer Aufstiegs-Helden in die 2. Bundesliga! Nie vergesse ich, wie direkt unter uns der Horror-Crash mit einem Bochumer Macs Karriere beendete.

Von der Presse verurteilt, seine Kinder werden in der Schule gemobbt, Mac vom Gegenspieler angezeigt und vom Gericht freigesprochen – und ist doch für immer gezeichnet. Jetzt aber feiert er mit uns! Auch das heißt Union Berlin: Niemals vergessen, woher wir kommen! Und wohin gehen wir? Heute einen Riesenschritt dorthin, wovon die (wie mir aus berufener Quelle zugetragen) neue korrekte Liedzeile erzählt: „Die 1. Bundesliga ist nun endlich für uns da!“


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