Werbung


Kommentar: Rassismus im NLZ von Union Berlin? – Journalismus, der auf der Strecke bleibt

Rassismus-Vorwürfe gegen Unionm Berlin

Bildquelle: Andreas Schwarzkopf [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Der Bericht vom „Sportbuzzer“ dürften fast alle Unioner mittlerweile gelesen haben. Ich natürlich auch und ehrlich gesagt, steht mir der Gallensaft bis oben hin. Der Verein hat einen Fragenkatalog erhalten, dessen Beantwortung erbeten wurde. Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, denn im Grunde schreiben die Medien in den letzten Tagen über kaum was anderes, wenn es um den 1. FC Union Berlin geht.

Mir stößt es bitter auf, wenn ich sehe, wie dieser angebliche Journalismus im Einzelnen ausschaut. Union Berlin und rassistische Züge? Vereinsverantwortliche, die ehemalige Jugendspieler beschimpft haben sollen und zudem auch aufgrund ihrer Herkunft aus dem NLZ wegschicken? Ich kann gar nicht mehr aufhören, den Kopf zu schütteln.

Warum ich nicht an Rassismus glaube

Warum ich nicht an Rassismus im Verein glauben kann? Ganz einfach, wenn man sich ein wenig zurückerinnert, dann tauchen wieder Erinnerungen auf, die meine Person betrafen. Ich persönlich erlebte Rassismus in seiner widerlichsten Form. Dazu noch Drohungen gegen mich, die ich damals nicht unkommentiert stehen lassen konnte.

Die Frage, die ich mir selbst damals stellte: Wie geht der Verein, den ich so sehr liebe, den ich unterstütze, dessen Fanartikel ich kaufe und alles aufsauge, was in den Medien rund um den FCU geschrieben wird, mit Rassismus um? Meine Antwort: Die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, waren überwältigend.

Kurze Dienstwege bei Union Berlin

Auf kurzem Dienstweg wandte ich mich an Christian Arbeit. Der Griff zum Hörer war gar nicht so schwer und ihn auf der Geschäftsstelle zu erreichen, war noch leichter als gedacht. Gut, ich hatte noch die direkte Durchwahl, allerdings war er sowohl per Mail als auch telefonisch zu erreichen. Ich erzählte ihm, um was es ging, was mir widerfahren ist und wie sehr mich die rassistischen Äußerungen eines Vereinsmitglieds trafen.

Zusammen wurde diskutiert, was man in dieser Sache machen könnte. Die Frage des Mitgliedsausschlusses stand im Raum. Ebenso ein Gespräch mit dem Täter, Verein und mir in den Geschäftsräumen des Klubs. Von Vereinsseite hat man alles getan, um mich zu unterstützen und jeder Schritt, jeder Gedanke wurde gemeinsam erörtert und abgewogen.

Verein und Fans zeigten klare Kante gegen rechts

Auch vonseiten der Fans, Mitglieder und Sympathisanten des 1. FC Union Berlin erhielt ich einen wahnsinnig großen Zuspruch. Ich „lernte“ Menschen kennen, wenn auch nur virtuell, mit denen ich aber teils bis heute in Kontakt stehe, die einfach klare Kante gegen rechts zeigten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ich war und bin noch immer überwältigt vom Zusammenhalt zwischen Menschen wie du und ich, vom Verein und Sympathisanten. Wie kann es also sein, dass in der aktuellen Diskussion, die ja eher einer Hetzjagd gleicht, mehrere anonyme Jugendliche behaupten, sie wären aus Gründen ihrer Herkunft aussortiert worden?

Der Weg ist das Ziel

Wenn ich persönlich der Meinung bin, rassistisch angegangen worden zu sein, dann suche ich den direkten Weg mit meinem Gegenüber. In dem Fall den Verein und da lässt sich stets jemand finden, der ein offenes Ohr hat und die Vorwürfe ernst nimmt. Sei es ein Christian Arbeit, sei es andere Vereinsverantwortliche, die sich mit den eigenen Sorgen beschäftigen, aber diesen Weg muss man natürlich suchen.

Nun sind es mehrere ehemalige Jugendspieler, die über Rassismus klagen, wenn man dem Bericht von „Sportbuzzer“ überhaupt Glauben schenken darf bzw. kann! Will man nun erzählen, dass ausnahmslos alle Ex-Spieler des NLZ Angst haben, dass ihre mögliche Karriere schon vor dem eigentlichen Beginn Schäden davontragen könnten?

Eltern, Spieler & Spielberater – Welch eine Kombi

Da wird doch sicherlich auch nur ein einziger Spieler dabei sein, der den Mund aufmacht und sagt, was Phase ist, ohne sich in die Anonymität zu flüchten. Wie kann es also sein, dass sich keiner traut, was zu sagen? Für mich ist das unverständlich! Ist es nicht eher der Frust, der darüber herrscht, es nicht im NLZ gepackt zu haben, sich für höhere Ziele zu qualifizieren?

Sind es eventuell die Eltern, die frustriert sind, weil sie sich für ihre Sprösslinge eine Zukunft im Glanze des Profifußballs versprachen? Ist diese Blase zerplatzt? Sind es tatsächlich die ehemaligen Jugendspieler, die sich nun gegen den Verein gewandt haben oder eher die Eltern? Oder sind es gar die Spielerberater? Wenn ich schon lese, dass der eine oder andere Jugendspieler einen Spielerberater hat, dann frage ich mich, was heutzutage los ist?

Fragenkatalog als Mittel zum Zweck?

Wie dem auch sei, ich denke, es kommt auch auf das Wie an! Wie geht man auf den Verein zu? Wie äußere ich mich und vor allem Wie bringe ich einen vermeintlichen Eklat, eine Ungerechtigkeit vor, die ich erlebt haben soll? Kann es nicht auch sein, dass der Frust über das eigene Scheitern vorwiegt?

Dem Verein Rassismus zu unterstellen, empfinde ich als falsch. Nun wird der Klub wie eine Sau durchs Dorf getrieben. Ohne überhaupt wirklich recherchiert zu haben. Ich kann natürlich die eine Seite befragen, aber ich sollte nicht vergessen, dass es auch noch den Verein gibt. Ob ein Fragenkatalog der richtige Weg ist, wage ich zu bezweifeln. Es mag zwar gang und gäbe sein, dass mit solchen Methoden gearbeitet wird, allerdings denke ich auch, dass ein persönliches Gespräch mit den Vereinsverantwortlichen möglich gewesen wäre.

Union Berlin erklärt sich

Ich habe eher den Eindruck, man hatte nun urplötzlich eine brandheiße Geschichte auf dem Schreibtisch zu liegen, die unbedingt veröffentlicht werden muss. Aus meiner Sicht war man zu vorschnell. Man hätte das direkte Gespräch mit dem Verein suchen müssen und nicht so einen bescheuerten Fragenkatalog zusenden dürfen. Gut, das handhabt jeder anders!

Nun hat sich ja Union Berlin dazu entschlossen, selbst tätig zu werden und die Fragen zu beantworten. Hier hätte ich mir gewünscht, sich etwas mehr Zeit zu nehmen, um auf die eine oder andere Frage etwas konkreter eingehen zu können. In der Kürze der Zeit war etwas anderes nichts möglich.

Sportbuzzer klagt über Androhung von Rechtsmitteln

Wer kann es den Verantwortlichen auch verdenken. Die Sache brennt einem unter den Fingernägeln und ein gewisser Frust/Ärger spielt auch mit rein. Also wird geantwortet, was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Am Ende wird man sich im Verein schon reichlich Gedanken dazu gemacht haben, ehe man die Antworten veröffentlicht hat.

Dass sich nun der „Sportbuzzer“ hinstellt und davon spricht bzw. sich beschwert, dass der Verein mit rechtlichen Schritten drohen würde, ist aus meiner Sicht Kindergartengeplänkel. Wenn ich solch einen unqualifizierten Bockmist veröffentliche, dann muss ich damit rechnen, dass sich die Gegenseite rechtlich beraten lässt, um etwaige Unwahrheiten entfernen zu lassen. Es geht hier nicht darum, dass die Bratwurst in der Alten Försterei um 2,50€ teurer wird (keine Angst, sie wird nicht teurer), sondern darum, dass der Ruf des kompletten Vereins, angefangen vom Mitarbeiter im Zeughaus bis hin zum Präsidenten Dirk Zingler beschmutzt wird.

Rechtsmittel sind legitim

Und ja, ich begrüße die Prüfung von Rechtsmitteln, wenn man intern der Meinung sei, dass die Berichterstattung auf falschen Tatsachenbehauptungen gefußt wurde. Das hat auch nichts mit Pressefreiheit zu tun, sondern einzig und allein damit, die Wahrheit zu berichten.

Ich aus meiner Sicht kann seitens des Vereins keinen Rassismus erkennen. Ganz im Gegenteil, eher erkenne ich, dass man sich stets mit vollem Einsatz bemüht, erst gar keinen Nährboden für rechtes Gedankengut zu fördern. Es ist natürlich meine eigene und persönliche Meinung, die ich allerdings durch eigene Erlebnisse begründen kann.

Man ist Mensch – Man ist Unioner

Wie dem auch sei, mir geht die mediale Hetzjagd so tierisch auf den Keks. Dazu auch noch die einen oder andere Kommentare, dass „es in Dunkeldeutschland“ normal sei, dass man es bei einem Ost-Klub nicht anders zu erwarten habe und und und. Ich bin in Spandau aufgewachsen, habe mich mit Blau-Weiß 90 und später mit Hertha BSC identifiziert, dabei seit den späten 80igern mit Union Berlin beschäftigt und Sympathien entwickelt und wohne mittlerweile in Köpenick! Ich bin Vereinsmitglied geworden. Hier fühle ich mich zuhause und daran ändert sich auch nichts!

Ich fühle mich hier wohl, fühle mich im Verein wohl und bin immer sehr erfreut, wenn ich andere Unioner unterwegs treffe, die mich mit einem freundlichen „Eisern“ begrüßen. Komischerweise spielt meine Haut- und Haarfarbe keine Rolle. Man ist Mensch – Man ist Unioner!

Rassismus nicht ausblenden

Idioten hat man allerdings überall und die möchte ich gar nicht ausblenden, jedoch zeigt es sich, wie die große Mehrheit der Unioner sowie der Verein mit Rassismus und Alltags-Rassismus umgeht. Hier wird wieder mehr gemacht, als es wahrscheinlich am Ende ist. Ich möchte Rassismus nicht herunterspielen. Auf keinen Fall!

Mir ist es nur wichtig, dass eben auch die andere Seite gehört wird, ehe irgendein Schmierfink einen Bericht zusammenschustert, dessen Inhalt er über Monate recherchiert haben soll. Warum hat man nicht schon recht früh den Weg zum Verein gesucht? Hätte sich der Mist bewahrheitet, ja dann hätte alle damit leben müssen, dass dies auch an die Öffentlichkeit gerät. So aber, ist es für mich einfach zu einseitig.


Saison 2020/2021

Werbung