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Frank Nussbücker: Kein Wunder auf der Alm – Union Berlin Remis gegen Bielefeld

1. FC Union Berlin Remis bei Bielefeld

Bildquelle: Andy1982 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Steht ein Spiel gegen diesen Gegner an, denke ich besonders heftig an die Saison 2016/17. Zum sommerlichen Hinspiel auf der Bielefelder Alm schlenderte ich die paar Hundert Meter bis zur Fußballkneipe „Tante Käthe“. Zusammen mit meiner kleinen Tochter und drei Unionern begab ich mich auf Auswärts-Spaziergang. Die genannte Sportsbar ist sein vielen Jahren Treffpunkt der Supporter-Gruppe „Arminia-Fans Berlin“.

Wir erlebten ein irres Fußballspiel mit Shakespeare-reifem Szenario. Bielefeld führt, wir gleichen aus, Bielefeld eilt auf 3:1 davon, bevor unsere sich heranackern und gar mit 3:4 in Führung gehen, bevor den Ostwestfalen doch noch der Ausgleich gelingt. Wir beharkten uns derweil mit widerstreitenden Gesängen. Ihr „Bielefeld!“, komplettierten wir mit: „Wo liegt das?!“, dazu unser Liedgut. Doch auch sie wussten zu bestechen, bis heute höre ich ihr donnerndes: „Niemand erobert den Teutoburger Wald!“

„Eisernet Lied“ versus „Arminia, wie schön sind deine Tore“

Am Abend vor dem Rückspiel in Köpenick ward ich zum Lese-Duell in die Käthe geladen. Die Arminia-Fans-Berlin feierten Jubiläum, und in der Bar drängten sich 30 Unioner gegen gut 80 Arminen. Da war auf der kleinen Bühne noch am meisten Platz. Ich hatte mich mit Sporti verstärkt, der den Laden gleich mal mit „Eisernet Lied“ erbeben ließ. Die Arminen antworteten mit der Schunkelmugge: „Arminia, Arminia, wie schön sind deine Tore!“

Hatten schon bei Sporti etliche Arminen mitgewippt, wuchs diese stark alkoholisierte Nacht bis zum Ende zur freundschaftlichen Begegnung lauter Fußballbekloppter in verschiedenen Farben. Am Samstag bei klirrender Kälte das Spiel Am Stadion An der Alten Försterei: Wir gingen in Führung, bevor uns Bielefeld kurz vor der Pause mit dem Ausgleich schockte. Doch unsere Fußballgötter schalteten den Turbo ein, gewannen mit 3:1. Ich war noch heftig mitgenommen und daher froh, dass ich mit Töchterchen und einigen Unioner-Freunden in Harry Bergs Sponsorenloge eingeladen war und mich in der Pause etwas aufwärmen konnte.

Gegen die Wundertüte

Seither gabs zwischen Arminia und uns vier 1:1 Unentschieden – und letzten November unser sensationelles 5:0 AdAF. Nun haben sich die Ostwestfalen pünktlich vorm Spiel gegen uns mit ihrem Trainer-Rausschmiss zur Wundertüte gemausert. Und bevor mich gleich das Spiel sehr einseitig urteilen lässt, schreibe ich noch schnell: Natürlich will ich Union siegen sehen und heute, morgen und übermorgen keinen Fatz: „Arminia, Arminia, wie schön sind deine Tore!“ hören! Trotzdem hoffe ich, dass die wackeren Arminen am Saisonende genau wie wir die Klasse halten.

Falls jetzt jemand „Ostwestfalen – Idioten, scheiß Arminia Bielefeld“ anstimmt – das singen die durchaus mit Humor ausgestatteten Arminen auch im Stadion gern selbst. Oh, da hab ich bei allem Schwelgen fast vergessen, dass wir es heute ja wieder mit reinem Fernseh-Fußball zu tun haben. Wenigstens zusammen mit Freund Robert, also los jetzt. Auf dem Weg treffe ich den Eisernen Radler Lopi. Auch er kiekt nicht allein. Auch er hat keine Ahnung, was das heute wird.

 

 

Das Spiel humpelt dahin

Nun aber herzlich willkommen, Umarmung, das Fernsehspiel beginnt – mit einem vielversprechenden Angriff unserer Mannschaft. Anderthalb Minuten später faustet Andi Luthe den Ball beherzt von unserem Tor weg – und stößt dabei heftig mit Julian Ryerson zusammen. Beide bleiben liegen, bluten, werden behandelt. Für mich als Laien sieht es so aus, als müssten beide auf Tragen vom Feld bugsiert werden. Knapp zehn Minuten später geht’s weiter, Ryerson mit Turban, Luthe mit rotem Pflaster auf der Nase.

Ich muss daran denken, dass Potti dereinst ein Spiel mit mehrfach gebrochenem Nasenbein zu Ende brachte – aber ist Andi klar im Kopf? Ist er – beweist er beim nächsten Bielefelder Angriff! Die Arminen pressen heftig. In der 24. Minute verletzt sich einer der ihren. Zahn rausgebrochen, Zunge abgebissen? Keine Ahnung, muss aber heftig sein. Fünf Minuten später verlässt der Verletzte das Spielfeld. Bis jetzt prägen vor allem die Verletzungspausen das Geschehen. Der Kommentator beschwert sich darüber in Richtung Luthe und Ryerson.

Das Spiel zum Gespräch

Gestocher in unserem Strafraum, Torchance – gebannt! Zehn Minuten später Ecke Union: Kopfball Prömel, Fast-Chance. Ecke Bielefeld – Luthe hat ihn. Irgendwann Pause. In der guten Stube etwas, was ich so noch nie erlebte: Obwohl nur Unioner im Raum, bestimmen unsere Gespräche immer mehr das Geschehen – auch, als der Ball wieder hoppelt. Ist einiges passiert: Ein Verwandter verstarb, eine Freundin gebar ein Baby, auch sonst weit mehr als der Fernseher vermeldet. Oh – Kopfball Union, doch der Keeper macht sich verdammt lang.

Meine nächste Notiz stammt aus der 69. Minute: Freistoß Union, der 3. Ball geht aufs Tor, immerhin! Union erackert weitere Chancen, einige sehen großartig aus – um nicht reinzugehen. Technik verrät: Käpten Trimmel der schnellste Mann auf dem Platz! Ein Spieler, den ich sehr schätze, der allerdings nicht als Sprinter bekannt ist. Ich bin erleichtert, als der Schiri abpfeift. Erleichtert, dass das Gegurke vorbei ist und wir einen weiteren Punkt verbuchen. In der Stube gibt‘s noch eine Menge zu erzählen. So ist der Abend kein Verlorener. Unioner – guckt nicht allein! Eisern.


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