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Frank Nussbücker: Gern mal wieder Köln – Union Berlin siegt gegen den 1. FC Köln

Union Berlin feiert SIeg über den 1. FC Köln

Bildquelle: Steve Watkins [CC BY-SA 2.0], via Flickr.com (Bild bearbeitet)

Meine lebhafteste Erinnerung an Wettkämpfe gegen diesen Verein stammt vom 13. Juni 2020. Es war schon in der Zeit der Zuschauer-Aussperrungen, als ich anlässlich des Union-Spiels zusammen mit 50 bis 60 Unionern auf Eddylines Viktoria durch Berlin schipperte. Durch Westberlin, vorbei an Ufern, die ich niemals zuvor gesehen und vorbei an Leuten, die sich teilweise wohl noch wunderten über unsere Gesänge.

Irgendwann Mitte der 1. Halbzeit hielt es mich nicht mehr auf dem Oberdeck, und ich stieg herunter in den Salon, wo auf großem Bildschirm das in Köln stattfindende Match lief. Neben Sam und Rebellen-Ehrenpräsi Opi riss ich jubelnd die Arme hoch, als Marvin Friedrich kurz vor der Pause das 0:1 für uns einnetzte. Als Gente in der 67. auf 0:2 erhöhte, fühlte ich mich für einen Moment fast wie im Stadion. „Eisern Union!“ schallte es durch den Salon, denn der Verbleib in Liga 1 war damit so gut wie endgültig gesichert.

Von „engen Kisten“ und trostlosem Schneegestöber

Dass den Kölnern in der Nachspielzeit der Anschlusstreffer glückte, ließ uns nur kurz mal zucken. Es war einfach schön, das Spiel auf dem Wasser und zusammen mit zumindest etlichen Unionern zu erleben. Auf den Planken der Viktoria, Eiserne Gesänge auf den Lippen, wird mir das Ganze aus dem Heute heraus betrachtet geradewegs zum Fußballfest. Schön natürlich auch, dass wir die letzten 4 Pflichtspiele gegen die Jecken siegreich beendeten.

Da gab es nämlich mal gaaaaanz andere Zeiten. Denke ich nur an die „janz enge Kiste“ aus dem Oktober 2002 oder ein trostloses Auswärts-2:0 gegen uns, welches mir im Februar 2013 auf einer Schneesturm-Autofahrt ins Oderbruch Blocknachbar Steini jr. via SMS kommentierte. Dem folgte in der Folgesaison eine mindestens ebenso trostlose 4:0-Niederlage in der Domstadt, alles 2. Bundesliga und mit Fans im Stadion. Heute kann ich schon froh sein, dass mich mein Eiserner Nachbar Jo bei sich auf Bude empfängt.

Und: Action!

Mich treibt die Hoffnung, dass wir auch nächste Saison in der 1. Bundesliga spielen und dann, irgendwann, tatsächlich nochmal bei Begegnungen in dieser Spielklasse leibhaftig am Ort des Geschehens sind. Von mir aus auch Sonstwas-Liga, Hauptsache wieder Union! Auch, wenn ich mich zigfach wiederhole: Mein Fußball findet in Stadien statt, nicht im Fernsehen und erst recht nicht in Wüsten-Arenen, die auf den Gebeinen Tausender Menschen stehen, welche beim Bau aus noch ungeahndeten Gründen verstarben. Also los, Anpfiff!

Kaum ist unsere Hymne im leeren Stadionviereck verhallt, legt Union los wie die Feuerwehr. Dann aber Freistoß Köln, Luthe hat ihn sicher. Kurz drauf dringt Grischa Prömel in den gegnerischen Strafraum ein. Er kommt zu Fall, schickt den Ball aber noch Richtung leeres Tor. Leider kullert er knapp links vorbei. Torschuss der Kölner, dann holt Musa eine Ecke raus, die leider nichts einbringt. In der 10. Freistoß durch den Käpten – der Kopfball geht knapp übers Tor! Hier ist Musike drin.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Die Kölner lassen den Ball in ihren Reihen kreisen. „Nicht einlullen lassen!“, mahnt Nachbar Jo. Der nächste Trimmel-Freistoß geht in die Arme des Keepers. Dreieinhalb Minuten später ein Kölner frei vor Luthe – Andi hat den Ball weg von seinem Kasten, danke! Als Kruse aufs gegnerische Tor schießt, antwortet der Kölner Keeper ebenfalls mit einer Parade. Auf die daraus resultierende Ecke folgt eine weitere. Man schickt Schiri Deniz Aytekin Video-Kieken. Aufgrund völlig unklarer Sachlage XYZ/IIVX könnte man Elfmeter geben? Ich bin froh, dass der von mir geschätzte Schiri den Kopf schüttelt.

 

 

Weiter geht es hin und her, wobei Köln mehr den Ball, Union aber viel mehr und darunter äußerst gute Torchancen hat. Aber eben bislang noch kein Tor – und was passiert? Köln verschafft sich in der gefühlt letzten Sekunde der Nachspielzeit einen Elfmeter. Knoche wird sich garantiert heute noch ärgern, dass er den dazu führenden Zweikampf annahm. Aytekin zeigt auf den Punkt. Der Kölner schießt, Luthe hat die Ecke, der Ball leider zu scharf und platziert, das falsche Tornetz zappelt, Halbzeitpfiff!

Kruses Coolness und des Käptens Premiere

Wie hasse ich grad das Wort Effizienz! Und wie kommt unsere Mannschaft aus der Kabine? Keine 2 Minuten sind von der Uhr, da zeigt Herr Aytekin erneut auf den Punkt. Dieses Mal für uns, Handspiel eines Kölners, wie vorhin keine Diskussion. Max legt sich den Ball zurecht. Ich zittere, Max nimmt Anlauf, schießt – nicht ganz so platziert wie vor ihm der Kölner, aber mit geballter Coolness, und schon schlägt das Ding unter der Latte ein, tanzt das richtige Tornetz! Schreiend lassen wir unsere Fäuste gegeneinander knallen.

In den Folgeminuten hat der Effzeh mehr vom Spiel. „Los, Unioner!“, schreie ich den Fernseher an, da stürmen unsere endlich wieder vor. Ryerson flankt, nicht zum ersten Mal in diesem Spiel, gut in den Strafraum. Dieses Mal serviert er Käpten Trimmel den Ball – und was macht der? Er schießt sein erstes Bundesligator für uns, wird Torschütze Nr. 14 der laufenden Saison! Einzig aus dieser Liste im Unionprogramm wusste ich, dass Trimbo noch nicht für uns getroffen hatte – und dass bei all seinen Torvorlagen, Doppel-Glückwunsch!

Na, nun aber!

Erschrocken fahre ich zusammen – aber Luthe fasst sicher nach. Dann der frisch eingewechselte Jolle Pohjanpalo frei vorm Kölner Tor, Glanzparade, Ecke! Max Kruse, der besonders am Anfang der Partie einige Unsicherheiten zeigte, hatte hier den fast „tödlichen“ Pass gegeben. Robert Andrich hält in der 87. den Ball fest, kassiert eine Gelbe für seine Sammlung. In der 88. der zweite Doppelwechsel bei Union, leider einer davon verletzungsbedingt. Gute Besserung, Julian Ryerson!

5 Minuten Nachspielzeit. Die Kölner hatten zur Schlussphase 3 frische Offensivkräfte gebracht und belagern nun unser Tor. 1 Minute 35 der Nachspielzeit, Eckball, 3.35 der nächste ruhende Ball von unserer Fahne „Der kleine Biss“. Endlich haben unsere den Ball, ein Konter, sie haben alle Zeit der Welt – und es erklingt der finale Dreifachpfiff des Herrn Aytekin. Eine großartige Premiere und 38 Punkte auf unserem Habenkonto. Neue Ziele? Aber klar doch, letzte Saison hatten wir 41 Punkte, Eisern heißt dit!


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