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Frank Nussbücker: Ein dreckiger Sieg der Unioner gegen Bayer Leverkusen

Unions Sieg über Leverkusen

Bildquelle: Eiserne-Unioner.de [], (Bild bearbeitet)

Der Tag beginnt mal wieder mit Schreckensmeldungen. Zahlen, Zahlen, Zahlen, Betriebsschließungen und Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs schweben als dunkle Wolken heran. Auch auf der Pressekonferenz zum Spiel ist Corona im Raum, als es um die Frisurenproblematik geht. Haben sich unsere Spieler ihre Haarschnitte illegal besorgt? Muss der Verein hier seine Aufsichtspflicht verstärken, mehr Verantwortung übernehmen, wie das heute oft so selbstgerecht heißt?

Ich könnte lachen, wenn‘s nicht so ernst wäre. Die Toten durch Viruserkrankungen auf der einen, Firmenpleiten wie Existenzbedrohung vieler auf Entlohnung Angewiesener verderben zumindest mir den Spaß. Ganz froh bin ich über Christian Arbeits Entgegnung, es gehe darum, in Lösungen zu denken, statt in Verboten. Wie auch immer, heute nehme ich das Punktspiel unserer 1. Herrenmannschaft vor allem als willkommene Kurzpause vom diesjährigen Seuchenwinter.

Kämpferisch gegen abgezockte Profis

Dabei geht’s heute gegen einen Gegner, dessen Profiteam uns in allen bislang 5 Begegnungen besiegte. Am knappsten letztes Jahr, 15. Februar Am Stadion An der Alten Försterei, mein letztes Heimspiel im prall gefüllten Wohnzimmer. Unsere Mannschaft begann wie die Feuerwehr, bereits nach 7 Minuten hätte es 2:0 stehen können! Immerhin ein Tor lagen wir vorn, bis die Gäste nach gut 20 Minuten ihre erste Chance eiskalt in ein Tor ummünzten.

Niemals vergessen werde ich die Schlussphase dieses Fights. Ein verdammt elendes Gefühl war‘s, als die Gäste in der 83. Erneut fiese Cleverness zeigten und das Spiel für sich drehten. Und eisern die Antwort unserer Mannschaft: Der soeben erst eingewechselte Polti nimmt den Ball vom Torhüter, leitet ihn weiter auf Bülter, der sich von sämtlichen Gegenspielern befreit und den Ball in die Maschen zimmert! Jubel, Ekstase, Eisern Union!

Hart geprüftes Fußballherz

Leider hatte Fußballgott an jenem 15. Februar noch nicht fertig. Aufgrund der von den Bayer-Fans ertrotzten Pyro-Pause gab es 7 Minuten drauf, und mitten darin schlugen die Pillendreher wieder zu, unbarmherzig, eklig, fies. Das erneute Aufbäumen unserer Mannschaft: letzte Ecke, unser Keeper im Strafraum des Gegners, sorgte dafür, dass ich nicht deprimiert ins Coé ging. Im Gegensatz zum Hinspiel hatten die Unioner aufm Rasen klare Kante gezeigt und um ein Haar den so wichtigen Punkt erkämpft.

Was passiert, beim 6. Pflichtspiel gegen Bayer? Bleibt unsere Mannschaft bis zum Abpfiff vollzählig? Steckt den Pillen noch das Pokalspiel vom Dienstag in den Knochen? Haben Urs und seine Leute den passenden Dreh gefunden, den verdammten Ball oft genug über des Gegners Torlinie zu kriegen? Oder hat uns der Gegner zu gut entschlüsselt, um unsere Mannschaft zu entzaubern? Immerhin sehe ich zum Spiel einen Freund wieder, weiß ich viele meiner Mitmenschen im gleichen Fieber wie mich: Eisern Union!

Ein zerfetzter Stutzen

Die Hymne geht los, im Fernsehen zeigen sie Werbung für Bitburger. Endlich Anpfiff, von der Wuhle her Feuerwerk. Auf dem Platz feuern die Leverkusener. Aus der Mitte ein Schuss über unser Tor. Diaby kommt über rechts durch, Ecke Leverkusen. Kurz drauf versucht sich Robert Andrich mit einem Torschuss. Immer wieder Diaby und Bailey über die Außenbahnen, laut meckert Urs aus dem Off. Nach einer knappen Viertelstunde Eckball vom Käpten auf Marvins Kopf – schade, nicht drin.

 

 

20. Minute, Sheraldo liegt am Boden. Ein Stollen ist zerfetzt, auch sonst sieht es übel aus. Nach kurzer Behandlungspause versucht er es nochmal, doch schon beim nächsten Angriff muss er den Ball ziehen lassen. Es geht nicht mehr, unser nächster bester Mann muss verletzt runter. Teuche hat sich bereits umgezogen, übernimmt für den unverletzt pfeilschnellen Niederländer. Und Leverkusen greift weiter an.

Union entschlüsselt?

Der Kommentator vermeldet, sie hätten unsere Mannschaft wohl entschlüsselt. Genau dieser Eindruck liegt bleischwer auf meinem Magen. Wieder und wieder sind sie vor unserem Tor, aber unsere Abwehr steht. Mit 31 % Ballbesitz und 5 Kilometer mehr auf dem Tacho als der Gegner, geht es in die Pause. Werden wir die 2. Halbzeit durchhalten?, brummt der Profi-Pessimist in mir. … Und sofort macht Diaby da weiter, wo es mir so gar nicht gefällt: vor unserem Tor. Oh, humpelt er etwa auch?

50. Minute, Unioner stürmen vor: Prömel auf Teuchert, der kommt klar & frei durch, zieht ab – und wir schreien auf: Der Ball geht an den rechten Innenpfosten, von dem aus er nicht etwa über die Linie ins Netz geht, sondern, den anderen Pfosten noch streifend, ins Aus. Das hätte es doch sein müssen, oder? Die in jedem Fall klarste Chance des bisherigen Spiels, sie gehört uns!

„Den Ball hinein ins gegnerische Tor …!“

Das Spiel wird giftiger. Bailey am Boden, wehrt sich mit beiden Armen vehement dagegen, dass Robert ihm aufhilft. Der wackere Taiwo läuft sich fest, und doch setzt unsere Mannschaft immer wieder Nadelstiche: Schneller Angriff über rechts, schade. Schon wieder ein Konter – knapp am Tor vorbei. Wir schreien wie im Stadion. Lass die den Ball „beisitzen“, immer wieder ist Union gefährlich. Prömel nebens Tor, Bülter, Teuchert – schade!

Leverkusen mal gefährlich, dann wieder Union. Rustikaler Ballgewinn in unserer Hälfte, Teuchert zieht los. 2 Gegenspieler bekommen ihn nicht gestoppt, schon ist der Keeper dran. Mit einer Finte lässt Teuchert ihn einen Tick zu früh runtergehen und nagelt den Ball unter die Latte ins Netz. Jetzt endlich schreien wir nur noch aus Freude. Auf dem Platz Rudelbildung wie bei einer Kneipenschlägerei, ein Gegner sei beleidigt worden. Ich hoffe, die Beteiligten finden den Weg zueinander. Ein Nachbar von der Mittellinie schreibt mir, seine Nachbarn sind grad genervt von seinen Gesängen. Den Armen fehlt unser Virus, wir singen, Eisern heißt dit.


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