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Frank Nussbücker: Zum Geburtstag der stärkste Gegner – Union verliert in Leipzig

Union Berlin mit Niederlage gegen RB Leipzig

Bildquelle: Philipp [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Wenn das keine gelungene Überraschung ist! Pünktlich zum 55. Geburtstag unseres geliebten Vereins kredenzte uns die DFL das herzerfrischende „Ost-Derby“ gegen den Nachfolgeclub des berühmten Leipziger Getränkekombinats VEB Rübenbrause Markranstädt! Ok, Sarkasmus aus. Die in Leipzig stationierte Produkt-Abteilung ist so sehr Ost-Club wie der Porsche ein Ost-Auto ist. Mit seinen 17 plus „Mitgliedern“ hat es aus meiner Sicht auch nichts mit einem Fußballverein zu tun.

Fakt ist, wir mussten heute gegen diese Firma spielen – und ja verdammt, wir begingen das 55. Jubiläum der Gründungs-Konferenz unseres 1. FC Union Berlin vom 20. Januar 1966. Ich musste heute des Öfteren daran denken, wie ich vor 5 Jahren mit einigen Tausend Unionern im Velodrom saß und in Feierlaune Unions 50. feierte. Wie stolz war ich, dass wir seit Jahren eine feste Größe in der 2. Bundesliga waren – Profußball Am Stadion An der Alten Försterei, seit Jahren ohne jedwede finanziellen Probleme – wie lange hatten Unioner davon geträumt!

Stolz in schwerer Lage

Nun also unser 51. Pflichtspiel in der 1. Bundesliga, sportlich seit dem 2. Spieltag auf gutem, mittlerweile sensationellem Kurs! Trotz Geisterspielen ein Unionprogramm zu jedem quasi-Heimspiel unserer 1. Herrenmannschaft im lange vom Wald her beschallten Wohnzimmer! Eine Fan-Szene, die seit jeher auch weitab jedes Stadions aktiv ist, die u.a. für Obdachlose sammelt, Rollstuhl-Schaukeln baut. Dazu eine Mannschaft, in der jeder für jeden rennt und die bislang für jeden Gegner äußerst unbequem war.

Damit sind wir mittendrin in diesem Spiel, wie fast immer David gegen Goliath, wir weiterhin mit stattlichem Lazarett und obendrein 2 Spielern, gegen die der ehrenarme DFB ermittelt. Ich hoffte sehr, dass die beiden Männer das aus dem Kopf kriegten, während sie aufm Platz für uns ackerten. Ich glaube nicht, dass das so einfach geht, sind schließlich Menschen. Und jetzt auch noch das Produkt, mit dem uns die DFL schon den 1. Spieltag der letzten Saison so sehr „versüßte“. Da immerhin konnten wir Fans unsere Meinung dazu im Stadion kundtun.

Der bislang stärkste Gegner

Bei der Aufstellung glaube ich mich fast im Pokal. Der Käpten auf der Bank? Na klar, eine Verwarnung, und er fehlt im nächsten Sechspunktespiel. Von Beginn an bedrängten die mit den Ochsen auf der Brust unser Tor. Nach 1.03 die erste Ecke, Luthe hat ihn. 4 Minuten später die nächste, der Kopfball geht übers Tor. In der 8. stürmt Union erstmalig vors Ochsen-Tor, leider Abseits. Die Getränkeballer drücken, Union verteidigt gut und wirkt für mich im Ansatz sogar gefährlicher. Der Haken dabei: Wir kommen nicht wirklich vor des Gegners Tor.

Vielleicht deshalb versucht es Marcus Ingvartsen aus der Distanz. Er hat sich gut durchgespielt und zieht aus über 20 Metern ab – schade, am Tor vorbei, trotzdem mein Applaus. „Eisern Union!“ würden wir jetzt im Stadion rufen. Unsere Hintermannschaft lässt weiterhin nichts zu – dann jedoch endet unser Pressing in der gegnerischen Hälfte im Handumdrehen vor unserem Tor. Pass auf einen Dosler in bester Position – zum Glück geht sein Schuss weit über unser Tor.

Eisern im Sturm der Getränkeballer

Durchatmen, das hätte ins Auge, sprich ins Netz gehen können. 5 Minuten später ist Teuchert fast durch, ein Gegenspieler klärt. Der FC Mateschitz kassierte nicht umsonst die wenigsten Gegentore der Liga. Super Abwehr, leider! Schon ist Pause. Die Dosen mit klarem Übergewicht, und dennoch nur mit einer echten Torchance. Unsere Fußballgötter sind offenbar nicht grundlos mal wieder etliche Kilometer mehr gelaufen als der Gegner.

 

 

5 Minuten nach Wiederanpfiff verschuldet Julian Ryerson eine Ecke. Andreas Luthe versetzt ihm einen kollegialen Schubser: Kann passieren, komm, wir machen weiter! Kurz darauf die erste Ecke für Union! Ingvartsen wird sie treten – kein Durchkommen für uns. 5 Minuten später Freistoß für das Getränkekombinat aus bester Position – der Kopfball geht weit drüber. Erstmalig seit langer Zeit kann uns der Gegner stark in die eigene Hälfte drängen. Erstmalig seit langer Zeit haben wir kaum Zugriff auf dessen Tor.

Gegentor? Attacke!

Bei allem Abscheu gegen derartige Produkte: Hier steht nicht nur eine Zig-Millionen-Marktwert-Riege auf dem Platz, sondern eine echte Mannschaft. Für mich der stärkste Gegner dieser Hinrunde – und auch der hat uns noch immer nicht besiegt! Nach einigen weiteren Angriffen der Dosler passiert es schließlich: Sie kombinieren sich bis in unseren Sechzehner, wo der eingewechselte schwedische Nationalspieler spektakulär den Ball behauptet und abzieht. Luthe ist mit den Fingerspitzen noch dran, doch es reicht nicht. Der Ball zappelt im falschen Netz, der Favorit führt nach 70 Minuten mit 1:0.

Es gab Union-Mannschaften, die in einer solchen Situation aufsteckten. Diese aktuelle 1. Herrenmannschaft tickt eindeutig anders. Sie greifen an! In der 79. ein beherzter Schuss aufs Tor – hatte da ein Dosler gefoult? Der Schiri sagt nein, weiter! Der nächste Schuss aufs gegnerische Tor! Kurz drauf kratzt Luthe einen Ball um den rechten Pfosten herum. Die Ecke hat er sicher, schon stürmt Union weiter nach vorn!

Es fehlte nur ein Tor!

In der 90. Freistoß für uns aus guter Position. Ab in den Strafraum damit – schade, Stürmerfoul! Kommt Jungs, 3 Minuten Nachspielzeit. Fast 2 davon sind herum, als der Ball und wir dem gegnerischen Tor gefährlich nahekommen. Bülter zieht ab – der Keeper pariert, Mist, du blöder! Und noch einmal wird’s gefährlich, doch Ryerson kommt unmittelbar vorm Tor nicht an die ihm zugedachte Flanke heran. Das Spiel ist aus, mit dem Ball in der gegnerischen Hälfte.

Sensationell Urs Fischers Antwort auf die Frage, was denn heute gefehlt habe. „Ein Tor!“ Das ist schlagfertig und sagt zugleich eine Menge über das gesamte Spiel. Eine geglückte Aktion, und wir hätten hier einen weiteren sensationellen Punkt geholt. Union bis zum Schluss am Ball, das gehört sich nicht nur am Vereinsgeburtstag so. Die Vorsicht der gegnerischen Spieler hat sich unsere Mannschaft hart erarbeitet. Erhobenen Hauptes in die Winterpause, ich meine Restwoche. Samstag geht’s weiter, Eisern heißt dit!


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