Willkommen im Abstiegskampf – Aus der Vergangenheit nichts gelernt

Abstiegskampf bei Union Berlin

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Die letzten Wochen oder auch Monate dürften für uns stellenweise nur schwer zu ertragen gewesen sein. Dabei geht es nicht um Niederlagen, sondern um die Art und Weise, wie unsere Fußballgötter auftreten. Aber nicht nur an den Leistungen der Spieler liegt es, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem man sich fragt, woran es eigentlich liegt, weshalb wir Woche für Woche immer weniger Kampf und Leidenschaft auf dem Rasen zu Gesicht bekommen?

Das, was uns ausmachte, ist uns irgendwie abhandengekommen. Die Meinungen, wie es überhaupt dazu kam, dass unsere Mannschaft teils ein lustloses Gekicke präsentiert, könnten unterschiedlicher nicht sein. Gleich vorweg, ich werde hier nicht auf einzelne Spieler oder Funktionäre einprügeln. Mir liegt etwas an den Boone´schen Regeln und diese rufe ich gerne in Erinnerung auf.

Sachliche Kritik muss erlaubt sein

Wir wissen alle, wie die Ergebnisse in dieser Saison aussehen. Da muss auch nichts schöngeredet werden, sondern man sollte den Finger in die Wunde legen und ehrlich miteinander umgehen. Das können aber nur jene, die für die Leistungen zuständig sind. Als Unioner darf man sich allerdings kritisch äußern, ohne Sorge zu haben, dass einem das fehlende Union-Sein unterstellt wird.

Man kann beides: hinter der Mannschaft und dem Verein stehen UND seine Meinung sachlich zum Ausdruck bringen. Wer trägt die Verantwortung für unseren leistungstechnischen Ist-Zustand? Klar, die Spieler im Kollektiv, denn im Grunde sehe ich vor allem bei den Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten nur wenig Aufmunterndes.

Mannschaft kann es auch anders

Dass es auch anders geht, hat die Truppe ja bereits erwiesen. Man muss sich ja nur die Ergebnisse und die Siege gegen Bayer Leverkusen, dem VfB Stuttgart (Hinrunde) oder auch das Remis gegen den FC Bayern München vor Augen halten. Es geht, WENN sie denn wollen. Und genau das ist die Frage: Will die Mannschaft auch gegen die direkte Konkurrenz so auftreten, wie man es gegen die wesentlich spielstärkeren Teams schafft?

Wie kann es sein, dass man beispielsweise gegen den FC Bayern so eine herausragende Leistung abliefert, während man gegen Mannschaften, wie z.B. FC St. Pauli, Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Heidenheim wertvolle Punkte herschenkt? Es ist für mich kaum zu begreifen und ja, mich frustriert es. Euch sicherlich auch!

Baumgarts Handschrift nicht zu erkennen

Nun werden immer mehr Stimmen laut, dass man sich von Horst Heldt und am besten noch von Steffen Baumgart trennen sollte. Verständlicherweise, denn bleiben die Erfolge aus, werden in der Regel Köpfe gefordert. Selbst das Verlieren ist nicht das Problem, sondern die Art und Weise. Gegen Werder Bremen am Wochenende kann man nun sagen, dass die Rote Karte gegen Andras Schäfer der Game-Changer darstellte.

Was ist indes in Gladbach abgelaufen? Oder auch beim Hamburger SV? War man nicht motiviert genug? Hat man sich gedacht, dass wir mal eben nach Hamburg und Mönchengladbach reisen und die Punkte im Vorbeigehen mitnehmen? Aus meiner Sicht gibt es nur ganz wenig Struktur im Spiel von Union Berlin und da darf man gerne nach einer klaren Handschrift des Trainers fragen. Gibt es diese? Für mich eher nicht. Dass uns gewisse Spielertypen fehlen, dürfte jedem klar sein. Wenn es klar ist, dass uns seit Jahren ein Ballverteiler im Mittelfeld und einer, der die Dinger im Angriff verwertet, fehlt, warum wissen „die da oben“ es nicht?

Alte Baustellen endlich schließen

Ein richtiger Knipser fehlt uns leider, aber der beste Torjäger kann wenig ausrichten, wenn ihm die Zuspiele fehlen. Und hier ist dann auch ein Horst Heldt gefragt. Zugegeben, bereits vor seinem Amtsantritt fehlte uns einer im Mittelfeld, der die Fäden zieht, für Überraschungsmomente sorgt und eben gefährliche Momente kreiert. Diese Baustellen tragen wir schon seit einigen Jahren mit uns herum. Also auch vor der Ära Heldt.

 

 

Dieses Problem dürfte Zingler und Heldt kennen. Dass wir auf dem Transfermarkt nicht einfach mal so fertige Schlüsselspieler kaufen können, ist sicherlich fast jedem klar und dennoch gehört es zur Aufgabe der Entscheider, kreative Lösungen und Ideen zu entwickeln, die sich mit unseren finanziellen Spielräumen abbilden lassen.

Wann wird das Analysierte umgesetzt?

Auch Steffen Baumgarts Art und Weise, Fußball spielen zu lassen, darf gerne kritisch hinterfragt werden. Nehmen wir das Spiel gegen Werder Bremen als Beispiel. Wir sind in Unterzahl und es wird erst in der 63. Minute gewechselt. Statt wirklich mal den berühmten Bus zu parken und mit schnellen Kontern zu reagieren, wurden die Bälle nur planlos nach vorne gedroschen, um es mal platt auszudrücken.

Genau jene Mittel konnten wir schon in den vergangenen Monaten miterleben, als wir eben nicht mit einer roten Karte bedacht wurden. Woche für Woche heißt es, nachdem man verloren hat, man würde die Situation analysieren und Dinge verändern. Ich frage mich, wann diese Veränderung stattfinden sollen. Oder besser noch, wann finden die berühmten Analysen denn genau statt?

Weiterentwicklung nicht zu erkennen

Jetzt kann man gerne sagen, dass man sich aufregt, viele Dinge schwarzsieht und man zu negativ ist. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass man als Spieler eine persönliche Entwicklung erleben möchte. Diese kann ich allerdings nicht erkennen. Es ist ja schön und gut, dass sie unter der Woche laut Aussagen von Baumgart das zeigen, was sie auf dem Platz zeigen sollen, doch am Ende hapert es oftmals an der Umsetzung.

Irgendwas muss sich ändern und auch ich stelle mir die Frage, ob wir mit Baumgart, den ich abseits der Trainerbank sehr schätze und mag, den richtigen Trainer in unseren Reihen haben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, als der Verein offiziell verkündete, dass man Horst Heldt als Manager verpflichtet hatte.

Mensch Baumgart ein dufter Typ - Heldt nicht mein Held

Ich war und werde nie ein Fan und Befürworter von Heldt sein. Dazu hatte er in seiner Manager-Karriere zu viel verbrannte Erde hinterlassen, wenn man den damaligen Erfolg mit dem VfB Stuttgart ausklammert. In Köln und Hamburg war man froh, als man Steffen Baumgart entlassen hatte. Ich habe mich damals gefragt, weshalb sie froh waren, denn eine ganze Weile ging es ja schließlich gut. Nun bekomme ich ein Gefühl dafür, wo die Gründe liegen könnten.

So sehr ich den Mensch Steffen Baumgart schätze und liebgewonnen habe, so muss man leider diese Gefühle beiseitelegen und sich Gedanken um die Weiterentwicklung der Mannschaft machen. Unter ihm stagniert genau jene Entwicklung und Besserung ist leider nicht in Sicht. Ich bin ehrlich gesagt ratlos, frustriert und massiv genervt von den Auftritten unserer Jungs. Auch die ewige Schönrederei bei den Pressekonferenzen kann ich nur sehr schwer ertragen. Was bringt es uns allen, wenn unter der Woche so toll trainiert wurde, wenn man das Erlernte in der Praxis am Wochenende nicht umzusetzen weiß? Irgendwas muss sich also ändern und da liegt es an Steffen Baumgart, die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen.

 

 

Alte Försterei keine Festung mehr

Unsere Art, wie Fußball gespielt wird, ist sicherlich nicht ansehnlich. Allerdings stört mich das nicht im Geringsten, denn am Ende zählen die Punkte auf der Habenseite. Selbst wenn diese fehlen, kann ich mit einem Lächeln im Gesicht darüber hinwegsehen, wenn die Leistung, das Auftreten und die Körpersprache der Spieler passen.

Die Alte Försterei war mal bekannt als Festung. Ein Stadion, in dem es eben nicht so leicht war, die Punkte zu entführen. Mensch, was waren wir stolz, dass die Gegner eigentlich nur wenig Bock hatten, unseren Mannen im Stadion An der Alten Försterei zu begegnen. Und heute? Heute liegen wir in dieser Spielzeit in der Heim-Tabelle im Niemandsland der Tabelle. Vier Siege, 5 Remis und vier Niederlagen – so sieht es aktuell unter dem Strich aus.

Es ist eben nicht alles schön

Den Nimbus, dass wir zuhause im Wohnzimmer schwer zu schlagen sind, haben wir verloren. Auswärts sieht es mittlerweile nicht besser aus. Wir haben in dieser Saison viel Glück gehabt, dass andere Vereine so schlecht spielen, dass wir uns irgendwie ins Tabellen-Mittelfeld retten konnten. Mittlerweile schmilzt der Abstand zum Relegationsplatz und zu den Abstiegsrängen.

Einen Wechsel der Klasse und dem gleichzeitigen Antreten in der 2. Liga kann ich durchaus akzeptieren, aber nicht, wenn man solche Auftritte hinlegt, die wir aus den vergangenen Wochen und Monaten präsentiert bekamen. Ich möchte an dieser Stelle auch gar keine Plattitüden verwenden, denn dieses ewige „Alles ist schön, mir egal, in welcher Liga wir spielen“ ist im Grunde ausgelutscht.

Zurück zu alten Tugenden

Also, was darf man erwarten? Eine Mannschaft, die den Kampfgeist, die Leidenschaft und die Hingabe zurück auf den Platz bringt – Attribute, die wir kennen, schätzen und lieben. Nichts anderes wird von der Mannschaft erwartet. Aber davon sind wir etwas weit entfernt.

Von den Entscheidungsträgern darf man zudem erwarten, dass man sich bis zum Sommer hingesetzt, einen glasklaren Plan in Sachen Kaderzusammenstellung ausgearbeitet hat und versucht, die Charaktere an Bord zu holen, die sich für unser Union auf dem Platz zerreißen würden.

Boone´schen Regeln dürfen nicht vergessen werden

Was bleibt also unter dem Strich? Hausaufgaben, die von den entsprechenden Funktionären und dem Staff umzusetzen sind. Dankbar bin ich dennoch, wobei meine Dankbarkeit sich an uns alle wendet, denn während in anderen Stadien die eigene Mannschaft nach blutleeren, ideenlosen und schwachen Auftritten gnadenlos ausgepfiffen wird, ist dies bei uns zum Glück nicht der Fall.

Genau DAS sollten wir uns bewahren und weiterhin nach den Boone´schen Regeln leben. Und trotzdem muss es erlaubt sein, seine Meinung auch zu schlechten Entscheidungen, Phasen und Spielen zu teilen, ohne dafür kritisiert zu werden. Ich hoffe einfach nur, dass wir am Ende der Saison über dem Strich stehen und im Anschluss ein Team zusammengestellt wird, welches keinen Zweifel an unserer Bundesligatauglichkeit zulässt. Eisern!


Saison 2025/2026
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