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Frank Nussbücker: Das Eisern-Berlin-Flugzeug düst nach Sieg über Malmo weiter durch Europa!

Union-Sieg zuhause gegen Malmö FF

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Entgegen so manchen mulmigen Bauchgefühlen vor Anpfiff unseres vierten Auftritts in der Europa League begann der Abend An der Alten Försterei mit einer wunderbaren Choreo. Gerade erst hatten Christian Arbeit, ein schwedischer Kollege sowie unsere Anzeigetafel mehrsprachig zu Fairness und Frieden gemahnt, da wuchs auf der Waldseite eine Gebirgslandschaft empor. „SCHNALLT EUCH ALLE AN – UNION SPIELT IN EUROPA“, verkündete darunter das Zaunbanner.

Nachdem die gesamte Waldseite ein rot-orange-gelben Farbverlauf angenommen hatte, was an sich schon wunderbar aussah, startete ein in den Farben unseres Vereins gehaltenes (und mich mächtig an die jute, alte Interflug erinnerndes) Flugzeug mit der Aufschrift „Eisern Berlin“! Eine hochgradig kunstvoll ins Bild gesetzte Verdichtung dessen, was wir da grad erleben mit unserem Club, vielen herzlichen Dank!

Gelbe Karten, statt Torchancen

Unsere gewannen die Platzwahl – und kaum hatte Malmö angestoßen, waren Unioner vorm gegnerischen Tor! Nach kurzem Aufbau der Gäste hatten sie schon wieder das Spielgerät erobert und griffen an: Flanke von rechts, leider kam sie nicht an. Unter lautem Gesang von den Rängen landete das große Union-Flugzeug in aller Ruhe hinter der Waldseiten-Zaunfahne. „Auf geht’s Union, kämpfen und siegen!“ Derweil jagten sich beide Teams im Mittelfeld gegenseitig den Ball ab. „Hier regiert der FCU!“

Keine 8 Minuten waren von der Uhr, da sahen wir die erste Gelbe. Bald darauf stürzte ein Malmö-Akteur geradezu halsbrecherisch auf unseren Rasen, doch der Schiri schüttelte den Kopf. „Erste Krämpfe?“, frotzelte Freund Filip neben mir. Becker passte in den Sechzehner, immerhin Ecke! Denkste, was soll das jetzt? Malmö kommt über rechts, ein Schuss aus spitzem Winkel, Frederik Rønnow hat ihn sicher! Nun aber, Union über rechts, aber erneut kommt der letzte Pass nicht an. Oh, Malmö sieht auch mal gelb. „Auf die Fresse!“

Zumindest auf den Rängen ist was los

In Minute 15 brandet es „Eisern!“ „Union!“ zwischen Waldseite und Gegengerade, zweimal auf- und abschwellend, das machte ordentlich den Hals frei! Im Gästeblock glommen immer mal 1-2 Fackeln auf, waren die noch von deren Spieleröffnung übriggeblieben? Am Vorabend hatten sich eine Truppe schwarzgewandeter Malmöer mit Totenkopf-Masken und markigem Spruch vorm Forum Köpenick ablichten lassen, jetzt wirkten sie eher ruhig. Zugegeben, ihre Choreo vor Anpfiff mit hellblau-weißen Schals und vielen Lichtern konnte sich sehen lassen!

Unsere Gesänge blieben laut wie ausdauernd, aufm Rasen indes wurde es ruhiger. Die Gäste vermochten nicht viel, und unseren Angriffen fehlte nach wie vor die Präzision. Becker auf Jordy – schade, wieder nix. Dafür erhob sich in Sektor 4 ein Banner. Ich fürchtete schon einen provokanten Gruß in Blau, aber da stand: „16 Jahre lang Tatendrang, Support und Kreativität / Alles Gute Utra Youth aus Köpenick“. Das Geschehen auf den Rängen war grad packender als das aufm Rasen – ein Hoch auf die Ränge!

Ein Achtungszeichen vom Käpten

Ein Malmöer foulte direkt vorm Unparteiischen, der, aber hatte offenbar grad keine Gelbe zur Hand, alle schon weg? Ecke Union: Trimmi spielt kurz, dann schießt er aufs Tor, dass der Keeper prallen lassen muss, Knoches finaler Kopfball geht rechts nebens Gehäuse! Wow, das war doch mal eine Variante, Eisern Union! Zwei Gelbe später spielt der Käpten punktgenau in die Spitze – Kopfball, leider Abseits. Von Minute 37 bis 40 erklingt ein Eisernes Lieder-Potpourri, es folgt unser Mantra, dann ist Pause.

 

 

Und wir lieben unsern Club, und wir sind stolz auf ihn!“, eröffnen wir den 2. Abschnitt. Unsere setzten sich im gegnerischen Strafraum fest, Dauerbeschuss Richtung Tor, ohne Erfolg. Hinter mir meckern sie schon, die Herren sehe ich hier zum ersten Mal. Becker über links, Jordy befördert den Ball in die Arme des Torwarts. Unser Gesang wird mächtiger, Jordy steht aufreizend frei im Sechzehner, aber seine Kollegen spielen dreimal quer. Der Schal-Gesang ersteht. Ein junger Mann, wohl Abgeordneter der Ultras brüllt uns an“: „ALLE den Schal hoch!“

Ein eigentlich schönes Tor, eigentlich

Wie wunderbar, jetzt ist Becker ist durch! Er tankt sich rechts vors Tor, zieht aus spitzem Becker-Winkel ab – und ja verdammt, das Ding ist drin! Biere fliegen, wir brüllen kurz mal befreit auf, bevor uns die Wirklichkeit einholt. Etliche Meter vom Tor entfernt waren wir im Abseits gewesen, und irgendwie hatte ich wie Blocknachbarin Dana gehofft, dass das außer uns niemand gesehen hatte. „Trotzdem schönes Tor!“, tröstete mich Dana. Der Schal-Gesang setzt wieder ein, heftiger denn je – und Malmö greift an! Ecke, und gleich noch eine, endlich können Unsere klären.

Freistoß Union, der Schal-Gesang wird mittlerweile von kreisenden Schal-Propellern untermalt. Angriff Union – abgepfiffen und mit Gelb bestraft, es steht in dieser Disziplin inzwischen 4:2 für uns. Kurz drauf wird der Malmöer Trainer vom Spielfeldrand aus auf 4:3 verkürzen. „Kämpfen und siegen!“ – und Käpten Trimmi hat auf rechts den Ball, passt ins Zentrum, zwei Schüssen aufs Tor folgt ein flatternder Ball von Rani an den Pfosten! „Wir sind Unioner, wir sind die Kranken!“

Nicht mal ein falscher Elfer für uns!

Im Gästeblock wieder zwei Fackeln, weiß und rot. „Die geben uff!“, kommentiert Nachbar Jo die Szene, „sie zündeln in unseren Farben.“ Unsere über Links, Abschluss – gleich nochmal von rechts – Mist verdammter, der war fast drin, aber der Torwart eben doch noch dran! Will der blöde Ball heute mit Gewalt nicht reingehen?! Doppelwechsel Union: Thorsby und Michel für Jordy und Haraguchi. Die Gäste greifen auch mal wieder an, halbherzig nur, aber gleich zweimal hintereinander. Bitte bitte, Unioner, schießt heute doch noch ein Tor.

Nun aber! Attacke, sie sind über links im Strafraum, Haberer wird gefoult, aber sie bleiben am Gerät. Thorsby und ein Gegner rauschen ineinander, der Schiri pfeift Elfmeter! Er solle sich das nochmal angucken, mahnt der „vielgeliebte“ VAR – und statt Strafstoß für uns gibt’s die Gelbe gegen uns, Schiebung!!! … Oder? … Später am Rechner sehe ich, der Video-Assistent und sein Assistenten-Assistent hatten Recht, blieb uns also nur: „Kämpfen und siegen! … F-C-U-Fußballclub Union Berlin!“

Nun aber! … Oder?

Thorsby rennt sich rechts fest, ein Gästespieler liegt auf dem Rasen lang. Runter mit dem! Da bricht auch schon der nächste Hellblaue spektakulär zusammen. Kreislaufkollaps? Herzstillstand? Vielleicht jetzt wirklich Krämpfe, auf alle Fälle wollen die irgendwie über die Zeit kommen. Union über halbrechts, Kopfball drüber! Aber verdammt, solche Angriffe brauchen wir! Der nächste Hellblaue stirbt auf dem Rasen den Theatertod. Nicht, dass wir am Ende eine ganze dritte Halbzeit nachspielen müssen!

 

 

Apropos dritte Halbzeit, die Stimmung aufm Platz wird immer aggressiver. Becker holt die Brechstange raus, die nächste Angriffswelle, „Eisern Union!“ Als der zigste Malmöer unseren heiligen Rasen als Liegewiese missbraucht: „Auf die Fresse!“ Einer der sündhaft schnell „Wiedergeborenen“ sieht Gelb, als er – in Eigeninitiative oder angestiftet vom Medizinmann – zu rasch wieder das Spielfeld betritt. Sie legen einen Unioner im Strafraum, sprich: Elfmeterpfiff & VAR – Oh, jetzt gar in echt Strafstoß! Nur äußerst zögerlich räumen die Gäste ihren Sechzehner, Rani muss tatkräftig nachhelfen.

Robin erlöst uns

Abwehrchef Robin Knoche schnappt sich das verdammte Spielgerät, während der Schiri dem Tormann auseinandersetzt, dass er nun weder mit ausgebreiteten Armen gestikulieren noch ein Gedicht vortragen, sondern sich einfach nur auf seine Torlinie zurückzuziehen braucht. Bitte bitte, mach ihn rein, flehe ich gen Himmel. Robin nimmt kurz Anlauf und drischt die Kugel in die Maschen. Der rezitierende Gestenmann hatte die richtige Ecke, doch es nützte ihm nichts. Mir wurde schwindelig beim hemmungslosen Feiern dieses Treffers.

„Wird nochmal überprüft“, schockte mich Blocknachbar Jo, „Knoche könnte beim Elfer im Abseits gewesen sein.“ Ich guckte tatsächlich entsetzt Richtung Anzeigetafel – Jo lacht, und ich dann auch. Endlich hatte dieses Spiel, in der letzten Minute der regulären Spielzeit, seinen verdienten Sieger namens 1. FC Union Berlin! Selbst ich hatte heute Null Angst vor der achtminütigen Verlängerung. Dann doch nochmal VAR – und aus der gelb-roten Karte für einen Malmöer wurde Glatt-Rot!

Fäuste hoch und Eisern!

Damit stand es 5:6 an Gelben Karten für Spieler, plus Rotem Extra-Kartönchen für unsere Gäste! Wir indes zelebrierten endlich mal wieder dreifach unseren Aufstiegsgesang. Der dauert schön lange und frisst selbst Nachspielzeit-Sekunden en Masse! Nach einem letzten Wechsel und zum Klange unserer Bella-Ciao-Version war dann endlich Schluss. Wir feierten uns, den Verein und den Fortgang von Union-International. „Wir überwintern in Europa!“ brachte es Christian Arbeit schlussendlich höchstselbst auf den Punkt.

Dann erinnerte er daran, dass in drei Tagen genau hier der Tabellenerste der Bundesliga auf den Viertplatzierten trifft. Schon lustig, wobei der Tabellenführer dann wohl äußerst knülle sein wird. Egal, lasst uns feiern! Schon forderte uns Christian in Vorsänger-Manier auf, die Fäuste zu erheben. „Eisern Union!“, donnerte es übern Platz. Der Irrsinn geht weiter - an diesem Abend erfrischend ruhig, was Unflätigkeiten betraf. Von der grassierenden Malmöer Fallsucht mal abgesehen, aber was schert uns das? Eisern heißt dit!


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