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Frank Nussbücker: Punktgewinn im Dauerstress - Union Berlin mit Remis in Köln

Union Berlin und Köln teilen sich die Punkte

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Englische Wochen als Eiserner Normalzustand für die Unioner auf Rasen und Rängen. So wunderbar das sein mag, zehrt es doch enorm an den Kräften, besonders an jenen unserer Spieler. Ich sah das Spiel mit einer Handvoll Unionern bei Freund Robert, und teilte dessen Vorab-Sicht in weiten Teilen: „So großartig sie am Donnerstag gekämpft haben, sie wirkten auf mich müde. Und vergessen wir nicht, dass uns Baumis Mannschaften schon immer ärgern konnten!“

Ja verdammt, mit Steffen Baumgart stand uns mal wieder ein Trainer gegenüber, der jedes ihm anvertraute Team aufm Platz zur maximalen Leistung peitscht. Mit Europapo in den Knochen und Baumgart als gegnerischem Coach waren für mich die letzten 4 Erstliga-Siege gegen den 1. FC Köln nichts als blanke Historie. Zu dieser gehören ebenso unsere Begegnungen in der 2. Bundesliga, die gerade in der Domstadt längst nicht immer siegreich für uns endeten.

Von Kölle Alaaf zu Eisern Union!

Und die Kölner legen los, wie wir es von Baumgart-Mannschaften kennen: Attacke ohne Wenn und Aber! Torjäger Modeste fällt, er sieht aus, als habe Zahnschmerzen, holt aber den Freistoß raus. Der gerinnt zur Ecke, Luthe pflückt den Ball aus der Luft. Kurz drauf Ecke Union, Grischa Prömel köpft neben das Tor. Dann wieder Köln. Sie bringen Genki zu Fall, kein Pfiff, sondern Balleroberung. Ab geht’s nach vorn, knackiger Schuss aus der 2. Reihe, Luthes Fingerspitzen noch dran, knallt der Ball an die Querlatte, bevor der von Baumi reaktivierte Kölner Torjäger eiskalt abstaubt.

Das Stadion tobt, singt „Kölle Alaaf!“ zur Stadionkonserve – und unsere Mannschaft? Sie starten gleich mal einen Gegenangriff! Taiwo lässt sich den Ball nicht nehmen, bringt ihn zu Gießelmann, der auf Ryerson ablegt – und schon zappeln die Maschen des richtigen Tors! Kein Alaaf aus der Konserve, dafür jubelnde Unioner in Köln wie anderswo – auch in Amerika! Unsere Runde genehmigt sich den ersten Tor-Schnaps. Auf unsere Mannschaft, die aufm Platz die beste aller Antworten gab!

Kölner Freistoß-Festival

Köln foult, Freistoß Union, dann greift Baumgarts Truppe wieder an, abgewehrt! Taiwo holt eine Ecke für uns raus, Schuss von Genki, leider drüber. Kurz drauf gelb für Turban-Träger Timo Baumgartl, Freistoß Köln für so jut wie nix, obendrein aus bester Position. Strafraum-Duell zwischen unserem Torwart und dem wüst provozierenden Kölner Torjäger, Gelb für beide, Mist, verdammter! Der folgende Schuss geht in den Ofen, sprich schön weit über unser Tor. Aber Köln bleibt am Drücker, obendrein stören sie unerbittlich unser Aufbauspiel.

Dann Genki mal über rechts – schade, der wunderbar gedachte Ball kommt nicht an. Sie foulen Taiwo an der Strafraumgrenze – ungeahndet vom Schiri, der einen Tick später Freistoß für die Heimmannschaft pfeift. Kurz drauf gleich noch einer, weil ein Kölner hinfiel. Uns erscheint das „Schieds-Gericht“ etwas einseitig, und mein Nachbar bemerkt: „Wer von hinten schubst, wird belohnt!“ Natürlich nur, sofern er ein buntgeschecktes Karnevalshemdchen trägt. Was soll’s, weiter geht’s!

 

 

Und sie hauen ihn Eisern rein!

Mist, sie sind durch, der Ball geht knapp rechts an unserem Kasten vorbei. Zwei Minuten später der nächste Kölner Torschuss – Luthe hat ihn! Angriff Union, leider springt der Ball Sheraldo Becker an die Hand. Dann Abstoß Köln, und jetzt pressen auch wir früh und beherzt. Der Ball gelangt zu Prömel, der leitet zu Genki, der ihn prompt an den mittlerweile bestens positionierten Grischa zurückgibt. Kein Erbarmen, kein Vertun, Prömel haut das Ding gnadenlos rein. Union führt, auswärts und kurz vor der Pause, wie geil ist das denn!?

Schon hat unsere Mannschaft wieder den Ball, ab in den Strafraum, Taiwo zieht ab – Mist, übers Tor, das wäre es doch gewesen! So also geht es „nur“ mit der knappen Führung in die Pause. Köln hat zwei Torschüsse mehr, deutlich mehr Ballbesitz und die bessere Zweikampfbilanz, na und? Union liegt vorn, sonst nix! Zeit für den nächsten Tor-Schnaps und ein paar Minuten Nerven-Entspannung.

Nächstes Mal gewinnen wir

Bei der Wiederholung unseres Führungstreffers auf dem Fernsehbildschirm wird mir warm ums Herz. Gerade will ich sagen: „Genki, warum zögerst du?“, da gewahre ich: Er wartete genau den richtigen Sekundenbruchteil mit seiner finalen Weitergabe auf den Torschützen Grischa Prömel, geiles Zusammenspiel! Mit dem Wiederanpfiff stürmen die Kölner. Schon wieder Freistoß, schon wieder ein Kopfball knapp neben unser Tor, da höre ich unsere wackeren Auswärtsfahrer: „Wir sind Unioner, wir sind die Kranken!

Prompt greifen unsere an, Genki auf Taiwo – schade! Ecke Köln, Konter Union, ach wie wäre das schön. Die Heimmannschaft bestürmt jetzt unentwegt unser Tor, mittlerweile ist Andersson im Spiel. Union hält dagegen, schon läuft die 82. Minute. Eckball Köln, geklärt! Und ja, dann packen sie es doch noch mit dem verdammten Ausgleich. Das ist ärgerlich und saugemein, aber ganz ehrlich: Sahst du hier Unioner kämpfen? Ich sah sie ackern wie die Tiere – und fast siegen! Und als ich einen Tag später bei Kicker las: „Köln holt einen Punkt gegen Union“, konnte ich mir das Grienen nicht verkneifen. Sorry, Baume, nächstes Mal gewinnen wir, Eisern!


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