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Frank Nussbücker: Mal wieder ne enge Kiste - Union Berlin verliert 0:5 bei Bayer 04

Bayer Leverkusen zerlegt Union Berlin

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Nach all den Krimis der letzten Wochen ging es mal wieder gegen einen Gegner, der weit unten in der Tabelle steht und in dessen Stadion wir noch nie gewannen. Denkbar ungünstige Voraussetzungen also für einen rauschhaften Union-Spieltag, aber auch für unseren Gegner. Denn es ist mitnichten der Anspruch dieser schwer reichen West-BSG aus Leverkusen, sich am unteren Ende der Bundesliga-Tabelle aufzuhalten.

Der Gästeblock der Arena war gut gefüllt und unsere Auswärtsfahrer von Beginn an lautstark dabei. Aufm Rasen spielte sich das Geschehen vorrangig zwischen den Strafräumen ab. Man beharkte einander, beide Teams zeigten einige Fehlpässe, Schüsse auf die Tore standen zunächst nicht zur Debatte. Irgendetwas sauschweres lag auf dieser Begegnung. Sollte das hier tatsächlich ein Treffer-loses Unentschieden werden? Ein solches gab es noch nie zwischen uns und Bayer Leverkusen.

Torschüsse Mangelware

Die letzten 3 Begegnungen endeten Unentschieden, doch stets zappelten die Tornetze mindestens zweimal. Ich komme mir hier fast so vor wie der gestrige Radiokommentator, welcher mangels packender Szenen ebenfalls weit ausholte, um etwas von sich zu geben. Nun aber Union: Flanke in Richtung Fünfmeterraum, Thorsby kann nichts draus machen, Neuaufbau … in Minute 25 ein Freistoß für die Hausherren aus gefährlicher Position – der Ball kullert in den freien Raum rechts von unserem Tor, wo ihn Grill in aller Ruhe aufnimmt.

Immer wieder bestens zu vernehmen sind die Gesänge unserer Auswärtsfahrer. Torchancen indes blieben Mangelware wie dereinst und vielleicht schon bald wieder Südfrüchte. Sheraldo Becker gegen drei, er wird gefoult. Unseren Freistoß klärt der Leverkusener Torwart ohne alle Mühe. Einige Zeit darauf fast ein Schuss der Hausherren auf unseren. Kasten. Auf der Gegenseite nimmt Sheraldo Maß, um das Ding weit, weit übers Gehäuse zu dreschen. Die Hausherren nähern sich unserem Tor, doch nichts passiert. Unsere antworten mit einem halben Angriff.

Doch nicht zu Null

„Wo du auch spielst, ja wir folgen Dir!“, bringen unsere Auswärtsfahrer eines der treffendsten Statements über ihr Fußballleben. Nachdem ein von uns bestens ungemochter gegnerischer Spieler gleich zu Beginn Gelb gesehen hatte, sammelt nun unsere Mannschaft fleißig Verwarnungen. Dann wirft unser Tormann das Spielgerät zu Robert Andrich! Der passt zu seinem Gelb-verwarnten Mitspieler, dessen Übers-Tor-Schuss den bislang gefährlichsten Moment dieser Partie darstellte. Mit 3 Torschüssen auf jeder Seite endet eine zumindest aufm Rasen ereignisarme 1. Halbzeit. Unsere Mannschaft erwies sich bis hierher als ebenbürtig, sehe ich es positiv. Und zugegeben: Dramatik erlebten wir die letzten Wochen genug. Sollte es nach alledem tatsächlich ein ganz ruhiges 0:0 geben?

 

 

Du weißt so gut wie ich: Dem war nicht so. Gerade war Halbzeit 2 angepfiffen, da drang Bayer auch schon vor unser Tor. Sie erkämpften einen Eckball, und ausgerechnet Robert Andrich haute uns die Murmel in die Maschen, sodass nun auch mal das Heimpublikum laut werden konnte. Der Schütze immerhin zeigte, dass er mal Eisern unser Trikot trug. Bald darauf der nächste Abschluss, sicher gehalten von Lennart Grill. Nun aber Ecke Union, sie wird abgefangen, wir müssen neu aufbauen. Das jedoch ging im doppelten Sinne nach hinten los.

Ein Gruß aus unserer ersten Bundesliga-Saison

Zunächst nur wörtlich, der Pass geht weit zurück in unsere Hälfte. Grill ist weit vorm Tor, spielt mit, doch legt er sich den Ball zu weit vor, verliert ihn an einen Gegenspieler. Der nimmt das Geschenk an, es steht 2:0 gegen uns! Auch der nächste Angriffsversuch unserer Mannschaft mündet in einen generischen Konter, welcher in unserem Tornetz sein Ende findet. Ganz Leverkusen ist aus dem Häuschen – und unsere Mannschaft komplett von der Rolle. Sie spielen so, wie ich mich fühle, jetzt und hier, in diesem Herbst.

Im Gegensatz zu mir haben sie etliche englische Wochen in den Beinen. Nach 2 Niederlagen die Europa League gerockt, 7 Spieltage Spitzenreiter der Bundesliga – das konnte der Fußballgott nicht ewig so laufen lassen. Es fielen weitere Tore für die Bayer-Elf, und für uns gab es nach irren Wochen mal wieder ne „janz enge Kiste“, oder wie Allesfahrer Christoph sagt: „Hätten wir das auch hinter uns.“ Für mich wars ergebnistechnisch die nachgeholte Klatsche aus unserem ersten Bundesliga-Auftritt hier. Gestern waren wir zumindest eine Halbzeit ebenbürtig. Mund abwischen und vielen Dank für alles bisher Geleistete. Noch zweimal müsst ihr ran, wir sind dabei, Eisern Union!


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