Frank Nussbücker: Nicht unser Tag – Union verliert klar gegen soliden BVB

Union Berlin unterliegt BVB

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Vor zehn Jahren besuchte uns der BVB anlässlich unseres 50. Vereinsgeburtstags zum ins Festgewand gekleideten Testspiel. Zehn Jahre später gehören Pflichtspiele gegen diesen Gegner zu unserem gewohnten Programm. Und daheim AdAF konnten wir gegen Deutschlands Nummer 2 bereits vier sensationelle Siege erkämpfen, darunter unseren ersten Bundesliga-Dreier überhaupt. Zumindest theoretisch bestand die Chance, dies auch an jenem eiskalten 24. Januar 2026 zu tun.

Die Szene hatte eine großartige Choreo zum 60. Vereinsgeburtstag vorbereitet. Im Zentrum das Gründungsjahr unseres Vorgängervereins Union Oberschöneweide, umrahmt von den Intro-Zeilen unserer Hymne: Eine Legende nahm ihren Lauf / Ein Mythos begann zu leben. Nun erschien im Zentrum ein riesiger Schlosser mit Bart, Hammer und dem Logo des TSC, aus dessen Fußballabteilung heraus sich unser 1. FC Union Berlin gründete. Eine großartige Arbeit, dafür auch mein herzlicher Dank.

Ein mistiger Elfmeter

Unsere Mannschaft lief im gerade herausgebrachten 90 Euro Adidas-Trikot und weißer Hose auf, die Trainer beider Teams umherzten einander. Zuvor waren mit Julian Ryerson und Nico Schlotterbeck zwei ehemalige Unioner ganz sicher äußerst herzlich von den Rängen begrüßt worden. Das bekam ich leider nicht live mit, da ich krank zuhause auf der Couch fläzte. Los gings, fast ein Angriff der Unseren, aber der gegnerische Torwart war schneller.

Die Rheinmetaller gingen Unsere früh an, zwangen uns zu einem Ball ins Seitenaus. Freistoß Union: Juranović schickt den Ball auf den Kopf eines Mitspielers, kein Problem für den Keeper. Dann aber greift Dortmund an. Freddy kommt heraus, ein Gegner auf ihn zu, Freddy sorgt mit dafür, dass der Gegner fällt – Elfmeter gegen uns! Was für ein Mist in der Anfangsphase. Der Gelbe bleibt lange liegen, dann folgt die Ausführung. Freddy hat die Ecke, aber der Schuss ist zu platziert, wir liegen hinten.

Gemeinsame Abwehr-Maloche verhindert Schlimmeres

Von Waldseite und Gegengerade erschallt unser Schlachtruf, und in meinem Rechner hackt der Stream. Zwischendrin sehe ich: Ecke Dortmund, Ecke Union, keine Veränderung des Spielstands. Wieder sind sie vor unserem Tor, Freddy kommt raus – und hat ihn! Kurz darauf spricht der Kommentator von einem „roten Teppich für das 2:0!“ Nahezu frei stehen sie vor unserem Kasten, doch Eiserne Abwehrarbeit mehrerer Beteiligter verhindert den Einschlag, danke Männer! „Auf geht’s Union, kämpfen und siegen!“

Der Hingefallene von vorhin holt einen super Freistoß heraus, der geht satt drüber. „Hier regiert der FCU!“ Ansah auf links, passt auf Jeong, doch der Winkel ist zu spitz für das Zappeln der Maschen. „Oh FC Union, wir wollen den Sieg!“ Den nächsten Dortmunder Freistoß bringt Ryerson in Freddys Arme. Ecke Union – ab jetzt bei mir ohne Fernsehton. Das tut mir insofern weh, dass ich fortan die Gesänge der Unseren nicht mehr höre.

Einmal Eiserne Torgefahr

Unsere greifen weiter an, wieder eine Ecke für uns: Juranović passt super für Diogos Köpfchen, der Keeper ist gefordert und hält leider. Das wäre ein sehr schönes Tor gewesen – und alsbald durchaus verdient. Wieder Freistoß für uns, Gerangel im Sechzehner, weit drüber, schade! Die Dortmunder Abwehr zeigt, dass sie nicht wirklich gern etwas zulässt. Unsere Mannschaft ackert, macht, tut – was für ein riesiger Kackmist war dieser blöde Elfer.

Ein Rheinmetaller fiel äußerst theatral, nachdem ihn ein Unioner inmitten eines Gerangels im Gesicht touchierte. Der Schiri verzichtet darauf, dem Laiendarsteller die Gelbe zu zeigen. Baumi ist mittlerweile ohne Anorak-Mantel an der Seitenlinie unterwegs, die Wasserflasche wie immer lässig in der Gesäßtasche. Die Dortmunder belagerten kurz unsere Hälfte, dann kamen wieder wir. Ecke Nummer 4: Schade, der Keeper hält den zweiten Ball sicher in den Armen, dann ist Halbzeit.

 

 

Zwei Ex-Unioner schenken uns eins ein

Unseren „gehörte“ ab Mitte der Halbzeit das Spiel, doch kamen mir die Angriffe der Gäste insgesamt gefährlicher rüber. Wieder haben wir in der Pause Unioner zu verabschieden, denen aus diesem Anlass noch einmal unser Schlachtruf gilt. Alsdann von den Rängen ein neuer Gesang, dem es offenbar noch an Bekanntheit mangelt. Angriff Dortmund, rechts nebens Tor. Auch wir greifen an, doch der Keeper hält, bevor sie kurz darauf erneut Freddy prüfen, der zur Ecke klärt.

Diese wird zur nun leider gegen uns gerichteten Zusammenarbeit zweier Ex-Unioner. Ryerson auf Schlotterbeck, der die wirklich kleine Lücke für seinen Kopfball findet. Die Maschen zappeln, wir liegen 0:2 hinten. „Eisern Union!“, schallt es von den Rängen. Alsdann unser Schlachtruf erneut als Wechselgesang, immer lauter, danach „Wo Du auch spielst, ja wir folgen Dir, und ist der Sieg auch noch so fern – so fern!“ Gestochen scharf kommt der Gesang, und ja, verdammt fern ist der Sieg jetzt in der Tat.

Es wird ruppig

Freistoß Union inklusive Rudelbildung. Der Strafstoßschütze von vorhin gönnt uns den Ball nicht, wird ruppig – und kassiert nicht nur die Gelbe Karte, sondern alsbald, nach dem üblichen „Auf die Fresse“, ein gegen seine Mutter gerichtetes pubertäres Gesinge Marke Türkgücü München & Co – „Es sinkt für Sie: das Niveau!“ Weitaus erfrischender klang in meinen Ohren das bald darauf endlich mal wieder intonierte „Wir sind eure Hauptstadt, ihr Bauern!“

Unsere erkämpfen sich den Ball, aber bekommen Ansah leider nicht eingesetzt. Der Vorwärts-Song erklingt, Baumi wechselt zweimal doppelt. Der BVB kämpft und spielt das hier solide runter, arbeitet als Mannschaft gut zusammen und lässt uns kaum mehr wirklich was Gefährliches zuwege bringen. Burcu mal allein, sie lassen ihn aus 23 Metern abschließen, kaum Gefahr, aber immerhin.

Es hat nicht sollen sein

Dann wieder Dortmund vor unserem Tor, einmal klar drüber, der nächste ist drin. „Wir warn am Ende, gib mal ne Spende!“ erinnert an weitaus schlechtere Zeiten als diesen inzwischen gebrauchten Spieltag AdAF. Baumi hat wieder seinen langen Sportmantel an. In Minute 89 darf der inzwischen ebenfalls eingewechselte Trimmi nach Foul an Jeong auch einen Freistoß bringen. Der wird geklärt zur Ecke, oder wars Hand? Der VAR checkt, begleitet vom „Und ihr macht unsern Sport kaputt.“ Nicht brachial laut, aber hörbar.

Nein, es gibt keinen Elfer, war auch voll in Ordnung geht. So schön sich so ein etwaiger Ehrentreffer vielleicht angefühlt hätte, aber passt schon, Fußballgott. Unser Mantra erklingt, und Leo versucht sich nochmal gegen „alle“, holt einen weiteren Freistoß heraus. Dann ist Schluss, unser Mantra wird lauter. Die Dortmunder feiern, und wir ehren unsere Mannschaft. Da war heute nichts drin, der Gegner einfach stärker als wir. Auch sowas gibt’s mitunter, Eisern heißt dit!


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