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Frank Nussbücker: Union Berlin feiert späten Erfolg beim VfB Stuttgart

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Die letzte Partie des Spieltags, aktuell der Zweite gegen den Vorletzten – und der 1. FC Union Berlin ist ersteres. Das Ganze nach dem gefühlsmäßigen Wechselbad von Malmö mit anhängendem Prozess gegen beide Vereine. Nun aber der VfB Stuttgart, die tabellarisch mit dem Rücken an der Wand stehen und in dieser Bundesliga-Saison noch kein Spiel gewannen. Es ist laut im Stadion, was an den Gesängen der Heimfans liegt. Unsere holen sich das Spielgerät, geben es erst mal zurück zum Torwart.

Union über links, Becker flankt zu Sturmpartner Jordy, doch der VfB wehrt ab, holt einen Einwurf raus. Sie verlieren die Kugel schnell wieder, schon sind Unsere im gegnerischen Sechzehner – und werden leider abgefangen. In Minute 5 holt Genki unsere erste Ecke heraus. Trimmi sitzt auf der Bank, so gelten die Pfiffe des Heimpublikums Niko Gießelmann. Aus ihr wird zunächst nichts, doch schon kommt der wackere Ryerson von rechts. Er schießt vors Tor, der Keeper wehrt ab. Der Ball kommt zu Knoche, der ihn übers Gehäuse zieht, erste gute Aktion vorm gegnerischen Kasten!

Rønnow und der Pfosten sind Unioner

Nun aber die Stuttgarter: Flanke in den Sechzehner, geblockt von Paul Jaeckel, Ecke VfB. Sie endet mit einem Offensiv-Foul, Freistoß für uns. Sie kommen schon wieder, nun über rechts, wollen ein Foul, doch der Schiri gewährt es ihnen nicht. Doch die Schwaben sind jetzt am Drücker. Noch stehen unsere gut, zwingen den Gegner immer wieder dazu, hinten herumzuspielen. Nach einem Foul von Jaeckel bekommen sie einen Freistoß aus guter Position. Der Ball segelt in den Strafraum, Kopfball – Frederic Rønnow kratzt ihn aus der Ecke, an den Pfosten!

Stuttgart „tut weiter mehr fürs Spiel“, wie das so heißt, aber Unsere sind auch noch da: Langer Ball Richtung Becker, zunächst geklärt, aber Union bleibt dran, zunächst hinten herum über Frederik Rønnow, wo ist hier bitte die Lücke?! Kurz drauf spielt Rani Khedira raus zu Becker, der passt ins Zentrum – leider zu steil für Schäfer, das wäre es gewesen! Laute Stuttgarter Gesänge, ihre Mannschaft kommt über rechts, doch Jaeckel grätscht den Ball ins Seitenaus, jut jemacht!

Gegnerische Chancen, aneinanderprallende Köpfe

Niko Gießelmann verspringt der Ball, direkt vor Urs Fischer, der jedoch verzieht keine Miene. Offenbar weiß er gut genug, dass sein Spieler am besten weiß, dass das nicht das Gelbe vom Ei war. Doch nach und nach wird der Chefcoach mürrischer, denn Stuttgart bestimmt immer stärker die Partie. Sie erarbeiten sich Freistoß auf Freistoß, haben bald alle vor unserem Tor möglichen Positionen durch. In Minute 25 ist es ein beherzter Direktschuss, Rønnow ist unten und haut ihn zur Seite weg, den Nachschuss begräbt er unter sich.

Sheraldo Becker bekommt vorne kaum „Futter“, holt er sich den Ball eben selbst. Leider ist seine Flanke nicht gut. Der Torwart hat den Ball, spielt ihn schnell nach vorn, doch seine Leute bleiben hängen. Dennoch, wenn eine Mannschaft vorn irgendwas reißt, dann die mit dem roten Brustring. Flanke von rechts ins Zentrum, denkbar knapp streicht der Kopfball am rechten Pfosten vorbei! Urs schiebt unsere Mannschaft mit beiden Händen nach vorn, András Schäfer steigt hoch, sein Kopf knallt gegen den eines Stuttgarters. Beide bleiben liegen – und können nach kurzer Behandlung weitermachen, der Stuttgarter mit Turban.

 

 

Fast ein Traumtor, dann wieder Rønnow

Unserer Mannschaft merkt man die Partie vom Donnerstag an, und auch ich lechze nach der Pause. Von den Rängen erklingt unser Mantra. Einige Spieler zeigen hängende Köpfe – klar Mann, sie sind knülle! Da holen sie den zweiten Ball, Jordy auf Becker, der sucht Gießelmann, der jedoch das Tempo nicht mitgehen konnte. Bleibt ihm also nur, einen Freistoß heraufzubeschwören. Eine Minute später legt Gießelmann für Jaeckel auf, gerade noch rechtzeitig ist der Torwart zur Stelle. Ecke Union, Becker tritt sie kurz, schon ist der Ball im Sechzehner, wo ihn Niko Gießelmann per Fallrückzieher nebens Gehäuse setzt!

Was wäre das für ein wunderschönes Tor gewesen! So bleibt es beim 0:0, mit dem wir bislang gut bedient sind. Ich hoffe sehr, sie können hinten weiter die Ordnung halten und finden vorn dann doch irgendwann die Lücke. Das klappte bislang am ehesten nach ruhenden Bällen, und einen solchen gibt’s auch nach der Pause: Ecke Gießelmann, abgewehrt, der zweite Ball landet bei Julian Ryerson, der zieht ab – übers Tor! In der 53. Riesenchance für Stuttgart, sie endet in Frederik Rønnows Armen. Ihre 2. Ecke geht nach Direktabnahme knapp über unser Tor!

Erlösendes Tor, packendes Abwehrgestocher

Die Partie ist geprägt von Ecken und Einwürfen, Spielfluss Fehlanzeige, na und? Immerhin zeigt sich Union jetzt bissiger. Urs nimmt Jordy und Schäfer heraus, bringt positionsgetreu Behrens und Thorsby. Gießelmann holt sich Gelb ab, „F-C-U…“, melden sich unsere Auswärtsfahrer zu Wort. Weitere Wechsel folgen, irgendwie hätte ich jetzt gern den Schlusspfiff. Irgendwann wieder eine Ecke für uns, war‘s zuvor Abseits? Egal, weiter geht’s. Niko Gießelmann beginnt sein Prozedere, nimmt kurz Anlauf, hebt den Arm – und rein das Ding. Das Spielgerät findet erneut Paul Jaeckel, der das Ding vorbei am linken Pfosten in die Maschen köpft!

 

 

Was für ein Irrsinn, und wie froh bin ich, dass hier noch nicht Schluss war! Da gewinnt dieser Jaeckel das Kopfballduell und lässt selbst mich müden Radiohörer hemmungslos tanzen. Und wir haben bereits die 77. Spielminute! Zwei Sekundenzeiger-Umdrehungen später der nächste Freistoß für den VfB. Gefühlt alle Spieler am Sechzehner, der Schuss abgewehrt, aber der Ball bleibt heiß, Pingpong in unserem Strafraum, noch immer ist mindestens ein Fuß dazwischen, auch Stuttgarter Füße dabei – endlich Pfosten und weg, Gefahr gebannt!

Halbe Miete und jut!

Erneut bauen sie auf, wechseln die Seite, Schuss – Außennetz! Kleine Verschnaufpause nach Foul an Thorsby. Der Übeltäter hatte kurz zuvor Gelb fürs Lamentieren bekommen, macht Summa Summarum Gelb-Rot, Stuttgart ab Minute 83 zu zehnt, geht das gut? Urs wechselt nochmal, Rani Khedira übergibt die Kapitänsbinde an Julian Ryerson, für ihn kommt Pantovic, dazu Seguin für Genki. Stuttgart muss hintenrum, erntet Pfiffe von den Rängen. Dann stürmen in unserem Sechzehner, doch der letzte Pass geht zum zigsten Mal ins Leere.

Auch die 4 Minuten Nachspielzeit ticken herunter, weil unsere Mannschaft hier nichts mehr anbrennen lässt. Ein gebrauchter Tag für den Gegner, ein dreckiger Sieg für Union. Ein Hoch auf unsere Mannschaft, die sich hier irgendwie durchbiss und nach müder erster Halbzeit ordentlich eklig wurde. 8 Kilometer liefen sie mehr als der Gegner, dessen Mannschaft nun deutlich hörbar ausgepfiffen wird. Unsere feiern den Sieg und sicher auch diesen unglaublichen alten und neuen Tabellenplatz. Ich freue mich vor allem über die 20 Punkte, die halbe Miete ist drin, Eisern Union!


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