Frank Nussbücker: Plötzlich wollte Union alles – 3 Punkte und 3 Tore gegen RB Leipzig

Union Berlin mit Erfolg gegen RB Leipzig

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Freitagabend, Flutlicht, und ich spürte die Arbeit der Woche und des Tages. Dazu das Konstrukt als Gegner, die für mich neuen Die-da mit Firmensitz in Österreich. Dass deren Marketingabteilung eine „lustige“ Plakatidee für die Aluminium-Ummantelung ihres Produkts in unserer Stadt platziert hatten, erfuhr ich erst hinterher. Union spielte, an jenem Freitag seit 20 Jahren unter Flutlicht – also los, ab nach Köpenick! Außerdem galt es, im Wohnzimmer etlichen Eisernen ein frohes Fest samt gutem Rutsch zu wünschen.

Ein paar Meter links von mir stand wie immer Torsten Eisenbeiser, wie jedes Jahr um diese Zeit mit seiner Weihnachtssingen-Mütze. Einst hatte ihn das anhaltend schlechte Spiel unserer Mannschaft davon abgehalten, seinen Freunden diese besten Wünsche nach dem letzten Heimspiel mit auf den Weg zu geben, weshalb er kurzerhand das erste Weihnachtssingen in unserem Stadion initiierte. Unsere aktuelle Mannschaft hatte die letzten drei Spiele verloren …

Verhaltene Anfangs-Viertelstunde

Rani als Käpten, Trimmi auf der Bank, Burke vor Ansah und Jeong sollten es vorne endlich mal wieder richten. Dazu auf Waldseite und Gegengerade eine Choreo um all die Höhen und vielen Tiefen unserer Vereinsgeschichte, deren Texte ich erst nach dem Spiel auf Fotos bewundern konnte. Alles in Schwarz, die vorherrschende Farbe an diesem Abend, abgesehen von unseren Schals. Eine tolle Aktion der Szene!

Vor der Hymne unser Hinweis an den Gästeblock über die wahre Identität der Ochsen auf ihrem Firmenwappen. Alsdann hatten die Verehrer jener Ochsen eine Viertelstunde lang Zeit, ihr Lieder darzubieten. Sie waren immerhin zu hören, hatten sogar Trommeln dabei. Aufm Platz kamen die Gäste bissiger rüber. Unser erster Abschluss gelang in Minute 8. Der Schuss ging weit drüber, aber immerhin Richtung Tor!

Freddy rettet

Der Gegenangriff der Gäste kam gefährlicher daher und mündete in einen Eckball. „Klingen wir auch so lasch auswärts?“, fragte ich mich besorgt beim Klang des Gästeblocks. Neben mir verglich einer die Barmusik neben Sektor 4 mit der Darbietung einer Kita-Gruppe. Zwischendrin wurden die Alu-Freunde kurz etwas lauter, ihr Eckball verpuffte. Ab Minute 14 wars bei mir vorbei mit derlei Beobachtungen. Hieß es doch nun: angrooven für unseren Bundesliga-Song.

Dann war es soweit: „FC Union, du wirst siegen, glaub an Dich und es wird wahr …!“ Endlich wieder Fußball auf Platz und Rängen, wobei auf ersterem noch immer nicht allzu viel passierte. Kaum formulierte ich jenen Gedanken, zwangen die Gäste unseren wackeren Torwart zum beherzten Eingreifen – danke Freddy, der hätte drin sein können! Kurz drauf erwuchs unser Schlussmann erneut zum Helden.

Kann das gutgehen?

Ein Gästespieler blieb in unserem Strafraum liegen – um den Messersong zu hören? Die mit den Ochsen auf der Brust fordern etwas vom Schiri, was wohl? Der Liegende steht schließlich wieder auf, begleitet von „Hier regiert der FCU!“ Das tat er bislang nur auf den Rängen, wo es mit unserem Kranken-Song druckvoll weiterging. Zwei halben Angriffen der Unseren folgen weitere der Gäste, und schon wieder testet einer von denen unsere Rasenheizung.

Sie holen Freistöße, von denen mir der eine oder andere arg geschunden rüberkommt. Ein ruhender Ball aus bester Position geht weit drüber, erntet unseren Applaus. Doch Die-da sind gefährlicher als wir, bis uns kurz vor der Pause ein erster Angriff gelingt. Ich sah das Ding schon drin, nur wars leider nicht wirklich so. „Kann das gutgehen?“, fragt mich Steini Senior mit Jack Nickolson-Miene. Auch Steini Junior, der das Spiel vom Krankenbett aus verfolgte, schwante nichts Gutes. „Der ist noch viel kritischer als ick!“, verrät mir sein Vater.

 

 

Wuchtiges Stürmertor für die Seele

„Irgendwann klingelt dit, und wir rennen dem Rückstand hinterher!“, lautet Seniors Prognose. Auf den Rängen beginnen wir Hälfte 2 mit unserem Schlachtruf als Wechselgesang. Angriff Union, Gegenangriff der Gäste, „Oh Köpenick, Du bist wunderschön!“ Die mit den Ochsen bekommen die erste Gelbe des Spiels, bezeichnenderweise fürs Meckern. Ansah ist durch, wurde er gelegt? Eine Ecke gibt’s immerhin – schade, sie geht an allen vorbei.

Nun sehen Unsere Gelb, fürs taktische Halten. Offensivfoul des Gegners, dann wieder wir. Schließlich hat Burke den Ball. Ist es der Frust darüber, dass er und seine Kollegen so lange ohne Torerfolg geblieben waren? Er lässt sich das Gerät nicht abnehmen, sondern ballert es voller Wucht ins Netz, damit strichweisen Bierregen auslösend. Wie steil ist das bitte, wir führen gegen Die-da! Beide Trainer wechseln, auf unserer Seite kommt Trimmi ins Spiel.

Zwei Kapitäns-Flanken bringen uns schnell zurück

Der Gästetrainer brachte jenen Mann, der nur 3 Minuten nach unserer Führung nach Ballverlust im Mittelfeld das Spielgerät zugespielt bekommt, abzieht und den im Gästeblock kurz bejubelten Ausgleich erzielt. Wäre ja auch zu schön gewesen, wa? Ich sehe die Ursache für diesen schnellen Gegentreffer im aus meiner Sicht zu früh angesetzten „Dö-dödödö-döp-döp“-Gesang. Den sollten wir bringen, wenn die Führung höher und die Spielzeit weit näher dem Abpfiff ist.

Aber wir singen weiter, und unsere Mannschaft greift sofort wieder an, holt eine Ecke heraus. Die wehren sie ab, aber Union stürmt weiter. Trimmi flankt gefährlich in den Sechzehner – schade, sie bekommen es abgewehrt, starten einen Gegenangriff, welcher versandet. Schon wieder Unsere im Vorwärtsgang. Wieder flankt der Käpten, diesmal mustergültig von Ilyas Ansah im gegnerischen Gehäuse versenkt! Wie gut für unseren Stürmer, wie Trimmi im Interview nach dem Spiel durchblicken lässt.

Bissige Unioner hauen sich rein

Und wie verdammt gut für uns alle! Der Bierregen ist deutlich stärker als bei unserem ersten Stürmertor, was für eine Antwort aufm Platz! Wir liegen uns in den Armen, feiern Schützen wie Spielstand. Jetzt erklingt, für mich die deutlich bessere Wahl, der Ricky-Hatton-Song mit Union-Berlin-Text: laut, beschwingt und kraftvoll. Die Gäste über rechts, ein Schüsschen auf Freddy. Es passiert nicht oft, dass unser Schlussmann eingreifen muss. Fast immer hatte zuvor ein Unioner sein Bein dazwischen.

 

 

Sie legen unseren Leo, was erneut zum abschätzigen Gesang über deren Wappengetier führt. Köhn auf Ansah, Ecke! Die beiden spielen gut nach vorn auf ihrer linken Seite. Jetzt aber greifen wieder vorwiegend die Gäste an. Anders als nach unserem 1:0 kommen sie jedoch kaum mehr gefährlich vor unser Tor. Wieder und wieder gewinnen Unioner die entscheidenden Zweikämpfe, bringen sie den Ball mal lässig, mal kraftvoll aus der Gefahrenzone.

Nachspielzeit mal anders

Was ist das plötzlich für ein Fußballspiel! Unsere Mannschaft lässt mich alle Müdigkeit und jede Menge Rücken vergessen, alles in mir fiebert mit. Lasst euch diesen Sieg nicht mehr nehmen – und mein, das haben sie offenbar so gar nicht vor. Schließerlied, Damir Kreilach-Song, nur langsam vergehen die Sekunden, Minuten. Wieviel Nachspielzeit wird es geben? Die-da bauen auf, immer wieder, schier endlos, weil Unsere sie nicht in den Sechzehner lassen.

4 Minuten Nachspielzeit, wie lang können die werden! Freddy hält, begräbt den Ball unter sich, hat viel Zeit. Köhn und Ansah gehen, Skarke und Nsoki kommen rein – frische Kräfte ohne Aufgabe der Offensive. Dennoch frage ich Berufs-Pessimist: „Geht das gut?“ Klar Mann, antwortet der eingewechselte Tim Skarke mit dem uns alle erlösenden 3:1, seinem ersten Saisontor! Die gegnerischen Spieler liegen platt am Boden, Tim zog ihnen den Stecker – und mit ihm all die anderen Eisernen da unten auf dem Heiligen Rasen.

„Man hat mir gesagt …“

„…, es gibt noch mehr als Union!“, singen Steini Senior und ich zusammen mit den anderen etwa 20.000 Eisernen in unserem Wohnzimmer, der Schlusspfiff ertönt, und wir alle singen jubelnd weiter. „Naja, man darf nich immer so kritisch sein!“, bekennt Steini. Gemeinsam feiern wir diesen so wichtigen Sieg. 18 Punkte im Abstiegskampf, ein gelungenes letztes Heimspiel vorm Jahreswechsel, Eisern Union! Torsten Eisenbeiser lässt mich teilhaben an seinem unbändigen Jubel.

Anders als gegen Heidenheim holen sich noch viele das Programmheft zum Sieg. Ich sehe in frohe, erleichterte Gesichter, denen der erfolgreich geführte Kampf dieses Abends deutlich eingeschrieben steht. Und wie toll, dass unsere Offensive heute gleich dreimal stach, was Freund Christoph bemerken lässt: „Sehr bedenklich: Unsere Innenverteidiger treffen nicht mehr!“ In diesem Sinne, lasst uns diese – für die meisten – letzte Arbeitswoche des Jahres rocken und am Samstag in Köln nochmal alles geben, Eisern heißt dit!


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