Frank Nussbücker: Europapo-Duell der Supertrainer – Union Berlin feiert Sieg gegen Freiburg

Union Berlin feiert Sieg beim SC Freiburg

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Am vorletzten Spieltag trafen die beiden – längst nicht nur aus Unioner und Freiburger Sicht – positiven sportlichen Überraschungsteams der höchsten deutschen Fußballiga aufeinander. Als Unioner finde ich es sensationell, dass unser Saisonausklang erneut vom Kampf um Europa erzählt, statt von jenem um den Spielklassenwechsel nach unten. So sehr sich Unions Mannschaft seit dem sensationellen Aufstieg steigerte – vom Etat her befinden wir uns nach wie vor klar im Tabellenkeller, na und!

An diesem vorletzten Spieltag im neuen Freiburger Stadion trafen dazu die beiden derzeit dienstältesten Bundesligatrainer aufeinander. Zwei Typen, denen zum Fußball-Handwerk auch Solidarität – überhaupt im besten Sinne menschliche Qualitäten wichtig sind. Nicht aus purer Freundlichkeit, sondern weil für sie sportlicher Erfolg untrennbar mit Solidarität in Kabine und damit aufm Platz zusammengehören. Für mich stehen Streich wie Fischer für hervorragend erdachten und gemachten Fußball fernab des ganz großen Geldes.

Spielidee, Leistung, Emotion!

Beide Teams jüngst ungeschlagen – auch das sicher auch eine Frage der Spielideen ihrer Trainer. Freiburg konnte personell aus dem Vollen schöpfen – Union zumindest fast. Einzig Timo Baumgartl war sicher nicht dabei, Heintz und Schäfer wahrscheinlich. Auf der Pressekonferenz stellte Bunki die interessante Frage, wie denn die Erfolge gegen diese Freiburger zustande gekommen seien. Natürlich durfte Urs diese Frage nicht wirklich beantworten. Wohl aber sagte er, dass beide Mannschaften in die gleiche Richtung gehen. Sollte die Europa heißen?

Der entscheidende Punkt war für Urs wie immer: „Wir brauchen eine außerordentliche Leistung über 90 Minuten!“ Auf gelegentliche Unmutsbekundungen Sheraldo Beckers bei Auswechslungen angesprochen, erwiderte Fischer ohne jedes Zögern: „Wir erwarten von unseren Jungs Emotionen auf dem Feld.“ Wie erfrischend, angesichts der weitestgehend glattgebügelten Gefühlswelten im Wirtschaftszweig Profifußball. Also los geht’s, ab zum Spiel!

Unioner stürmen vor!

Der erste Schreck bereits vor dem Anpfiff: Beim Aufwärmen fasst sich Frederik Rønnow ans Bein, Andi Luthe muss ins Tor. Die Partie wird gepfiffen von Dr. Felix Brych – das bescherte nach dem Pokal-Halbfinale selbst mir Unbehagen. Auch noch zwei Schlotterbecks gegen uns – oh je! Rote Pyro unserer vielleicht 2.700 Auswärtsfahrer, der Ball rollt: Union kommt vom Anstoßpunkt aus über rechts, Käpten Trimmel flankt Richtung Elfmeterpunkt, abgewehrt. Neuaufbau, aber Taiwo im Abseits. Freiburg baut auf, erkämpft einen Freistoß. Ein mächtiger Gesang, wohl von den Freiburgern, schallt übern Platz.

Unsere erkämpfen die erste Ecke, von links. Oczipkas Ball kommt zunächst nicht an, aber der Nachschuss gehört uns: Trimmi drischt die Kugel über den Kasten. Schon wieder Unsere: Becker über rechts, nächste Ecke. Diesmal von rechts, also eine Aufgabe für den Käpten. Sein Ball vorbei an allen Mitspielern, der zweite Ball landet beim Torwart. 8. Minute, Ecke Freiburg. Höchste Gefahr, bereits 24mal trafen sie nach ruhenden Bällen. Das Spielgerät kommt gefährlich vor unser Tor, doch ein Unioner schießt ihn heraus, Aufatmen!

Grischa Prömels schönste Grätsche

Schon wieder die Hausherren, doch Unsere erobern den Ball, Konter Union: Taiwo auf Trimmel – Mist, zu lang, aber Becker holt die Kugel, passt zu Awoniyi. Der zieht ab, ein Verteidiger lenkt den Ball an den Innenpfosten, von wo aus er die Torlinie entlangtrudelt – bis Grischa Prömel ihn über die Linie grätscht – 1:0 für uns! Arme hochreißen, Jubel im Gästeblock, Eisern Union! Freiburg vom Abstoßpunkt nach vorn, holt die nächste Ecke. Diesmal jedoch keine Gefahr. Union über Becker. Der passt ins Zentrum, doch Awoniyi rutscht aus, wunderbarer Spielzug der beiden!

Den nächsten Gesang bekomme ich übers Telefon von Freund Christoph direkt aus dem Stadion aufs Ohr: „FC Union, du wirst siegen, glaub an dich, und es wird wahr …!“, unser Bundesliga-Lied! Angriff Freiburg – Kopfballabwehr Knoche, Neuaufbau – einer der Schlotterbecks fällt im Strafraum. Hatte Paul Jaeckel ihn wirklich berührt, oder war das etwa eine Schwalbe? Schlotti, bitte nicht! Weiter geht’s, Freiburg ist viel am Ball, nun lautstark vom Publikum unterstützt. Alle Freiburger erheben sich!

Der Video-Schiri am Ball

Sie bleiben am Drücker. Fast mal ein Konter, aber ein Schlotterbeck hat was dagegen. Angriff Freiburg, Schuss – wieder wehrt Knoche per Kopf ab. Rettete er womöglich für seinen Keeper!? Luthe war losgeflogen, vielleicht hätte auch er ihn gehabt. Ich höre unsere Auswärtsfahrer, Trimmi schickt Becker, Toraus! Kurz drauf ein langer Ball der Freiburger in unseren Strafraum, der Stürmer gewinnt den Zweikampf, zieht ab und schießt mittig in unser Tor – so ein Mist!

 

 

Wie reagiert unsere Mannschaft darauf?, frage ich mich noch, da höre ich: Treffer wird gecheckt. Zeit vergeht … Abseits kann es nicht gewesen sein, war da womöglich ein Handspiel des Angreifers dabei? Schließlich das Votum des Video-Schiedsrichters. Brych geht gar nicht erst Video gucken, zeigt an: Treffer zählt nicht! Christian Streich tobt, und seine Freiburger hatten gerade gezeigt, wie sie unsere Abwehr knacken können: Lange Bälle in unseren Sechzehner, freie Schussbahn – könnten Unsere das zukünftig verhindern? Schon wieder greift Freiburg an. Unsere ziehen sich seit Minuten zurück – bitte nicht weiter so!

Unioner außer Rand und Band

Robin Knoche gerät mit einem Freiburger aneinander, Schiri Brych bittet beide zum Rapport. Dann Union endlich mal wieder im Vorwärtsgang: Becker flankt von außen ins Zentrum, am Elfmeterpunkt lauert der Käpten und köpft zum 2:0 für uns ein! Nach dem Jubel geht’s sofort weiter, Union über links, Awoniyi auf Knoche, doch der kommt nicht ans Spielgerät. Dann wieder Freiburg, sie holen eine Ecke, einen Freistoß, doch beide Standards bleiben folgenlos.

Angriff Union über Prömel, doch er dreht ab, weil alles dicht ist. Schon bald sind sie wieder in der gegnerischen Hälfte, dieses Mal mit Freistoß und Eckball. Die tritt der Käpten von rechts, Taiwo köpft aus 7 Metern aufs Tornetz, mal wieder janz knapp! Nun Freiburg, doch sie werden nicht wirklich gefährlich. Dafür ein schneller Eiserner Konter, Becker auf Awoniyi, der zurück auf Becker, der aus verdammt spitzem Winkel halbhoch aufs Tor schießt – ja verdammt, die Maschen zappeln, wir führen 3:0!

Freiburger Offensive mit Eisernem Konter

Gibt’s etwa wieder einen VAR-Check? In jedem Fall die Gelbe Karte für Christian Streich, der Treffer indes zählt. Und Union drückt weiter, erarbeitet sich mehrere Chancen. Dann übernehmen die Freiburger, kommen vor unser Tor – abgewehrt, zweite Welle, unermüdlich bleiben sie am Ball, dann der Schuss über unseren Kasten. Nach Andi Luthes langem Abstoß sind sie sofort wieder da, den Ball am Fuß. Freistoß nahe der Mittellinie, Rani Khedira am Boden, dann endlich der Pausenpfiff.

Nils Petersen macht sich warm, oha. Kaum läuft das Spiel wieder, erkämpft Freiburg einen Freistoß, 40 Meter vor unserem Tor. Der Ball fliegt ein, Kopfballabwehr, Neuaufbau der Hausherren. Nach einigem Hin und Her endlich Abstoß Luthe. Bald drauf ein langer Freiburger Ball, Luthe hat ihn! Sie agieren weiter in Richtung unseres Tors, Streich schickt seine gesamte Bank zum Warmmachen. Unioner singen, die Minuten vergehen. Schon ist Minute 60 in Sicht, da bedient der Käpten Sheraldo Becker – sein Distanzschuss fliegt verdammt knapp am linken Pfosten vorbei, das wäre es gewesen!

Ein langer Ball findet seinen Abnehmer

Und was passiert, wenn du eine gute Chance nicht reinmachst? Schon schickte der Gegner einen langen Pass vor unser Tor, der seinen Abnehmer fand – und unser Tornetz zappelt! Abseits, meint das Schiri-Gespann, und wieder heißt es: VAR. Der Video-Schiri stellt klar, dass es leider doch kein Abseits war, Brych verzichtet erneut aufs Fernsehen gucken, Freiburg jubelt über das 3:1. Sie legen nach, doch der Distanzschuss geht weit am Kasten vorbei. Luthe feuert seine Vorderleute an: Aufwachen! Urs wechselt Behrens und Schäfer ein, für Awoniyi und den heute eher blassen Genki Haraguchi.

Jetzt mal ein langer Ball von Union, doch Behrens hatte die Hand am Spielgerät, Freistoß Freiburg. Kühl und besonnen arbeiten sie sich in unsere Hälfte, doch dann ein Foul an Oczipka und Gelb für den Übeltäter. Kurz vorher hatte auch unser Mann den Karton gesehen. Freistoß Union nahe der Mittellinie, Trimmel auf Becker – abgewehrt, Nachschuss Schäfer, der Torwart hat ihn. Nun geht’s wieder lange in Richtung unseres Tors, ohne dass viel passiert. Andi Luthe sieht Gelb wegen Zeitspiels.

Kaum Gefahr und kein Elfer

Ich bange und zittere bei jeder gegnerischen Annäherung an unser Tor, doch wirkliche Gefahr entfachen die wackeren Freiburger nicht wirklich. Urs ist dennoch unzufrieden, wohl insbesondere mit dem Verhalten seiner Jungs bei gegnerischen Standards – und langen Bällen in die Spitze? Auf den Rängen sind die Unioner immer besser zu hören. Jede Minute läuft gerade für uns. Mich interessieren europäische Rechenspiele gerade so gar nicht, ich will einfach nur, dass die Spiel-Uhr endlich abläuft. Entlastungsangriffe über den unermüdlichen Becker, einmal bedient er Schäfer, der köpft in die Arme des Keepers.

Dann darf der Held dieses Spiels gehen, für Becker kommt Michel, während Freiburg weiter vergeblich versucht, gefährlich vor unser Tor zu gelangen. Weitaus knackiger kommen unsere Konter daher. Michel auf Behrens, der umkurvt Freiburgs Keeper – und setzt den Ball am Tor vorbei, schade aber verdammt gut herausgespielt! „He FC Union!“, schallt es laut von den Rängen. Bei einem der nächsten Freiburger Angriffe geht Nils Petersen zu Boden, doch Felix Brych schüttelt den Kopf. Allen Unkenrufen zum Trotz: So kenne ich diesen Referee!

U.N.V.E.U.ROPA!

Weitere Freiburger Angriffsversuche, dann Michelt es in deren Strafraum. Der Tor-riechende Sven passt, fast von der linken Grundlinie aus, auf Schäfer. András arbeitet sich, die Kugel am Fuß, in Richtung Zentrum, lässt zwei Gegenspieler stehen wie die sprichwörtlichen Slalomstangen. Zwei weitere Gegenspieler kommen zu spät. Längst hat András Schäfer abgezogen, zappelt der Ball im Netz. Alles, was Union heißt, feiert diesen genial herausgespielten Treffer in der 89. Spielminute – nun brennt hier endgültig nichts mehr an!

Wie irre ist das denn! Einmal mehr zeigten Urs Mannen hier in Freiburg, dass ihnen dieser Gegner offenbar tatsächlich sehr liegt. Christian Streich ist fuchsteufelswild, doch es nützt alles nichts. Union war heute stärker, cooler, abgezockter. Endlich der Abpfiff! Die Mannschaft streift die „UNVEUROPA“-Shirts über und feiert zusammen mit den Auswärtsfahrern im Gästeblock, als gäbe es kein Morgen. Freund Christophs Fazit, noch aus dem Stadion heraus, lautet: „Die Reiseentfernung nach Freiburg ist schon fast international. Und das Ergebnis nun also auch!“


Werbung