Frank Nussbücker: Union siegt über Mainz – Duell zweier „Tabellennachbarn“

Union Berlin ringt Mainz 05 nieder

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Nach Derbysieg, Star-Poker mit Eiserner Antwort unserer Abteilung Sport auf die Finten des Gegners sowie einem überzeugendem Pokalsieg ging es nun mit dem 1. FSV Mainz 05 gegen unseren direkten Tabellennachbarn. Das sind die 05er zumindest nach dem, was die in Zahlen ausdrückbaren Marktwerte der 1. Herren angeht. Hier standen die Rheinland-Pfälzer Landeshauptstadt-Kicker bis vor kurzem mit 122,30 Millionen Euro auf Platz 11, ganze 6,40 Milliönchen vor uns. Stand heute, liegen wir 4,7 Mio. Euro über ihnen.

Auch in der Pflichtspiel-Bilanz liegen wir verdammt nahe beieinander: 5 Siege, 3 Unentschieden, 5 Niederlagen, das Ganze aus unserer Sicht bis zu dieser Begegnung mit einem Heimspiel weniger … Wie gern erinnere ich mich an den 2. Oktober 2020, als ich inmitten des Stadionverbots für alle erstmalig wieder unser Wohnzimmer besuchen durfte. Als einer von 4.400 Eisernen auf den Rängen hatte mich das Losglück ereilt. Wie fürchtete ich, in meinem Block über der Mittellinie ein Fremder zu sein.

„Unioner feiern überall“

Der Ruf eines Nachbarn: „Nussi, hier musste hin!“, verriet mir: Ich war daheim, zusammen mit viel weniger Gleichgesinnten als sonst. Es wurde eine Eiserne Party auf Rasen und Rängen. Wir brüllten und sangen für die Fehlenden mit, und unsere Mannschaft bedankte sich mit einem klaren 4:0! Das Rückspiel in Mainz geriet uns zum grauen Tag. Niemand auf den Rängen, kein Torerfolg aufm Rasen, den einzigen Treffer erzielten die Mainzer in ihren Karnevals-Trikots.

Wie befreiend, als wir zwei Siege später Am Stadion An der Alten Försterei aus tiefstem Herzen und voller Wucht sangen: „Union braucht keinen Karneval – Unioner feiern überall!“ Harter Kampf, wenig Chancen und 0:0 Tore brachte das letzte Aufeinandertreffen beider Clubs am 14. August 2022. Dass wir in der Bundesliga-Tabelle derzeit deutlich vor den 05ern liegen, ist wunderbar, nutzte uns vor Anpfiff des heutigen Spiels so gar nichts. Urs zeigte sich auf der PK bewusst „ganz weit weg“ davon, die Mainzer als „kleinen“ Gegner anzusehen.

Angreifende Unioner im hakenden Stream

Außerdem fügen uns sogenannte „Kleine“ gern mal schmerzhafte Niederlagen zu. Wie auch immer, die Mainzer zeigten und zeigen sich als denkbar unangenehmer Kontrahent beim Ringen um die so bitter nötigen Punkte, bei denen wir nach wie vor zunächst mal dieses EINE Ziel der berühmt-berüchtigten 40 ins Auge fassen. Für mich das Highlight der PK vorm Spiel war Urs‘ Klarstellung, dass er seiner Mannschaft niemals sage: „Erst in Halbzeit 2!“ Könnten wir dieses Mal das 0:1 umgehen?

Zumindest die 1. Halbzeit konnte ich im Eurocity zwischen Dresden und dem Berliner Hauptbahnhof via Internetradio verfolgen. So hörte ich zumindest die Gesänge von den Rängen, während der Kommentator von früh störenden Mainzern erzählte. Freistoß für uns, weit vom gegnerischen Tor entfernt. Knoche tritt, Doekhi übernimmt, dann hakt der Stream. Wenn er läuft, greifen unsere zumeist an, wehren die Gäste zumeist ab. Leite verhindert einen Konter. Dann aber Mainz über rechts, Flanke ins Zentrum – Rønnow hat ihn! Das hörte sich gefährlich an …

Behrens mit dem Fuß!

Als der Stream für eine ganze Weile wegbleibt, durchfährt es mich: Lullen sie uns ein? Lassen uns den Ball, wo es ihnen nicht wehtut, um uns dann blitzschnell wehzutun? Freistoß Mainz – auch sie müssen hintenrum spielen! Dann aber Union, und der Sprecher wird laut. Nach dem, was ich verstehe, kommt Rani über rechts, passt Seguin ins Zentrum, wo Roussillon und Behrens lauern – und Behre ists, dessen Fuß die Pille über die Linie ins gegnerische Tor befördert!

Ich reiße die Arme hoch, worauf mich die Frau von gegenüber böse anschaut. Mir doch egal, ich glaube, ich habe nicht mal gebrüllt. Wir führen, durch Behres erstes Tor per Fuß! Jetzt überlassen auch unsere den Mainzern mal den Ball, während der Kommentator bereits von weiteren Uniontoren und der Schampusliga visioniert. Plötzlich ist das Stadion total leise. Der Kommentator weiß es sich nicht zu erklären. Ich hoffe sehr, dass niemand auf den Rängen in Lebensgefahr schwebt …

 

 

Potti am Mikrofon

Dann wird es wieder laut, und Sheraldo Becker bestraft fast eine Mainzer Fahrlässigkeit. „Eisern!“ „Union!“ donnert es zwischen Waldseite und Gegengerade, immer lauter, dann hakt der Stream. Bald darauf drei Mainzer Flanken in unseren Strafraum: Zwei werden von unserer Abwehr zurückgeschlagen, die dritte fängt unser wackerer Keeper. Gelb für Mainz, fast-Gelb für uns nach Foul am Mainzer Sünder, dann ist Halbzeit. Während ich nun hoffe, dass das noch nicht unsere stärkere Hälfte war, unterrichtet mich Freundin Carola in geschriebenen Nachrichten vom Pausen-Interview mit Potti.

„Je länger das Spiel dauert, desto stärker werden wir“, lautet seine Prognose, nichts dagegen, Fußballgott! Potti erwartet noch was, fühlt sich sehr wohl in unserem Stadion und ist äußerst zufrieden mit seinem Kollegen Frederik Rønnow. Damit erzählt er mir dank Carola weitaus mehr als der Kommentator, der sich über Urs‘ Beharren auf dem Erst-Ziel 40 Punkte lustig macht. „Die Fans wollen mehr“, faselt er, aber Urs und sein Team ja nicht minder! Egal, weiter geht’s, für mich aber ab jetzt nur noch via Live-Ticker.

Jordy kann es, Jordy machts!

Warum ist der Weg zur Straba so weit, warum liegen die Stationen so weit auseinander? Um nicht irre zu werden, schaue ich nur an jeder Haltestelle auf mein Handy. Mal brennts vor unserem, dann wieder vorm gegnerischen Tor. Wechsel und Fouls auf beiden Seiten, mir persönlich greift Mainz aber zu viel an … dann hakt mein Handy, lässt sich – ich hoffe nicht, für immer – keine weitere Information entlocken. … So erfahre ich erst daheim vom schlimmen Sturz eines Mainzers samt Verdrehung seines Halses und vom VAR-Elfer gegen uns.

Ingvartsen haut ihn in unsere Maschen, die Antwort von den Rängen: „Keiner wird es wagen, …, unsern FCU zu schlagen!“ Unsere Mannschaft legt ´ne Schippe drauf. Der eingewechselte Gießelmann behauptet im gegnerischen Sechzehner den Ball, flankt vors Tor, abgewehrt, aber der Ball kommt zu Jordy! Der macht das, was er schon so lange tun wollte, und zimmert das Spielgerät unhaltbar in die Maschen. Wie sehr ich gerade ihm – und logo uns allen – dieses verdammte Tor gönne. Es war der beste Zeitpunkt für seine so lange erwartete nächste Bude!

Bis heute zum Spätnachmittag wieder an der Spitze

Nun aber wieder die Mainzer. Sie machen ordentlich Druck. Ein strammer, obendrein noch abgefälschter Schuss kommt gefährlich auf unser Tor zugeflogen. Aber das hütet ja ein in meinen Augen, mindestens was die sportlichen Aspekte des Torwart-Handwerks angeht, ein äußerst würdiger Potti-Nachfolger. Natürlich kratzt Frederik das Ding raus und klärt zur Ecke. Die geht drüber, Gefahr gebannt. Seit Ewigkeiten erklingt von den Rängen unser Mantra, greifen die Mainzer weiter an.

Längst läuft die Nachspielzeit, als es einen langen Abschlag unseres Torhüters zu vermelden gibt. Doch schon wieder haben Mainzer den Ball und schicken ihn in Richtung unseres Gehäuses. Dann endlich ist Schluss und auch dieser Gegner ist mit 2:1 niedergerungen. „Deutscher Meister wird nur der FCU“, feiern die Ränge unsere Mannschaft wie deren aktuellen Tabellenplatz, wozu auch uns Urs schon mal lächelt. Dennoch bleibt er dabei, dass ihn die Tabelle nach dem 34. Spieltag interessiert. Wir nehmen es mit, in jedem Fall die 39 Punkte, Eiser heißt dit!


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