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Und wir können es doch - Heimsieg über den SC Freiburg - Nussi nicht vor Ort

Union Berlin siegt über den SC Freiburg

Bildquelle: JVE [], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Ich sitze hinten im Auto und spüre, wie jeden Augenblick meine Sehnsucht größer wird. Meine Sehnsucht danach, genau jetzt auf dem Weg ins Stadion zu sein. Gerade am Einlass vorbei, gleich am Barkas bei Schmü und Olafssohn – und schließlich im Block. So wichtig und schön Urlaub auch ist, zum Spiel nicht Am Stadion An der Alten Försterei zu sein, das tut weh. Immerhin ist meine Karte dort. Späti-Hannes ist für mich im Block, und er versprach mir: „Ich grüße alle von Dir und gebe alles, was ich kann!“

Dann können wir heute nur gewinnen!“, rede ich mir Mut zu. Den brauche ich auch, und vor allem hoffe ich, dass sich die Mannschaft keinen Fatz daran gewöhnt hat, nach großem Kampf und gutem Spiel dann doch wieder als Verlierer vom Platz zu gehen. Weil der Gegner dann doch den entscheidenden Tick abgezockter ist und obendrein vielleicht noch das Glück auf seiner Seite hat.

Wir durchbrechen alle Schranken

Ich erinnerte mich an das Lauftraining, zu Schulzeiten, allabendlich zusammen mit einem Freund. Unsere Distanz waren die 3000 Meter, und mein Schulfreund war eigentlich schneller als ich. Doch eines Abends hängte ich ihn, warum auch immer, unter der alten Eisenbahnbrücke ab. Fortan brauchte ich genau unter jener Brücke einfach nur kurz das Tempo anziehen, und ich hatte ihn besiegt.

Das würde doch bei unserer Mannschaft nie und nimmer so sein, oder? Da sei Urs vor! Derlei Gedankenspiele und Erinnerungen im Kopf, näherte sich unweigerlich die Anstoßzeit. Ich sang im Auto Eisernet Lied und Hymne mit – und verbot mir, sofort auf mein Handy zu starren. Ich hasse es, wenn Union spielt und ich bin nicht leibhaftig dabei! Schon kieke ich doch auf mein Telefon – und reiße die Arme hoch: 2. Spielminute, 1:0 für Union durch Bülter!

Berlin ist nicht in Freiburg

Ich hasse es fast ebenso, Union in der Kneipe oder anderswo auf Bildschirm oder Leinwand zu gucken. Und doch konnte ich nicht anders, als direkt nach unserer Ankunft daheim Frau und Kind allein zu lassen und in die nächstgelegene Sportsbar zu tigern. Also „Tante Käthe“ im Mauersegler, Prenzle-Berg an der Grenze zum Wedding. Na prima, auch noch Auswärtsspiel in nächster Nähe. Die Bar ist Treffpunkt des Berliner SC Freiburg-Fanclubs „Spree-Bobbele.“

Bei meiner Ankunft ist noch immer Halbzeitpause, also noch schnell ein Bier ordern! Hinter mir in der Schlange zwei Typen mit westdeutschem Akzent. „Vorn läuft Freiburg, hinten Konferenz“, klärt der eine den anderen auf, der darauf prompt erwidert: „Dann lass uns nach hinten gehen!“ Wie bitte?, möchte ich sie anfahren, vorne Freiburg, hinten Konferenz? Vorne läuft Union, hinten der Rest!

Hard-Rock Stadion Alte Försterei

Wieso bistn nicht im Stadion?“, fragt mich der Mann am Tresen. „War im Urlaub, meine Karte ist im Block“, erkläre ich ihm mein Hiersein – und los geht die 2. Halbzeit! Der Saal ist gut gefüllt, wir etwa 5 Unioner zwischen zig Freiburg-Anhängern. Aus dem Stadion vernehme ich klar und deutlich das beschwörerische: „Union-Union, Union-Union…“ – und ja verdammt, das sieht gut aus, was unsere Mannschaft da auf den Rasen bringt!

 

 

Schon ist die erste Viertelstunde fast herum, wir führen noch immer, und das nicht unverdient! „Dem Morgengrauen entgegen“, singt das Stadion, und schon sehe ich Tausende Schals kreiseln. Von den „Spree-Bobbelern“ um mich herum kommt hin und wieder ein einzelnes: „Ja!“ und „Jetzt aber!“ Hand-Elfer für uns? Nee, doch nicht. Ein Freiburger durch – geklärt! Da kommt es druckvoll von den Rängen: „F-C-U-Fußballclub Union Berlin – F…!

Dann kann der Sieg nur Dir gehören!

Freiburg drückt, wir kriegen ‘ne Gelbe. „Eisern Union!“ brüllt einer mit Union-Mütze am Tresen. Unsere Verteidigung steht, und einen Torwart haben wir ja auch noch! Ich brauche etliche Meter für mich, zum Glück hab ich keinen Sitzplatz abbekommen. Nein, die dürfen uns jetzt kein Ei ins Netz legen, nein, niemals! Und die Zeit vergeht so quälend langsam.

Entlastungsangriff Union – wow, Bülter schießt aufs gegnerische Tor, „Eisern Union!“ im Stadion – und jetzt auch von uns vielleicht 5 Unionern hier. Keine Entlastung – Union beißt, ackert, kratzt! Schon wieder greifen wir an – Glanzparade des Breisgauer Keepers, „Eisern Union!“ Kroos kommt für Andersson … 7 heiß umkämpfte Minuten später sorgt der wackere Ingvartsen mit einem beherzten Distanzschuss dafür, dass 5 Unioner schreiend die Arme hochreißen und zusammen mit 20.000 Eisernen AdAF das „Eisern Union!“ dreimal hintereinander erschallen lassen.

Eisern heißt dit!

Ihr holt eure Punkte woanders!“, lasse ich die beiden Männer in Freiburg-Trikots wissen, die noch Minuten nach Abpfiff auf ihren Plätzen sitzen. Sie nicken mir zu, kriegen sogar kurz ein Lächeln ins Gesicht, als sie erwidern: „Gegen euch zu verlieren, ist keine Schande. Wär schon toll, wenn wir beide drin bleiben.“ Das lasse ich mir gefallen, erst recht nach dem Sieg. Auch Urs wird sich da über ein gegnerisches Lob seiner Mannschaft sicher nicht ärgern.

Ballbesitz wie Zweikampfquote beim Gegner, aber unsere Mannschaft schoss öfter aufs Tor. Und hatte wieder eine Stadionkulisse hinter sich, die selbst via Videowand eindrucksvoll den Raum flutete. Ihr sangt deutlich genug, dass ich jedes Lied problemlos mitsingen konnte. Zugegeben, Hannes hab ich nicht rausgehört. Aber ich weiß, dass er alles gegeben hat. Wenn er und all die anderen alten Kämpen ohne Dauerkarte, die für Union bluteten und unser Stadion bauten so oft wie möglich leibhaftig dabei sind, können wir gar nicht anders, als gewinnen! Aberglaube? Nee, Eisern heißt dit!


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