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Erster Auswärtssieg gegen Mainz 05 - Ohne Drama geht es bei Union Berlin nicht

Union Berlin feier Sieg in Mainz

Bildquelle: Nixus Minimax [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Nach all den Querelen der letzten Woche endlich wieder Fußball. Nach all den endlosen Diskussionen endlich wieder Union! Und ich bin unterwegs, von ‘nem Gig zurück nach Hause, obendrein Gefahr laufend, andere Straßenverkehrsteilnehmer und mich zu verletzten. Ich bleibe sicherheitshalber alle 5 Schritte stehen und stelle mich an die jeweilige Hauswand, um auf mein Telefon zu gucken. Mist, schon in der 4. Minute kriegen wir die erste gelbe Karte!

Unfallfrei komme ich bis nach Hause, im Treppenflur reiße ich schreiend die Arme hoch: „Jaaaaa, wir führen 1:0!“ Als ich die Wohnungstür erreiche, führen wir noch immer! Eine Minute später immer noch, weitere 30 Sekunden später ebenfalls. Was sollte ich jetzt gleich machen? War da nicht etwas dringend zu erledigen? Ich hab alles vergessen, weil ich auch in den nächsten Minuten ständig auf mein Telefon stiere. Endlich weiß ich‘s: Ich muss die 2. Halbzeit drüben in der Käthe kieken.

Volle Kraft voraus!

„Spielt schön“, verabschiede ich mich von Töchterchen und ihrer Freundin. „Macht keen‘ Mist, ich muss mal schnell Union kieken gehen.“ Auf der gegenüberliegenden Straßenseite reiße ich erneut die Arme hoch: Das 2:0 in der dritten Minute der Nachspielzeit! Ist das noch Union? Endlich erreiche ich Tante Käthe. Draußen staucht ein Herthaner seine Kumpels zusammen, als hätten die gerade eben den wohl unberechtigten Elfer verschuldet.

Drinnen angekommen, gibt’s gleich mal wieder Gelb für uns. Micha Parensen! Der würde doch nie ein Foul begehen, oder? Wunderbar, dass dieser Eiserne überhaupt spielt! „F-C-U-Fußballclub Union Berlin – F…“, singt der Gästeblock in Mainz. Union am Ball, Ecke – TOOOOOOOOOOOOOOR! Alles obendrein wie aus der Fußball-Fibel!Als ich wieder denken kann, wird mir das Ganze endgültig unheimlich. 51 Minuten sind von der Uhr, und das Spiel ist entschieden? Unser 1. Auswärtssieg in der 1. Liga perfekt?

Und plötzlich fällt das Gegentor

Jetzt kommt Mainz – aber niemals so richtig vor unser Tor. Immer ist ein Unioner dazwischen. Dann etwas, das verdammt nach rüdem Foul an einem unserer Spieler aussieht. Gelbe Karte, rote Karte? Spielunterbrechung zur Nutzung moderner Informationstechnik. Das Ergebnis: Nix! Der Mainzer Schiedsrichter „ehrt“ da lieber unsere Spieler mit Karten. Die Mainzer Zuschauer melden sich zu Wort. Nicht mit Pfiffen gegen ihre Mannschaft, wie zur Pause, sondern mit echtem Support! Und auch die Heimmannschaft rennt gegen unser Tor an.

Aber was sie auch anstellen, nichts gelingt. Die Abwehr steht, und wenn nötig, pariert Rafal mit genau dem richtigen Reflex, Was ist mit Union los? Muss sich Europa jetzt warm anziehen? Da zeigt der Fußballgott ein Einsehen und besinnt sich auf alte Eiserne Tugenden: 81. Minute, der Ball liegt in unserem Tor. Shit verdammichter, wird’s jetzt etwa doch noch ein Herzschlag-Finale?

 

 

Herzkasper inbegriffen

Jetzt geht das Spiel nur noch auf unser Tor. Giki hält Ball auf Ball, begräbt ihn unter sich – aber schon wieder kommt dieses Mistding angeflogen! Sind da etwa mehrere Bälle im Spiel? Himmel, Ar…, fast das 2:3, aber unser Keeper fightet auch am Boden weiter. 5 Minuten Nachspielzeit, und irgendein mieser Typ hält ständig die Uhr an. Nur die Mainzer Spieler halten nicht an, Dauerangriff auf unser Tor! Und doch bin ich froh, dass all das, was da jetzt meine Nervenenden wegraucht, ausschließlich sportlicher Natur ist.

Das gibt’s doch nicht, schon wieder liegt der Ball in unserem Tor. „Hast du ‘ne Macke, Fußballgott?“, schreie ich den Genannten an. „Was willst du von mir?“, fragt der arschcool und brutal abgeklärt zurück. „Ich bin Unioner, du etwa nicht?“ Schlagartig bin ich wieder bei meinem 1. FCU! Langweilige Siege? Nicht mit uns! Immer und immer wieder nahe am Herzkasper, immer und immer wieder Kampf bis zur letzten Sekunde!

Meilenstein in der ewigen Tabelle

Dann endlich reißen wir alle die Arme hoch, schreien wir unsere Erleichterung, unsere Freude heraus. Unions erster Auswärtssieg in der 1. Bundesliga, wir zwei Punkte und einen Platz vor Hertha, wie es deren Trainer letzte Woche quasi prophezeit hatte! Als wäre das nicht genug, gaben wir in der ewigen Tabelle aller 56 Bundesligisten fürs Erste endgültig die rote Laterne an Tasmania ab.

Dass unsere Mannschaft ihren Sieg am Ende obendrein in astreiner Union-Manier erfocht, auch darüber kann ich jetzt entspannt schmunzeln. Was bleibt, ist meine Freude über nunmehr 13 Punkte, mein Stolz auf diesen, meinen, unseren Verein. Der Fußball war heute endlich wieder eine willkommene Pause vor all den Fights des täglichen Lebens, den mitunter elenden Mühlen des Alltags. Eisern heißt dit.


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