Kaderplanung: Schwierige Suche nach einem Knipser & kreativen Denker

Union Berlin und seine Kaderbaustellen

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Es gibt so Baustellen, die wird man einfach nicht los. Das ist bei Union Berlin schon seit Jahren der Fall, denn im Grunde fehlt uns einfach ein Knipser, der pro Saison zehn Tore aufwärts garantiert. Doch wie kommt es, dass sich unsere Entscheidungsträger auf dem Transfermarkt in dieser Hinsicht so schwertun oder nicht zwingend das richtige Händchen in dieser Personalie haben?

Eine Universal-Antwort dürfte es für dieses Phänomen nicht geben und trotzdem stellt man sich die besagte Frage in aller Regelmäßigkeit. Während wir in der Defensive in den letzten Jahren sehr gut standen, kränkelte die Offensive fortwährend. Aber auch im Mittelfeld benötigen wir einen, der die Bälle verteilt und unsere Stürmer mit Pässen versorgt und füttert.

Ein Denker & Lenker fürs Mittelfeld dringend gesucht

Ich habe das ja bereits in den vergangenen Jahren immer wieder moniert, dass eben jener Denker und Lenker im Kader fehlt. Eigentlich müssten „die da oben“ es ja auch wissen. Klar, so lange, wie der Erfolg vorhanden war, fiel es dem Großteil auch nicht unbedingt auf, dass wir in den beiden genannten Bereichen Probleme haben.

Nun ist die Erfolgswelle schon seit geraumer Zeit abgeebbt und wir stehen erneut vor der Problematik, dass unser Spiel für unsere Gegner leicht zu durchschauen ist. Das war es bereits unter Urs Fischer, auch als wir sensationell die europäischen Wettbewerbe nacheinander in Beschlag nahmen. Damals wusste jeder, auf was man sich einstellen musste, wenn man gegen Union Berlin antrat und dennoch fand man nur wenige Mittel, um sich dagegenzustellen.

Kaderbaustelle Stürmer & kreativer Mittelfeldspieler

Unsere Spielweise war nie ansehnlich, aber sie musste es auch nicht sein, denn seit unserem Aufstieg in die Bundesliga war klar, dass wir mit aller Macht versuchen sollten, den Klassenerhalt zu sichern. Dies ist uns unter dem Strich auch gelungen und trotzdem hat man selbstverständlich auch eine Anspruchshaltung, die man erfüllt haben möchte.

Ohne Stürmertore wird es jedoch schwer, diesen Erwartungen im Geringsten gerecht zu werden. Bereits in der vergangenen Spielzeit fehlte uns einer, die die Dinger regelmäßig reinmacht und für Tore sorgt. Noch viel länger fehlt ein Mittelfeldspieler, der die Bälle verteilt, für Überraschungsmomente und Torgefahr kreieren kann. Diese zwei Baustellen ziehen sich, wie ein roter Faden durch unsere Spielzeiten.

Was bringt der Transfer-Sommer?

Klar ist auch, dass sogenannte fertige Spieler für uns auf dem Transfermarkt kaum zu bezahlen sind. Die Entwicklung in Sachen Ablösesummen, Handgelder und Gehälter hat wahnsinnig an Fahrt aufgenommen, sodass wir gezwungen sind, kreative Lösungen zu finden. Diese können aber nicht dauerhaft darin zu finden sein, dass wir Spieler aus der 2. Liga zu uns holen, von denen sicherlich auch einige durchaus das Potenzial haben, in der Bundesliga zu bestehen.

Viel mehr müssen wir auf diesen Positionen Spieler finden, die ihr Können wegen meiner in ausländischen Ligen, die nicht unbedingt populär sind, unter Beweis gestellt haben und zugleich auch den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs packen können. Hierbei hatte auch schon Oliver Ruhnert mit den Widrigkeiten des Transfermarkts zu kämpfen. Klar, auf den Außen waren wir vor allem mit Sheraldo Becker bestens besetzt gewesen. Er lebte von seiner Schnelligkeit und war gleichzeitig auf seine Mitspieler angewiesen, um überhaupt Torgefahr entwickeln zu können.

Unverständnis bei Ljubicic-Leihe

Zu jener Zeit, waren die Umstände anders. Man könnte sagen, unser Erfolg hat unsere Schwächen im Aufbauspiel hinweggetäuscht. Mittlerweile ist es anders, denn unsere Defizite in der Offensive sind eklatant und für jeden Sichtbar. Im Sommer hatte man die Möglichkeit, den einen oder anderen Stürmer zu verpflichten. Man hatte sie indes nicht genutzt. Der Wille war sicherlich vorhanden, aber andere Gegebenheiten dürften dazu geführt haben, warum kein neuer Stürmer mit einer halbwegs eingebauten Torgarantie verpflichtet werden konnte.

Irgendwas muss im Sommer passieren, dabei spielt es auch keine Rolle, in welcher Liga wir dann antreten. In dieser Hinsicht ist es auch unerklärlich, weshalb wir mit Marin Ljubicic einen Mittelstürmer an Fortuna Düsseldorf leihweise abgegeben haben und gleichzeitig keinen Ersatz holten.

Ljubicic bekam kein Vertrauen geschenkt

Zur Erinnerung: Ljubicic wurde im Winter 2025 für rund 4,5 Millionen Euro von LASK verpflichtet und benötigte sehr viel Zeit, um sich bei uns einzufinden. Dazu kam, dass er zu Beginn dieser Saison mit verschiedenen Verletzungen zu kämpfen hatte und zusätzlich hatte man auch nicht auf ihn gebaut. Erst am 16. Spieltag durfte er gegen Mainz 05 für schlappe 12 Minuten aufs Feld, wobei er direkt traf.

 

 

Am Spieltag darauf durfte er sogar nur 8 Minuten als Joker mitwirken, traf aber beim 1:1-Unentschieden gegen den FC Augsburg. Danach durfte er sich erneut mit der Ersatzbank anfreunden. Das Potenzial ist vorhanden, doch man setzt nicht auf ihn. Lieber gibt man ihn für die Rückrunde an Fortuna Düsseldorf in die 2. Liga ab, statt selbst auf seinen Torriecher zu setzen.

Zweiten Asllani-Fall dringend vermeiden

Es sind Dinge, die man nicht verstehen muss oder auch nicht kann. Als Außenstehende können wir auch nicht über interne Abläufe und Sachverhalte urteilen. Trotzdem muss man sich die Frage gefallen lassen, warum Marin Ljubicic erst für satte 4,5 Millionen Euro verpflichtet hatte und ihn dann nach zwei Joker-Toren infolge verleiht?

In dieser Hinsicht kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Blicken wir noch weiter zurück in die Vergangenheit, denn bei uns spielte in der Jugend ein gewisser Fisnik Asllani, den sich die TSG Hoffenheim im Sommer 2020 ablösefrei angelte. Schon zur damaligen Zeit waren wir uns sicherlich einig, dass man unser Eigengewächs nicht einfach gehen lassen sollte. Doch hierbei gibt es zwei Parteien, die unterschiedliche Dinge möchten.

Christian Arbeit klärte auf

Zur damaligen Zeit hatte ich mich mit Christian Arbeit unterhalten und er ermöglichte mir eine andere Sichtweise kennenzulernen, die ich so wahrscheinlich in dieser Form nicht erlangt hätte. Asllani drängt auf Einsatzzeiten, die Union Berlin ihm damals nicht garantieren konnte. Durch die fehlende Zweitvertretung konnte der Stürmer auch keine Erfahrungen im Herrenbereich sammeln, sodass der Sprung zu den Profis damals noch zu früh kam.

Unter diesen Voraussetzungen war schnell klar, dass sich Asllani nach einer Alternative umschauen musstr, bei der er eine Weiterentwicklung garantiert bekäme. Die Lösung für ihn hieß dann schlussendlich Wechsel zur TSG Hoffenheim. Für uns war das ein Schlag in die Magengrube und auch 5 ½ Jahre später dürfte uns sein Verlust noch immer schmerzen. Kein Wunder, denn nach Leihe zum SV Elversberg startete er auch in der Bundesliga durch und weist mittlerweile einen Marktwert von rund 30 Millionen Euro auf.

U21-Nachwuchsliga als Chance?

Schon seit Jahren fordern viele von uns die Wiedereinführung der sogenannten „Zweite“ ein, doch dazu wird es sehr wahrscheinlich nicht kommen. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass wir weiterhin Gefahr laufen, in Zukunft unsere Juwelen aus dem NLZ zu verlieren. Hoffnung könnte die neue U21-Nachwuchsliga des DFB machen, die zur Saison 2026/27 startet.

Union Berlin plant hierbei bereits die eigene Teilnahme. Der Wettbewerb wird die 3. Liga nicht ersetzen, sondern eher Nachwuchsspielern von der U17 bis zur U21 die Chance geben, sich auf einem höheren Niveau zu beweisen und Wettkampferfahrungen zu sammeln. Ob dadurch unsere Talente eher bei uns bleiben, steht in den Sternen.

Kaderumbruch könnte zu Herkules-Aufgabe werden

Wie dem auch sei, im kommenden Sommer muss etwas auf dem Transfermarkt geschehen, denn so kann es nicht weitergehen. Neben den genannten Baustellen im kreativen Mittelfeld und im Sturmzentrum, wird es auch in der Defensive zu Veränderungen kommen. Spätestens wenn Diogo Leite und Danilho Doekhi uns verlassen werden.

Mit Hinblick dessen wird es für Horst Heldt dann schon fast eine Mammutsaufgabe werde, adäquaten Ersatz für die Innenverteidigung zu organisieren und zugleich noch im Mittelfeld sowie im Angriff nachzulegen. Finanziell müssen wir wohl kleinere Brötchen auf dem Transfermarkt backen, was die Aufgabe nicht einfacher macht. Kurzum: es wird ein interessanter Sommer für uns alle. Man kann nur hoffen, dass wir die so dringend benötigen Verstärkungen auf irgendeine Weise finden werden.


Saison 2025/2026
Werbung

Werbung