Knappe Pleite beim FC Bayern München - Ohne Union Berlin wäre nichts los in München

Union Berlin verliert beim FC Bayern München nur knapp

Bildquelle: Frank Hainz [], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Ich sehe ein Stadion, ein gewaltig großes Stadion. Drei Ränge türmen sich übereinander, und vornehmlich rot gekleidete Menschen singen von ihrer Liebe, ihrer Mannschaft, ihrem Stolz – von ihrem Verein, dem 1. FC Union Berlin! Auf dem Platz läuft nichts nennenswertes, denn es ist Halbzeitpause. Zeit und Raum für Promotion-Gegurke, Rasenpflege, vielleicht untermalt von markigen Werbeparolen eines Stadionsprechers. Nicht hier, denn diese Halbzeitpause gehört den singenden Gästefans.

Eine Szenerie, wie wir sie bereits aus dem noch größeren Stadion in Dortmund kennen, ebenso aus Hamburg, Augsburg und etlichen anderen zumeist Arena genannten Austragungsorten von Fußballspielen. Nun auch in München: Gästefans, die den Heimzuschauern ihr Liedgut auf die Ohren geben. Die sich, ihr Hiersein feiern und ihre Mannschaft in jeder Situation unterstützen. Staunende Gesichter von Leuten, die mittlerweile auch ins Stadion kommen, um Unioner auf den Rängen zu erleben. Gegnerische Fans, die uns vor dem Spiel wissen lassen: „Geil, dass ihr hier seid!“

Aufgeben iss nich!

Soweit die Folklore, aber was geschieht auf dem Platz? Die Truppe mit dem zigfach höheren Marktwert ist gefährlicher, zweifellos besser – und kommt doch nicht an unserer Abwehr vorbei. Dann doch mal, Sch… verdammte, aber weiter geht’s! Union spielt nicht mit, Union spielt! Der Rekordmeister ist gefährlicher, aber er hat hier kein Fallobst vor den Töppen.

Bald nach der Pause das 2:0, nun sind alle Messen gesungen, oder? Nix da, Union greift an! Leider haben wir ein fieses Torgestänge und einen bestens aufgelegten deutschen Nationaltorhüter gegen uns. Wow, wir kriegen nen berechtigten Hand-Elfer! Unser Stürmer vergibt, verdammte S…, weiter! Als das 3:0 fällt, scheint endgültig alles klar – aber wieder denkste, Videobeweis! Und ein weiterer Elfer für uns, den Polti souverän in die Maschen zimmert! Leider blieb es dabei, und doch ziehe ich meinen Unionpudel tief vor dieser unserer Mannschaft!

Selbst die Bayern-Fans melden sich plötzlich

Mein Freund Onkel Günter wunderte sich kein bisschen, dass er und die anderen etwa 8.000 Eisernen lauter waren als die knapp 62.000 Heimzuschauer. Einmal jedoch, als Polti zu seinem Elfer antrat, staunte er nicht schlecht: „Die haben plötzlich so laut jepfiffen, dass ick mir dachte: Wow, dit sind ja ooch allet Menschen!“ Den Gesang „Ohne Union wär gar nix los!“, empfand er als durchaus berechtigt: „Ick gloobe, die Münchner langweilen sich so langsam zu Tode mit ihrem Superverein.“

Selbst in der Sportschau ist die akustische Überlegenheit der Eisernen klar hörbar. „Und wir lieben unsern Club, und wir sind stolz auf ihn“, Eisern-Union-Wechselgesang, „1. FC Union Berlin, und alle!“und niemals vergessen: das Mantra kurz vor und während der Pause. Das wird sogar exklusiv im TV präsentiert, ohne Häme, voller Anerkennung. Soviel zur Frage, ob die höchste deutsche Spielklasse eher uns verändert oder wir eher neue Akzente in ihr setzen. Das haben wir längst getan, und ich bin sicher, unsere Mannschaft fightet unbeirrt weiter, bis zum nächsten Sieg und sowieso!

 

 

Fußball pur für Menschen

Wieder eine beeindruckende Vorstellung des 1. FC Union Berlin, der beweist: Fußball ist nicht, wenn auf dem Rasen Millionäre ihren Beruf ausüben und Millionen Konsumenten ihnen dabei staunend zugucken. Fußball pur ist, wenn Fans und Mannschaft samt Betreuer-Stab und allen anderen Verantwortlichen zusammen einen Auftritt zelebrieren, den alle Mitwirkenden und viele, viele, die ihn in irgendeiner Weise miterlebten, niemals vergessen werden.

Zweimal verloren wir nach hartem Fight in Dortmund, bevor wir den BVB daheim AdAF verdient schlugen. Ein paar Mal besiegten uns die Bayern locker in Freundschaftsspielen, bevor sie am Samstag deutlich Mühe mit uns hatten. Auch hier ist das letzte Lied nicht gesungen, der letzte Pass nicht gespielt. Bleiben wir uns treu und am Ball, ist eines Tages ein Punkt oder gar Sieg gegen den Rekordmeister drin. Es wird passieren, ganz sicher – und wenn mal wieder nicht: Scheibenkleister!

Und jetzt das Derby!

Viel Zeit zum Luftholen bleibt uns ja nicht. Am Dienstag Pokal in Freiburg. Ein denkbar unglückliches Los, na und? Auch in Freiburg haben wir bis heute noch nie ein Tor geschossen, geschweige denn gewonnen. Zeit also, auch das zu ändern! Und nächsten Samstag dann das Pflichtspiel, das ich mir seit dem 11. Februar 2013 herbeisehne. Endlich wieder Derby-Zeit, für mich die „Mutter aller Derbys“, um hier auch mal den am letzten Samstag so elend strapazierten Begriff in die Tasten zu hauen. Ich weiß, andere sehen das anders.

Zum Beispiel mein Lieblingsfeind Knut Beyer alias Hanne Ruch. „Weil die wahren Derbys in Berlin die Spiele Hertha BSC gegen Tennis Borussia waren“, betitelte der Ur-Herthaner 2013 eines seiner Buchkapitel. Nicht von ungefähr, sage ich. Denn sicher ist es bequemer, dem Derby-Gegner auf Platz UND Rängen überlegen zu sein. Letzteres wird ganz sicher weder am Samstag Am Stadion An der Alten Försterei noch beim Rückspiel in der Olympia-Betonschüssel so sein. Also auf geht’s, komm gut durch die Woche, alle Kraft für Samstag: „Auf geht’s Union, kämpfen und siegen!“


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