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Frank Nussbücker: Union-Pleite gegen FC Augsburg - Alle an Deck und rudern, was das Zeug hält!

Union Berlin erlebt Pleite gegen FC Augsburg

Bildquelle: JVE/Eiserne-Unioner.de [], (Bild bearbeitet)

Es geht wieder los – und doch nicht wirklich. Nicht so, wie wir es bis zum Februar dieses Jahres kannten. Die aktuelle Dauerkarte in meiner Tasche, gerade frisch erworben, führt mich heute nicht ins Wohnzimmer, weil ich bei der Verlosung kein Glück hatte. Schade, gerade gegen diesen mir außerhalb des Spiels so nahe ist. Der Augschburger General Seckler ist mit 07 Freunden in der Stadt, immerhin sehe ich die Truppe gleich auf dem Dampfer.

Auf der Straßenbahnfahrt zum Anleger überkommt mich wie üblich die Angst um Union. Doch heute ist sie auch konkret. Unter den Spielern, die uns verließen, befinden sich zwei Aktivposten der Mannschaft, einer ganz vorn, einer ganz hinten, ausgerechnet das! Dazu find ich es schade, dass uns mit Neven Subotić dazu ein oft so wichtiger Routinier verließ. Unter den Neuen lediglich die prominente Wundertüte Max Kruse

Heute Block Coé

Ich selbst finde mich irgendwo zwischen „Alle oder keiner“ und der Trauer, dass ich heute nicht im Wohnzimmer komme. Statt Block P oberhalb der Mittellinie bei meinen Steinis, Dana, Jo, Rolf, Konzi, Lieblingsitaliener Helmut und all den anderen heute immerhin Block Coé bei Lieblingswirtin Mone, Mirko, Onkel Günter, Mariola, Nolle und etlichen anderen Unionern. Ist das ein Vorgeschmack auf „ganz normale“ Zeiten, in denen vielen von der Stadionbesuch aufgrund irrsinniger Kartenpreise verwehrt bleibt?

Nein, von diesen Verhältnissen sind wir noch entfernt. Erst recht bei unserem Verein, der die Kartenpreise seit den letzten Jahren 2. Bundesliga nicht erhöhte. Zumindest nicht direkt. Und immerhin hatten etliche Freunde Losglück. Sie gehören zu den etwa 4.500 Zuschauern und brüllen für uns mit. Immerhin weiß ich Wolfgang „Potti“ Matthies, wertvollster Unioner aller Zeiten, auch heute im Wohnzimmer. Und immerhin treffe ich den Augschburger General und etliche Unioner gleich auf dem Schiff.

Nun aber Beeilung!

Station für Station schiebt sich die Tram in Richtung Warschauer. Mist, auf der Strecke wird gebaut! Mist, aufgrund von Demonstrationen sei der Straßenbahnverkehr noch unregelmäßiger als ohnehin schon. Schon biegt sie „falsch“ ab. Ich renne zum Schienen-Ersatzverkehr-Bus, der kurz vor meinem Eintreffen abfährt. Zeit wird knapper. Endlich der nächste Bus, der Verkehr zwingt ihn zu stockender Fahrt. Endlich Endstation, ich renne zur Eastside-Gallery, der Taz-Unioner ruft mich an: „Biste schon am Ableger?“ „Nee!“ „In ner Viertelstunde sind wir da. Sieh zu, dass du den General mitbringst!“

Der General dürfte schon längst dort sein. Am Ufer ist jedoch kein Augschburger zu sehen, ich rufe ihn an. „Ach, der Nussinger“, begrüßt er mich freundlich und in aller ihm eigenen Ruhe. „Wir sitzen aufn Bier im Pirates.“ „Leute, trinkt aus und ab dafür, das Boot kommt gleich!“ Ich renne zurück, finde die Augschburger seelenruhig am Tisch. Sie gingen davon aus, die Boote starten am Biergarten. Nun aber Ballett, bis zum Anleger ists ein ganzes Stück!

 

 

Fußballfans haben‘s drauf!

Schon sehe ich Schiff Nummer 1, Eddylines Helgard auf uns zu schippen. Mist, zwischen dem Anleger und uns versperrt ein Baustellenzaun jeden Weg. Wieder zurück, durch die nächste Mauer-Lücke und ab dafür. Ich renne vor, die Augschburger folgen mir. Endlich vernehme ich vom Ufer her Union-Gesänge – die Vera ist noch da, hat auf uns gewartet, wow! Olaf, Sam und die anderen begrüßen, durchatmen, an Bord erst mal ein Bier nach diesem langen Sprint!

Jochen von der Stiftung ist mit an Bord, genau wie Olafsohn, meine ETH-Kollege René und etliche, die ich von vielen Fahrten auf der Viktoria gen Köpenick kenne. Eine schöne Idee des Taz-Unioners, dass zumindest an Bord dieses Schiffes Heim- und Gästefans zusammen feiern, obendrein mit einem Konzert. Rock’n Roll mit Drums und Strom-Gitarren, die Musiker aus zwei Berliner und einer Augschburger Band, Völkerverständigung ist also machbar, zumindest unter Fußball-Verrückten.

Die Ufer gleiten ans uns vorbei

Im ersten Teil begleiten die Berliner Rocker den General und seinen Basser von Generation N. Der röhrt volle Kanne los: „I like FCA- i like Union Berlin!“ Das funktioniert bestens, zumindest hier an Bord. Im Zweiten Teil begleitet der General seine Berliner Kollegen. Der Sänger der Kietz Keime stimmt schließlich Sportis Eisernet Lied an. „Hier iss meen Zuhause, hier krichtma keener weg!“ grölt das gesamte Schiff. Selbst die Augschburger sind erstaunlich textsicher.

Ganz nebenbei stehen Sporti und der General mit ihren Songs beim „Grand Prix de la Vereinslieder“ im finalen Wettbewerb, hast Du schon abgestimmt? Ich genieße jeden einzelnen Song, während die Uferlandschaft an mir vorbeigleitet. Könnte ewig so schippern. „Saufen, Punk Rock und Eisern Union!“, bringt es der Sänger der Kietz Keime auf den Punkt. Ach ja, richtig, ein Spiel gibt’s ja heute auch noch! Schon haben die Helgard und wir die Ehrenrunde im Hafenbecken gedreht, begleitet vom Wechselgesang: „Wir lieben Union, jawoll!“

Und fast ein Tor …

„Alte Försterei…“ … „Und wir lieben usnern Club, und wir sind stolz auf ihn!“, schallt es aus dem Wohnzimmer über die Fernseh-Lautsprecher zu uns in die Kneipe. Freistoß Trimmel – weit übers Tor. Das Stadion klingt so, als sei es voll. „Wir sind Unioner, wir sind die Kranken“, „Wir singen rot, wir singen weiß …“, Eisern-Union Wechselgesang, Lied folgt auf Lied. Auf dem Rasen das „gewohnt langweilige Spiel“, welches der General voraussagte, wenn FCU und FCA aufeinandertreffen.

 

 

Schon gibt’s Gelb für Trimmel, Mist! „Dem Morgengrauen entgegen, ziehn wir gegen den Wind!“, singt das Stadion. „Uffs Klo gehen dauert uff jeden Fall länger, wennde Sektor 3 stehst“, bekennt ein Kneipengast. „Wir lieben Union, jawoll!“, starten die Unioner im Wohnzimmer den nächsten Wechselgesang. Gentner schlägt eine Flanke in den gegnerischen Strafraum – Mist, Ingvartsen erwischt das Ding nicht!

Ein Ruck geht durch unsere Mannschaft

„Wo du auch spielst, ja wir folgen dir!“ Mist, Gentner verletzt sich, muss raus. Bella Ciao und Ecke Union! „Die Fans feiern sich und ihren Verein“ verlautbart der Fernseh-Kommentator, nur der Ball will nicht in des Gegners Tor. Dafür in unseres, gleich die erste Chance der Augschburger zappelt böse im Netz. Kurz vor der Pause. Das Stadion skandiert: „FC Union, unsre Liebe, unsre Mannschaft, unser Stolz…!“

„Kämpfen und Siegen!“, heißt es in 59. – aber unsere Mannschaft kommt kaum vors gegnerische Tor. Ist es mal wieder dieses eine Ding, das uns die bitter nötigen Punkte kostet? Weiter Gesang auf Gesang – und in der 70. Kommt Kruse! Der wirkt fest entschlossen – und unsere ganze Mannschaft wirkt druckvoller. Lenz bringt den Ball in den vollen Strafraum, Teuchert lässt durch – und Bülter nagelt das Ding rein! Endlich aufschreien, hochspringen, Union ist wieder da!

„FC Union, unsre Liebe“ – auch wenn’s wehtut

Leider kann ich an dieser Stelle nicht einfach aufhören. Unsere Mannschaft bleibt am Drücker, aber ohne Treffer. Augsburg dagegen nutzt in der 82. Seine zweite Chance des gesamten Spiels zum zweiten Treffer. Eiserner Gegenangriff, Torschuss – Giki pariert grandios, wie dereinst so oft für uns. Schon sind 2 FCA-Spieler frei vor unserem Tor, das Netz zappelt, der Deckel ist drauf. Mist verdammter!

Erstaunlich schnell trudeln unsere Freunde aus dem Stadion An der Alten Försterei ein. Alkoholfreies Bier lädt nun mal nicht zum Verweilen ein, das Ergebnis verlangt geradezu nach Gerstensaft mit Prozenten. An der Kulisse lag es auf keinen Fall, obwohl unsere Freunde gestehen: „Es war leiser als sonst, und besonders in der 2. Halbzeit haben die Trommeln vom Wuhle-Syndikat gefehlt.“ Unserer Mannschaft fehlte ebenfalls so einiges, und doch lassen mich die paar Minuten nach Kruses Einwechslung hoffen. Das gute Guinness aus dem Hahn und allerhand Gefrotzel mit den später dazukommenden Musikern aus Berlin und Augschburg taten ihr übriges, dass mich der Frust nicht besiegte. Harte Arbeit wartet, Eisern Union!


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