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Frank Nussbücker: Eiserner Kampf im Pott - Niederlage gegen Schalke 04

Schalke 04 besiegt Union Berlin

Bildquelle: Sean MacEntee from Monaghan, Ireland [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Es hätte alles so schön werden können! Mein Schulfreund Berge lebt seit 2001 im Pott. Zusammen mit seiner Liebe Tina, die dereinst zusammen mit ihrem Vater ins Gelsenkirchener Parkstadion ging, wollte er auf Schalke das Spiel verfolgen. Berge im Uniondress direkt neben den Unionern im Gästeblock, Tina in der Nordkurve bei ihren Schalkern. Beide hatten ihre Karten, beide waren bereit.

Eine nicht aufschiebbare OP am Bein machte alles zunichte. Bis zuletzt hatte Berge auf das Wunder gehofft, aber die Wundheilung hat nun mal ihre eigenen Gesetze. Ohne ihren Liebsten wollte auch Tina nicht ins Stadion, also lebten sie ihr ganz spezielles Familien-Derby am heimischen Fernsehgerät. Berge in Rot-, Tina in Blau-Weiß, genau wie in so mancher Berliner Fußballfamilie.

Kämpfen und schießen

Union legte los wie die Feuerwehr. Kaum angepfiffen, hatten unsere Fußballgötter bereits 4 Torschüsse vollbracht. Und doch waren es die Schalker, die dann jubelten. Tor!!!!, schrie mich Tinas WhatsAapp-Nachricht an, und ich vergaß, wie oft sie Berge und mich schon des Nachts aus diversen Stadien gerettet hatte. Und ich vergaß auch, dass ich es hasse, mir Unionspiele im Fernsehen anzukieken.

So schnell ich konnte, änderte ich meinen Kurs und eilte in die Käthe. Unterwegs erreichte mich Berges Torjubel-Nachricht. Der Elfer sei nicht unbedingt zwingend gewesen, um es milde auszudrücken. Ein Kumpel drückte es so aus: „Schwalbe, aber nun doch 1:1.“ Derselbe Kumpel hatte mir zuvor mitgeteilt, dass er auch als Nicht-Unioner stolz auf das sei, was Union da zeige in Gelsenkirchen.

Alle Schotten dicht, verdammt!

Auch Tina hadere noch ein wenig mit der Schiri-Entscheidung, steckte mir Berge. Dann stehe ich endlich inmitten vieler fast ausschließlich in Rot und Weiß gekleideter Menschen vor der Leinwand. Das gibt’s auch nicht sooo oft hier. Wir haben drei Gelbe und Schlotterbeck musste verletzt raus, allein das macht die Aufgabe jetzt nicht leichter.

Und nun legt Schalke los wie irre. Sie drücken Unsere in den Strafraum, aber die Unioner nehmen den Kampf an. Vor allem der Hüne in unserem Kasten. „Gikiewicz!“, schallt es durch den Kneipensaal. Die Fernsehbilder zeigen, wie unser Keeper seine Vorderleute zusammenstaucht. Und immer wieder verraten die Lautsprecher, dass unsere Auswärtsfahrer bestens zu hören sind in der Gelsenkirchener Turnhalle.

Mal wieder ein Endspiel

Auch wir hier in Berlin singen mit ihnen mit. Singen gegen die Belagerung – und schon wieder sind die Gelsenkirchener mit einer fast-Hundertprozentigen vor unserem Tor. Es dauert bis in die 60. Minute, bis unsere Mannschaft vorm gegnerischen Gehäuse auftaucht. Schade, der Gegenspieler erwischt den entscheidenden Ball besser als unser Stürmer. Ein Nadelstich immerhin, Union zeigt auf dem Platz: Wir sind auch noch da.

 

 

Schalke zeigt, wer hier der Europapokalerfahrenere und vom Potential her Überlegenere ist. Das wusste jeder vorher, na und? Unioner kämpfen wie die Tiere, auf Platz und Rängen, das ist das Entscheidende! Und schon wieder kratzt Rafal einen Ball von der Linie. Ich befinde mich mitten in einem Endspiel – wie jedes Mal, wenn meine Mannschaft spielt. Der Fast-Herzkasper beim Fußball solle durchaus gut für die Gesundheit sein, hatte ich mal irgendwo gelesen.

Der Hüne wirft alles rein

In der 73. Der Schock: Unser Torhüter mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden. Ein Gegenspieler voll in ihn rein gerauscht! Keine Absicht, aber das nützt jetzt auch nichts. Das Knie sieht bedenklich aus, um es mild auszudrücken. „Bitte, steh wieder auf, komm zurück!“, flehe ich stumm. Und ja verdammt, der Hüne ist wieder auf den Beinen, das rettende Ufer noch weit, weit entfernt.

Endlich wieder ein Torschuss von Union, gefolgt von einem messerscharfen, schnellen Konter der Königsblauen. Unser Verteidiger läuft dem Gegner den Ball ab! Kurz darauf bringt der Gegner einen genialen Pass in die Spitze – aber genial auch unser Keeper, der weit, weit herauskommt und dem Angreifer den Ball abläuft. Was für eine Mannschaft, und wo sind eigentlich die Gesänge der Schalke-Fans?

Unsre Liebe, unsre Mannschaft, unser Stolz!

Und dann passiert es doch! En Ball verloren, ein schneller Angriff – und zum zweiten Mal in diesem Spiel bekommt ein gegnerischer Spieler in bester Schussposition den Ball in den Lauf gespielt. Klassischer Fangschuss kurz vorm Ziel. Die Maschen zappeln, die Heimfans jubeln, und mir ist, als habe mir jemand einen satten Wirkungstreffer versetzt. „Na und?“, ruft einer hinter mir und holt mich wieder aus dem Keller.

Die Unioner auf dem Platz geben nicht auf. Am wenigsten der Torhüter. Aufmunternd schiebt er den Mann, der gerade eben den entscheidenden Ball verlor, nach vorne. Nachspielzeit gibt‘s, Schalker Angriffe ebenfalls, aber auch unsere Männer kommen noch zweimal vors gegnerische Tor. Keiner gibt auf, auch wenn es am Ende dann doch nicht reicht. Das quälende Gefühl der Niederlage singen wir weg mit dem Mantra über unseren FC Union, unsre Liebe, unsre Mannschaft unser Stolz. Auch verlieren gehört dazu, und auch diese Schlacht bleibt unvergessen. Union, ick liebe Dir!


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