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Frank Nussbücker: Als wäre es eine einzige Riesensause - Rückblick mit Schwenk nach vorn

Rückblick Union berlin auf letzte Saison

Bildquelle: Frank Nussbücker [], (Bild bearbeitet)

Ein wenig kommts mir noch immer so vor, als hätten wir gerade ein riesig lange Triumph-Saison beendet. Ein einziger Rausch, der am Abend des 27. Mai 2019 begann. Seither gings weiter, Schlag auf Schlag: Klassenerhalt, dann Conference League als Ouvertüre für den geballten Wahnsinn der Spielzeit 2021/22! Start in drei Wettbewerben – und von wegen: „DFB-Pokal“ ist nur einmal im Jahr!“

Zugegeben, unsere Mannschaft tat sich in Runde 1 nicht leicht mit dem damals noch Münchner Drittligisten. Auch unsere Auswärtsfahrer, die weit auseinander standen, hatten es schwer gegen den Trupp Schwarzgewandeter „Poeten“, die sich mit Ausrufen wie „Sch… Union – Max Kruse, Sohn einer Prostituierten“ hervortaten. Max schoss als Dankeschön das einzige Tor des Spiels, wir waren weiter. Die Liga begann mit zwei erfolgreich erstrittenen Unentschieden gegen schwer-reiche West-BSGen, bevor wir AdAF Borussia Mönchengladbach abfertigten.

Englische Wochen als Alltag

Nicht einmal der FCA konnte uns besiegen, dafür allerdings der Serien- wie der Vizemeister, na und? Zugegeben, wir waren das einzige Team der Liga, das gegen die Kleeblätter aus Fürth verlor, das wars dann aber auch schon mit Niederlagen in der gesamten Hinrunde. Die Siege gegen Hertha und RB daheim im Wohnzimmer waren fußballerisch mit das Beste, was ich seit langem bei Union erlebt hatte. Die bessere Mannschaft gewann, und die hieß beide Male 1. FC Union Berlin. Unsere spielten nicht mit, sondern bestimmten über weite Strecken das Spiel!

Englische Wochen wurden zur Normalität für unser Team, und Ermüdungs- oder Verschließerscheinungen suchte man zunächst vergeblich. Vielleicht abgesehen davon, dass unsere Fußballgötter das 3:1 im Pokal gegen einen weiteren Drittligisten erst in der Verlängerung erfochten. Egal, wir waren weiter! Und dann war da ja der mittlerweile schon wieder 20 Jahre lang gehegte Wunsch Tausender Unioner Wirklichkeit geworden: „Und irgendwann, irgendwann einmal …“

Allesfahrer auf Tour

„… spielt Union auch international!“ Zunächst nur Hin- und Rückspiel der Quali, beginnend mit der Auswärtspartie in Helsinki. Zwar hatte die UEFA ein Gästefan-Verbot erlassen, aber was interessiert das reisende Unioner? Einige hundert Eiserne kauften sich auf ganz normalem Weg Karten für verschiedenste Blöcke des dortigen Olympiastadions. Unter ihnen mein Blocknachbar Christian Schnuppe, der mich wissen ließ: „Ick fahr da hin, aber so richtig, mitm Neuner, eben ‘ne richtige Auswärtsfahrt!“

Wir hatten gerade 2 Corona-Spielzeiten hinter uns: keine Menschen im Stadion, Auswärtsfans tabu! Das Handeln der Eisernen Auswärtsfahrer war ein Lechzen nach Fußball-Normalität im Stadion mit echten Menschen auf den Rängen. Die Finnen waren so freundlich, alle angereisten Unioner in einen Block zu bitten, der dann äußerst sangesfreudig daherkam und auch visuell einen leuchtenden Auftritt hinlegte. Auch die Finnen unterstützten ihre Mannschaft lautstark, die gerade mal 6.000 Fußball-Verrückten im Olympiastadion zu Helsinki sorgten für eine großartige Atmosphäre.

Dem Oly steht Rot

Unsere Mannschaft erwies sich dieser Kulisse mehr als würdig. Das 4:0 auf fremdem Platz bot die beste Ausgangsposition für das Rückspiel im Olympiastadion zu Berlin. 22.159 Unioner auf den Rängen der größten Städtischen Spielstätte unserer Stadt – die Union-Mitarbeiter in tagelanger Arbeit in Eisernes Rot gekleidet hatten. Als unser Verein ein Video aus den Katakomben präsentierte, dachte ich zuerst, es sei im Kabinengang unseres Wohnzimmers aufgenommen worden.

 

 

Auf den Rängen waren, anders als Am Stadion An der Alten Försterei, auch die Ultras dabei, und zusammen verwandelten wir die riesige Schüssel in ein Stadion mit bombastischer Fußball-Atmosphäre. War das Spiel auch eher bescheiden, wir feierten das Leben, unseren Verein und unsere Liebe zum Fußball, nach Abpfiff zusammen mit der Mannschaft. Nie vergesse ich die Blicke einiger KuPS-Spieler, die verzückt herüberschauten, was wir da trieben. Christian Arbeit Arm in Arm mit dem KuPS-Präsi, er dankte ihm und seinem Verein unter unserem tosenden Beifall für die Gastfreundschaft in Helsinki.

Kämpfen und auch mal siegen

Auch das Wort Gastfeindschaft sollten wir in diesem Wettbewerb kennenlernen, aber für mich überwiegt ganz klar das Positive. Mit Slavia Prag, Maccabi Haifa und den gastfeindlichen Rotterdamern hatten wir mit mindestens zwei klassische Europa League Mannschaften die womöglich schwerste Gruppe erwischt, na und?! Zwar gingen die Spiele in Prag und Rotterdam verloren, doch auch hier kämpfte unsere Mannschaft zäh und … na ja, beinahe erfolgreich.

Allein, dass Union gegen Slavia nach Rückstand und Dezimierung unserer Mannschaft dank eines reichlich Karten spendenden Schiris zurückkam und Kevin Behrens in Spielminute 70 den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte, werde ich nie vergessen! Leider wurde das großartige Fußballfest auf Platz und Rängen gegen Maccabi Haifa von einigen Idioten getrübt. Davon abgesehen, erlebte ich hier zwei Fanlager, die alles gaben und vor wie nach dem Spiel an vielen Stellen friedlich durchmischt anzutreffen waren.

Erhobenen Hauptes

Das 3:0 unserer Mannschaft trug ebenfalls zu bester Stimmung bei. Einige Hundert Unioner nahmen zum Rückspiel die weite Reise nach Israel auf sich. Mein Allesfahrer-Blocknachbar Christian Schnuppe schwebte im Toten Meer, sang des Abends mit Gleichgesinnten Unionlieder auf den Straßen und erlebte zusammen mit weiteren 700 Unionern im Sammy-Ofer-Stadion in gastfreundlicher Atmosphäre einen packenden Fight auf dem Rasen. Julian Ryerson erzielte jenes Tor, dass dem 1. FC Union Berlin die Tür fürs Weiterkommen öffnete.

 

 

Weder die Gastfeinde, noch der tschechische Meister hatten in Haifa gewinnen können, das packte nur Union! Im quasi Endspiel demonstrierte Slavia Prag vor Pandemieverordnungs-bedingter Mini-Kulisse, dass sie einiges an Europapo-Erfahrung mehr auf Tasche haben als wir. Union schied aus, aber erhobenen Hauptes und für viele von uns mit einem ganzen Sack voll großartiger Erinnerungen. Schon die Erfahrung, dass selbst im zu einem Drittel gefüllten Oly eine knackige Fußball-Atmosphäre möglich ist, möchte ich nicht mehr missen.

Union ist immer laut

Im warmen roten Licht kann der gewaltig große Bau sogar ein nahezu gemütlicher Ort sein! Unvergessen für mich auch, wie wir dort den Namen unseres Keepers riefen, kurz nachdem wir aufgrund eines katastrophalen Torwart-Patzers in Rückstand geraten waren. Dieses vierfache „Luthe!“ war für mich einerseits Dank für seine Leistungen bis dahin. Zum anderen drückte es aus, dass wir ihn als Menschen sahen, dem eben auch mal ein Fehler unterläuft. Wir verloren das Spiel, nicht unseren Stolz und erst recht nicht unsere Menschlichkeit.

Ich genoss es, zu den Conference-Auftritten unserer Mannschaft endlich mal wieder zusammen mit den Ultras zu singbrüllen. Geführter Chorgesang mit Einheizer und Trommeln hat was! Stolz bin ich aber zugleich darauf, dass wir es AdAF auch unorganisiert zumeist eine echt Eiserne Kulisse hinbekamen. Anders als an manch anderem Ort, wo das Gros der Zuschauer aus Freiluft-Fernseh-Kiekern besteht, die höchstens bei einem Tor der Heimmannschaft kurz jubeln, herrschte in unserem Wohnzimmer stets echte Fußball-Atmosphäre!

Eine Achse bricht weg

9 Tage nach dem 1:1 gegen Slavia gewannen wir in Bochum, gingen Urs, seine Kollegen und Schützlinge bestens gelaunt in die Winterpause. Mit 27 Punkten standen wir auf Platz 7 und damit erneut auf einem Europapo-Platz! Relegation?, Abstiegskampf? – gefühlt nie gehört! Dennoch verwies Fußballlehrer und -philosoph Urs wiederholt darauf, dass auch mit diesem sensationellen Ergebnis der Klassenerhalt noch nicht in trockenen Tüchern war. Die Rückrunde zeigte uns, wie richtig er damit lag …

Mit einem Unentschieden und drei Siegen begann sie überaus vielversprechend, doch dann kam es dicke. Abwehrchef Marvin Friedrich hatte uns Richtung Mönchengladbach verlassen, was das Team zunächst ohne sichtbare Defizite wegsteckte. Am 30. Januar jedoch vermeldeten Presse und Verein den sofortigen Wechsel von Max Kruse nach Wolfsburg. Damit brach, angefangen mit Robert Andrich am 1. Spieltag, über Friedrich und Kruse eine entscheidende Achse unserer Mannschaft weg.

Schlag auf Schlag

Besonders der Weggang des extrovertierten Unterschieds-Spielers schien unsere Mannschaft vor große Probleme zu stellen. Und noch etwas wurde augenfällig: Sowohl Kruse wie Friedrich gingen zu Clubs, die deutlich hinter Union standen, aber über ein ungleich größeres Budget verfügten. Durch langjährige hervorragende Arbeit hatte sich der FCU das Los eines Ausbildungsclubs erarbeitet, der Spieler entdeckt und besser macht, um sie dann „den nächsten Schritt“ machen zu lassen, sprich: sie an reichere Vereine abzugeben, möglichst für eine entsprechende Ablöse.

 

 

Die immerhin gab es bei allen dreien, aber bedeutend schwerer wog: Direkt nach Kruses Abflug setzte es 3 Niederlagen mit 0:6 Toren. Urs Fischer stellte sich vor seine Jungs und betonte, man habe jetzt mehrere Spiele ebenso unglücklich verloren, wie man zuvor etliche Partien glücklich gewann. Dennoch, das Spiel unserer Mannschaft wirkte zumindest für mich als Fußball-Laien anders als gerade eben noch. Und der nächste Schlag folgte auf dem Fuße!

„Vertraue denen, die da sind!“

Am Montag, dem 21. Februar 2022, direkt nach besagten 3 Niederlagen ohne Torerfolg, vermeldete Unions Webseite: „Abschied im Sommer – Grischa Prömel verlässt Union.“ Der Mittelfeldmann war nach heutigen Maßstäben quasi ein Union-Urgestein, dazu einer der letzten Aufstiegshelden, der sich nach langer Verletzung sensationell zurückgemeldet hatte – und jetzt das!? Kurz drauf wurde bekannt, der nunmehrige Abwehrchef Robin Knoche habe Unions erstes Angebot zur Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrags nicht angenommen.

Sah Robin keine Perspektive mehr in einer auseinanderfallenden Mannschaft? Viele machten sich Sorgen um uns, andere spotteten, dass wir ohne Max Kruse eh nichts mehr in der Bundesliga zu bestellen hätten. Der Verein bewahrte die Ruhe, Urs Fischer und sein Team blieben bei ihrer Linie. Die hieß, um es mit den Worten des Cheftrainers auszudrücken: „Ich vertraue denen, die da sind und nicht denen, die nicht da sind.“ Auch den Lehrsatz: „Versuche an Stellschrauben zu drehen, die du beeinflussen kannst!“, diktierte er allen Kruse-Fragern beharrlich in ihre Endgeräte.

Solidarisch, loyal und bestens aufgestellt

Schon oft hatte er zuvor darauf verwiesen, wie seine Mannschaft das Fehlen oder den Weggang wichtiger Spieler kompensiere: mit Solidarität! Jeder ackert für die anderen mit, und alle stehen loyal zum Verein! Das tat auch Grischa Prömel. Seiner Aussage, bis zum Saisonende alles für Union reinzuhauen, ließ er aufm Platz sensationelle Taten folgen. Nach zwei Siegen in Liga und Pokal folgte nochmal eine Durststrecke aus 2 Niederlagen und einem Remis. Spätestens da bewies unsere Mannschaft, dass Urs Fischers Aussagen kein Pfeifen im Walde gewesen waren!

Außerdem war unser Kader derart gut aufgestellt, dass hinter jedem Leistungsträger mindestens ein anderer auf seine Chance wartete. Das zeigte sich besonders auf der Torhüterposition: Kaum fiel Andreas Luthe krankheitsbedingt aus, bewies Frederik Rønnow, dass er das Zeug zur Nummer 1 hat. Als der Däne später selbst verletzt passen musste, erwies sich Luthe aus dem Stand wieder als sicherer Rückhalt. Auch die um Kruses Abflug herum kurzfristig verpflichteten András Schäfer und Sven Michel entpuppten sich bald als spektakuläre Verstärkungen.

Nebenbei Stadtmeister

Was war das für ein Fest, als wir am 1. April 2022 den unter Unioner Steffen Baumgart saustark aufspielenden 1. FC Köln im ausverkauften Wohnzimmer empfingen! Die Waldseite erstmals wieder mit altbewährter Utra-Kraft, und auch bei uns an der Mittellinie war der Teufel los. Ein feucht-fröhliches Wiedersehen mit vielen, die seit Monaten nicht mehr im Stadion gewesen waren – und unsere Mannschaft agierte mit geballter Kampkraft! Köln war stark, Union stärker! Ein Fehler der Jecken besiegelte unseren Sieg!

Es folgte das Derby im ausverkauften Oly. Hertha hatte mal wieder einen neuen Trainer, und Altmeister Magath hatte die kriselnde Alte Dame offenbar wieder auf Kurs gebracht. Unioner beherrschten die Ränge und den Platz, und doch gingen wir nur mit 1:0 in die Pause. Kurz nach Wiederanpfiff glich Hertha aus – na und?! Keine 4 Minuten waren herum, da brachte uns Grischa Prömel erneut in Führung! Am Ende sorgten Sheraldo Becker und Sven Michel für den 4:1 Endstand, 6 Punkte Vorsprung in der Stadtmeisterschaft!

Zweimal gegen die GmbH

Es folgte der verdiente Kampfsieg gegen die wackere Frankfurter Eintracht. Die hatten 3 Tage zuvor Barca auswärts geschlagen und jenes Spiel wie dessen Nachbereitung noch in den Knochen. Trotzdem besiegst du diese Truppe nicht im Vorbeigehen. Nur 3 Tage später stand das DFB-Pokal-Halbfinale gegen die in Leipzig stationierte Fußball-Filiale einer Brause-GmbH aus Fuschl am See an. Nach 15 Minuten gehörten die Ränge ganz klar Union, und lange Zeit auch der Rasen.

Unsere Führung in Minute 25 durch den pfeilschnellen Sheraldo Becker war hochverdient. Ganz anders der durch ein Schiri-Versehen erzielte Ausgleich der Fuschler nach geschenktem Elfer. In einem großartigen Kampf verloren wir in buchstäblich letzter Sekunde im ehemaligen Leipziger Zentralstadion – um nur 3 Tage später erneut gegen diese schwerreiche GmbH samt angeschlossenem 21-Mann-Verein anzutreten. Konnte unsere Mannschaft noch einmal eine derartig starke Leistung auf den Rasen bringen und hatte dazu das entscheidende Quäntchen Wettkampfglück auf ihrer Seite? Ganz ehrlich: Ich war mir da längst nicht sicher …

Superjoker und Eiserner Hulk

Fußballgott und Glücksfee zeigten uns gleich mal den fiesen Mittelfinger. Union ackerte auf Platz und Rängen, und wer ging in Führung? Die Brause-GmbH, auch noch kurz nach der Pause! Zwar schenkte ihnen Herr Schiri diesmal keinen Elfer, dafür wurde uns selbiger nach klarem wie brutalem Dosen-Foul verweigert! Unsere ackerten weiter, doch das gegnerische Tor blieb vernagelt. Taiwo und Sheraldo hatten die gegnerische Defensive schwindelig gespielt und sich nicht belohnen können, als ersterer in Minute 85 vom Platz ging.

 

 

Für ihn kam Sven Michel, um 30 Sekunden später seinen 1. Ballkontakt per Flugkopfball volle Pulle ins Dosen-Tor zu vollenden! Was für ein Einstand, und der größte Coup kam erst noch: Zuckerpass von Becker auf Michel, der per Hacke seinen ebenfalls gerade erst eingewechselten Sturmpartner Kevin Behrens bediente. Behrens haute das Ding rein, verwandelte sich augenblicklich zum Hulk und stürmte Richtung Union-Kurve. Der schönsten Gelben Karte der Welt wegen Oberkörper-Entblößung folgte die Auszeichnung „Tor des Monats“ April, die er zusammen mit Sven Michel redlich verdient hatte.

Irres Finale – die Nächste!

Das war nun schon unser zweites Tor des Monats in jener Saison. Und wie jetzt weiter? Während uns vor dem Spiel gegen Schlusslicht Greuther Fürth so mancher Vereinsfremde gefühlt in der Champions League sah, freute ich mich über Michels Joker-Ausgleich gegen unseren Angstgegner aus Franken. Die spielten wie der Teufel, doch unsere erkämpften immerhin den Punkt. Sieh Dir unsere Bilanz gegen diesen Gegner an – und freu Dich mit.

Dann das Finale, bei dem die scheidenden Grischa Prömel und Taiwo Awoniyi ihre letzten Tore für uns schossen und wie die gesamte Mannschaft einen echten Union-Auftritt inklusive Schreck-Minuten hinlegten. Durch die Scheibe des Tribünenhauses beobachtete ich anschließend das irre Treiben Zehntausender Unioner auf dem Parkplatz. Die Unterstützung der Unioner hatte unsere Mannschaft auch in der Februar-März-Ergebnismisere genossen. So sehr der eine oder die andere auch meckerte – spätestens zum Anpfiff kannten alle nur eins: „Auf geht’s Union, kämpfen und siegen!“

Licht und Schatten

Besagte Talfahrt im Februar 2022 gehörte zu Unions größeren Krisen der letzten Jahre. In der Tabelle gings abwärts, doch alle arbeiten konzentriert weiter. Im Nachhinein erscheint mir genannte Krise gar als Triumph. Brachte sie doch unsere Mannschaft samt Stab dazu, genau das noch konsequenter zu leben, wovon Urs Fischer immer predigt: Solidarität und Loyalität! Trainer- und Funktionsteam, Mannschaft, Scouting-Abteilung, Caterer, Ordner, wir auf den Rängen – Union zog sich ohne Münchhausen-Schmu am eigenen Zopf aus dem Schlamm, darauf bin ich stolz, das macht mich glücklich!

Bei alledem lehrte uns die vergangene Saison, wie anstrengend 3 Wettbewerbe sind. Umso schöner, dass es weitergeht mit „Europapokal, Europapo!“ Der Preis des Erfolgs besteht allerdings auch darin, dass viele von uns nur noch schwer ins Stadion kommen. Auch wirken die Pandemie-Jahre bis heute, nicht nur finanziell. So mancher altgediente Eiserne entfremdete sich ein wenig vom Verein, einer meiner liebsten Blocknachbarn war seit Winter 2020 nicht mehr AdAF. Manche gerieten über Pandemie, Impfung oder den Krieg derart in Streit, dass sie sich bis heute kaum ankieken können.

Eisern geht’s weiter

Dennoch, wir überstanden das Ausgesperrtsein, Krise, alles Finstere! Und nach wie vor gilt: „Vertrauen wir denen, die da sind!“ Zusammen feiern ist zig Mal schöner, als allein – und dass man Krisen und diverse Schläge gemeinsam um ein Vielfaches besser bewältig, lehrte uns einmal mehr diese irre starke letzte Spielzeit. Ich freue mich auf unser Wiedersehen im Wohnzimmer wie auswärts, wenn wir wieder zusammen Union leben!

Wir beginnen bei 0 Punkten, und bis zu den berühmten 40 ist es ein harter Weg. Mit Bremen und Schalke kommen zwei Schwergewichte hinzu, sodass wir vom Budget her wohl mal wieder als Zweit-Leichtester ins Rennen gehen. Wieder haben uns verdiente Spieler verlassen – vertrauen wir auch denen, die neu hinzukommen. Halten wir an unseren Werten fest und kümmern uns umeinander, auch und gerade, wenn mal wieder kein Sieg greifbar ist. Union heißt: Wir gewinnen und verlieren gemeinsam, solidarisch und loyal, wie Urs es von seinen Spielern fordert, Eisern heißt dit!


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