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Frank Nussbücker: Und dann in Haifa … - Union Berlin siegt mit 3:0

Sieg für Union Berlin gegen Maccabi Haifa

Bildquelle: Harleypaul on Tour [], (Bild bearbeitet)

Ich fuhr zu unserem zweiten Schüsselspiel, wie ich noch nie zuvor zu einer Begegnung meines 1. FC Union reiste. Maccabi Haifa war mir eine völlige Wundertüte. Gehört hatte ich den Namen des Vereins etliche Male, sogar im Zusammenhang mit der Schampusliga. Mehrfacher israelischer Meister sind sie, mit einer Mannschaft, deren Marktwert etwa ein Fünftel von jenem unserer Fußballgötter beträgt. Was diese Zahlen zu bedeuten haben, wissen wir spätestens seit dem letzten Saisonfinale gegen an jenem Tag zigfach überbezahlte Redbullianer.

Urs Fischer verriet in der Pressekonferenz, dass er keinen seiner Leute nach Israel schicken konnte, um den Gegner vor Ort zu analysieren. Aber gut, ein ordentliches bisschen mehr an Wissen über unseren Gegner als ich dürfte er schon haben. Seinen Humor verlor er jedenfalls nicht, nahm ich als besonders positiv aus der Pressekonferenz vorm Spiel mit. Ich freue mich, dass auch knapp tausend Gästefans dabei sind, wenngleich ich natürlich hoffe, dass wir am Ende mehr Gründe zum Feiern haben.

Willkommen zum Fest!

Ich selbst feiere schon mal während meiner Fahrt zum Stadion. Sehe ich diese Europapo-Spiele doch nahezu völlig als ein Bonusprogramm dieser Saison. Natürlich kann uns dieser Bonus teuer zu stehen kommen. Also hoffe ich erst mal, dass sich keiner unserer Spieler verletzt – und alle am Sonntag wieder genügend Power im Tank haben. Ich gebe es zu: Ein klein wenig denke ich zumindest vor Anpfiff an das schwere Spiel am Sonntag bei den gerade so starken Mainzern.

Das darf jetzt keiner unserer Spieler, niemand aus unserem Team – als Fan nehme ich mir dieses Recht heraus – genug vorgeplänkelt! Wegbier ausm Kühlschrank geholt – und ab in den Westteil unserer Stadt! Die Sonne lacht, und das in Rot gewandete Oly ist mir fast schon vertraut. Ich genieße es, auf meinem Weg um den für mich schaurigen Bau Eiserne Bekannte zu treffen, die ich schon lange nicht mehr sah. Immer wieder begegne ich auch Maccabi-Fans. „Welcome“ und „good luck“ grüßen wir einander.

Geiles Konzert mit paar schiefen Tönen

Schön auch die Gewissheit, dass dieses irrsinnig weite Oval selbst mit 23.324 Zuschauern eine äußerst knackige Fußballkulisse abgibt. Bisschen weniger hallen könnte es, aber das sind Luxusprobleme. Blöd finde ich es allerdings, dass der Applaus für unsere Gäste hörbar von Buhrufen durchsetzt ist. Mein „Welcome“ war keinen Fatz geheuchelt. Ich freue mich nämlich verdammt heftig, dass wir hier in einem internationalen Wettbewerb vor internationaler Kulisse spielen.

Die Maccabi-Spieler laufen zu ihren Fans. Deren Block leuchtet silberweiß und grün – und macht ordentlich Ballett, genau wie wir, DAS ist Fußball: „Und wir lieben unsern Club, und wir sind stolz auf ihn!“, statt Gäste anzubuhen, die mir nicht die Bohne was getan haben. Wow, Urs stellt Rönnow ins Tor, gönnt Max & Taiwo zunächst eine Pause. Auf der Bank sitzen auch Laurenz Dehl, Fabio Schneider und Yannic Stein als 3. Torwart!

Organisierter Gesang hat was!

Los geht’s: Der Maccabi-Block erweist uns die Ehre mit hellem Leuchten, und wir intonieren „1. FC Union Berlin – und alle!“, angeleitet von drei Vorsängern mit Megafonen im Anschlag. Haifa wirkt ein wenig von der Rolle, unsere dominieren das Spiel. Doch noch kommen sie nicht gefährlich in den gegnerischen Sechzehner. Plötzlich ein Konter, Gestocher, Abstoß Rönnow. Haifa singt, unsere Kapos brüllen ihre Anweisungen. Kurz drauf erschallt das „Schala-lalalalala, Eisern Union!“

Vom Text her eher Stulle, besticht dieser Gesang durch seine Choreografie. Wechselweises Schal-Hochhalten, später Kreiseln, dazu das Auf- und Abschwellen des Gesangs, jawollja, das macht das Ganze besonders! Unsere Mannschaft versucht es derweil über links – schade, aber wir applaudieren dem Versuch. „Alle Arme hoch!“, bereiten die Kapos den nächsten Gesang vor: „Wir sind Unioner, wir sind die Kranken“ – und Haifa greift an. Kurz drauf wir vor deren Tor – Abseits.

„Tor – für den 1. FC Union Berlin!“

Haifa stört verdammt früh – und wird jetzt fast gefährlich. In der Pause zwischen zwei Gesängen höre ich den Gästeblock: Altvertraute Melodien mit meinen Ohren fremdem Text. Nach einigem Geplänkel setzt sich Käpten Trimmel über rechts durch! Pass in den Strafraum, leider nichts, begleitet von tausendfachem Schalkreiseln. Gerade brüllen wir: „Auf geht’s Union, kämpfen und siegen!“, da dringen unsere vors Tor. Ball verloren, zurückgeholt, Behrens passt zu Voglsammer – die Maschen tanzen!

 

 

Wie befreiend unser Aufschrei! Leider stehen Micha und Carola zwei Reihen vor mir – in diesem Stadion zu weit zum Abklatschen. „Fußballclub Union Berlin mein Lebenselixier“, gute Liedwahl. Käpten Trimmel kämpft wie ein Löwe, und in der 37. endlich mal wieder: „Hinein, hinein!“ Unsere erste Ecke, kann das sein? Wir bleiben gefährlich, und in der 41. erklingt unser Mantra. Haifa greift an, Abwehr steht. Nochmal Union, 2 Mann verpassen die Hereingabe, Pause!

Jeder Fußballgesang hat seinen eigenen Reiz

Kaum ist das Spiel wieder angepfiffen, sind unsere schon wieder vorm gegnerischen Tor. Haifa foult, Freistoß Union. Der Käpten visiert Kevin Behrens an. Der ist umzingelt von lauter Grün-Weißen – und will den Ball doch viel mehr als sie alle zusammen. Er steigt hoch, köpft voller Wucht mitten hinein ins gegnerische Tor! Wieder schreie ich auf, dieses Mal gleich noch befreiter als vorhin. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich wie beim 1. Tor niemanden umarme.

Das Spiel plätschert nun dahin. „Oh Köpenick, du bist wunderschön“ – und Rönnow hält! Ich glaube, es ist das erste Mal, dass er ernsthaft geprüft wurde. Nichts dagegen! Weiter geht’s, fett mit langem Stadiongesang. Es hat was, auch mal wieder derart choreografiert zu supporten. Im Wohnzimmer auf uns gestellt, dominieren dagegen kurze Gesänge. „Alte Försterei!“ schallt es plötzlich „unorganisiert“ von links herüber – sofort sind wir dabei, und auch die Kapos machen mit. Es lebe das Zusammenspiel aller Unioner!

Eine Fliege im Bier oder: Schöner Eisern ohne Klopsköppe!

Auf dem Rasen passiert jetzt nicht mehr viel. Urs wechselt, 2 x doppelt, 1 x einfach. Kaum ist Taiwo im Spiel, spielt Genki raus auf Becker, der derart liebevoll in den Sechzehner passt, dass Awoniyi ihn punktgenau unter der Latte ins Netz nageln kann: Drei zu Nuuuuuuuull für Union! Als Krönung der Spielbegleitung von den Rängen erschallt: „He FC Union, olé olé FC Union“ als auf- und abschwellender Orkan. Abpfiff, die Party geht weiter! Die Mannschaft kommt zu uns vor die Gegengerade, auf dass wir gemeinsam die Party „Europapokal, Europa-Po!“ besingen können.

Alle untergehakt, der nächste Gesang. Was für ein Spiel, was für eine Kulisse rund um das Spielfeld. Wir sind zurück – und dank einiger Idioten unter uns einen Tag später um eine Negativschlagzeile „reicher“. Ich wünsche mir, dass unser Verein diejenigen ausmacht, die einige unserer Gäste rassistenbekloppt angingen und diese Klopsköppe von weiteren Stadionbesuchen „befreit“. So sehr Rivalität dazugehört, „Welcome & good luck“ erscheinen mir als weit besserer – und gestern zig Male gelebter – Umgang als jede rassistische Scheiß-sonstwas- Beleidigung. Auf das die nächste Eiserne Party ungetrübter endet, Dit heißt Eisern!

Auch schöne Szenen auf dem Stadiongelände

Anmerkung der Redaktion: Eigentlich verändern wir die Texte von Frank „Nussi“ Nussbücker nicht. In diesem Fall haben wir uns mit ihm heute Mittag besprochen, ehe sein Artikel veröffentlicht wurde, denn wir als Admins von Eiserne-Unioner.de haben einen Nachtrag zu liefern!

Nachdem der Abschied von Spielern und Unionern auf den Rängen beendet wurde, gingen wir in Richtung Ausgang. Unten am Stadiongelände angekommen, beobachten wir, wie zahlreiche Unioner Spalier für die israelischen Fans standen, sich abklatschen, freuten und teils auch diverse Fan-Utensilien wie Schals etc. austauschten. Ein schönes Bild, welches die Szenerie wiedergab. Diese Ereignisse sollen auf keinen Fall jene Szenen relativieren, die im Stadion stattfanden. Wir wollten jedoch auch von diesen Dingen erzählen.


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